Mental, Load

Mental Load: 87 Prozent der Männer halten die Aufgabenverteilung für gerecht

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfragen und internationale Daten dokumentieren die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit; offene Gespräche und bessere Rahmenbedingungen gelten als Lösungsansätze.
Ein minimalistisch eingerichteter Wohnbereich mit einem Esstisch und zwei gegenüberstehenden Stühlen in sanftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Internationale Medienberichte beleuchten die ungleiche Verteilung emotionaler und organisatorischer Sorgearbeit sowie praxistaugliche Modelle für eine gleichberechtigte Organisation von Familie und Beruf. Die Debatte um den sogenannten Mental Load zeigt, wie stark die mentale Last der alltäglichen Haushalts- und Familienorganisation noch immer einseitig verteilt ist.

Wahrnehmung und Realität klaffen in Partnerschaften auseinander

Eine vom Österreichischen Institut für Familienforschung gemeinsam mit dem Unternehmen Bipa durchgeführte Umfrage unter 1.579 Personen im Alter von 16 bis 75 Jahren verdeutlicht erhebliche Unterschiede in der Wahrnehmung von Paaren.

Demnach bewertet rund ein Drittel der Frauen in Partnerschaften die Aufgabenverteilung als ungerecht, während 87 % der Männer die Aufteilung als gerecht empfinden. Ein Fünftel der befragten Frauen fühlt sich stark belastet, und 29 % leiden mehrmals pro Woche an stressbedingten körperlichen Beschwerden.

Zudem sehen 61 % der Frauen die Hauptverantwortung für Sauberkeit und Ordnung bei sich selbst, während dies nur 35 % der Männer tun. Gleichzeitig gaben 71 % aller Befragten an, Frauen seien besser darin, besondere Anlässe und den Familienalltag zu organisieren. Kolumnisten weisen darauf hin, dass die Beseitigung ungeklärter Gegenstände im Haushalt in vielen Familien automatisch der Mutter zufällt.

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Strukturelle Daten stützen diese Ungleichheit. Laut Erhebungen von Statistik Austria war 2025 bei etwa 47 % der Paare mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt der Mann vollzeit- und die Frau teilzeiterwerbstätig. Bei knapp 16 % war ausschließlich der Mann erwerbstätig.

Das Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer Wien wies für das Jahr 2025 aus, dass 75,3 % der erwerbstätigen Mütter zwischen 25 und 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit arbeiteten, verglichen mit lediglich 8,5 % der Väter.

Globale Dimensionen unbezahlter Fürsorge

Die ungleiche Verteilung ist kein rein lokales Phänomen. Nach Angaben von ONU Mujeres leisten Frauen weltweit dreimal so viel unbezahlte Pflegearbeit wie Männer. In Lateinamerika und der Karibik lag der Aufwand laut CEPAL bei 22 bis 43 Stunden pro Woche für Frauen gegenüber 7 bis 20 Stunden bei Männern.

Die Internationale Arbeitsorganisation hielt für 2024 fest, dass weltweit 708 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter wegen unbezahlter Pflege außerhalb des Arbeitsmarktes standen, während dies bei Männern lediglich einen von 20 betraf.

In Mexiko entsprach die unbezahlte Haus- und Pflegearbeit im Jahr 2024 laut INEGI 24 % des Bruttoinlandsprodukts. Der Frauenanteil daran betrug 72,6 %, wobei Frauen wöchentlich fast 40 Stunden leisteten und Männer gut 18 Stunden.

Psychische Folgen und Lösungsansätze

Die ständige mentale Verantwortung wirkt sich messbar auf das Wohlbefinden aus. Forscher des UCLA-CELF stellten einen direkten Zusammenhang zwischen einem erhöhten Cortisolspiegel bei Frauen und der Anzahl der Haushaltsgegenstände fest. Eine Psychotherapeutin betonte in Berichten, dass Konflikte um Haushaltsordnung real und keineswegs banal seien.

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Die Lösung liege im offenen Gespräch sowie darin, das Mitdenken und Planen strukturell aufzuteilen. Ein Beziehungscoach unterstrich, dass in einer gerechten Partnerschaft beide Seiten Aufgaben teilen, eigenständige Entscheidungen treffen und das damit verbundene Fehlerrisiko mittragen müssen.

Wie eine gleichberechtigte Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel eines österreichischen Unternehmerpaares, das vier Oldtimer-Standorte sowie eine Franchise-Filiale führt: Sie teilen Betreuung, Haushalt und Unternehmensführung flexibel ohne starre Übergabezeiten auf und nutzen seit 25 Jahren ein gemeinsames Konto mit identischem Taschengeld.

Auf gesellschaftlicher Ebene fordern Gleichstellungsexperten neben individuellen Strategien vor allem bessere Rahmenbedingungen für die partnerschaftliche Vereinbarkeit.

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