Menstruationsbeschwerden, Frauen

Menstruationsbeschwerden: 78% der Frauen leiden, nur 5% melden sich krank

28.05.2026 - 18:39:38 | boerse-global.de

78 Prozent der Frauen leiden unter Menstruationsbeschwerden im Job, doch nur fünf Prozent melden sich krank. Eine Umfrage zeigt die Kluft zwischen Potenzial und Realität.

Menstruationsbeschwerden: 78% der Frauen leiden, nur 5% melden sich krank - Foto: über boerse-global.de
Menstruationsbeschwerden: 78% der Frauen leiden, nur 5% melden sich krank - Foto: über boerse-global.de

Eine aktuelle Umfrage zeigt die Kluft zwischen betrieblichen Chancen und realer Unternehmenskultur.

Tabu trotz hoher Betroffenheit

Eine im Mai 2026 veröffentlichte Umfrage der Institute Bilendi und Voiio unter mehr als 1.000 erwerbstätigen Frauen offenbart ein deutliches Problem: Rund 45 Prozent der Befragten nehmen Menstruationsbeschwerden in ihrem beruflichen Umfeld als Tabuthema wahr. Etwa drei Viertel der Frauen gaben an, dass das Thema am Arbeitsplatz unterschätzt werde.

Besonders brisant: Die Kommunikation mit männlichen Vorgesetzten oder Mitarbeitern vermeiden 75 Prozent der befragten Frauen. Die Scheu ist tief in der Unternehmenskultur verankert.

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Körperliche Belastung, aber kaum Krankschreibungen

Die Symptome sind konkret und belastend. 66 Prozent der Frauen berichten von schnellerer Erschöpfung, 61 Prozent von erhöhter Gereiztheit. 56 Prozent fühlen sich emotional weniger belastbar, 53 Prozent klagen über schwankende Leistungsfähigkeit. Konzentrationsschwierigkeiten nennen 48 Prozent.

Doch krankmelden tut sich kaum jemand: Nur fünf Prozent der Betroffenen bleiben bei Beschwerden zu Hause. Stattdessen greifen 36 Prozent zu Schmerzmedikamenten, um arbeitsfähig zu bleiben.

Das wirtschaftliche Potenzial

Untersuchungen der UN-Frauenrechtskommission aus dem Jahr 2026 zeigen: Gezielte Menstruationsinterventionen könnten krankheitsbedingte Fehlzeiten um bis zu 62 Prozent senken. Experten sehen in der Anpassung von Arbeitsabläufen an die Zyklusphasen einen Hebel, um die individuelle Leistungsfähigkeit besser auszuschöpfen.

Die Rendite für Unternehmen ließe sich rechnerisch verdreifachen. Klingt gut – doch die Realität sieht anders aus.

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Kritische Stimmen warnen jedoch vor einer zu starken Fokussierung auf den Zyklus. Die Gefahr der Stigmatisierung von Frauen im Berufsleben sei real.

Rechtliche Lage: Keine Offenlegungspflicht

Fachanwältin Nathalie Oberthür stellt klar: Menstruationsbeschwerden sind keine Krankheit im klassischen Sinne. Bei entsprechendem Krankheitswert rechtfertigen sie jedoch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Beschäftigte sind rechtlich nicht verpflichtet, den konkreten Grund einer Krankmeldung offenzulegen.

Strukturelle Ungleichheit als Hintergrund

Die Debatte fällt in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Daten des Statistischen Bundesamtes für 2025 belegen eine Rekord-Teilzeitquote von 31,9 Prozent in Deutschland. Das Gefälle zwischen den Geschlechtern ist enorm: 50,6 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit, aber nur 14,3 Prozent der Männer. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Eltern mit minderjährigen Kindern.

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Internationale Vergleiche wie der PwC Women in Work Index vom März 2026 zeigen weiteren Handlungsbedarf. Österreich belegt im OECD-Vergleich nur Rang 27 von 33 Ländern – unter anderem wegen eines Gender Pay Gap von 17,6 Prozent.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Initiativen zur Enttabuisierung gesundheitlicher Aspekte an Bedeutung. Die langfristige Erwerbsbeteiligung und Karriereentwicklung von Frauen hängt auch davon ab, ob der Arbeitsplatz mit den biologischen Realitäten umgehen kann.

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