Menstruationsbeschwerden: 78% berichten Beeinträchtigung am Arbeitsplatz
28.05.2026 - 14:54:19 | boerse-global.de
Neue Apps und Studien zeigen: Menstruationsbeschwerden sind ein Massenphänomen – doch im Berufsleben schweigen die meisten Betroffenen.
Die Lübecker Startup-Szene mischt den Markt für digitale Gesundheitsanwendungen auf. Mit femCycle bringt ein junges Unternehmen eine App auf den Markt, die Menstruationsschmerzen gezielt bekämpfen soll. Die Anwendung ist als EU-Medizinprodukt zertifiziert und nutzt persönliche Daten wie Stimmung, Schmerzlevel und Bewegung, um individuelle Empfehlungen zu geben.
„Solche digitalen Werkzeuge können helfen, chronische Beschwerden besser in den Griff zu bekommen", sagt Gynäkologe Dr. Thorben Ahrens. Die App startete mit einer kostenlosen Pilotphase und kostet danach rund zehn Euro im Monat. Am heutigen Donnerstag wird sie im Lübecker VersuchsHaus offiziell vorgestellt – ein Zeichen dafür, wie sehr Gesundheitstechnologie und Gemeinschaft heute zusammengedacht werden.
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Das große Schweigen im Büro
Dabei ist der Bedarf enorm. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK zeigt: Zwei von drei menstruierenden Menschen leiden regelmäßig unter Schmerzen. Eine aktuelle Studie von Bilendi für die Plattform Voiio unter 1.051 Frauen (Durchschnittsalter 36,3 Jahre) belegt zudem ein hartnäckiges Tabu: 45 Prozent der Befragten empfinden das Thema Menstruation am Arbeitsplatz als heikel.
Die Folgen sind gravierend. Rund 78 Prozent geben an, dass die Symptome ihren Arbeitsalltag beeinträchtigen. Zwei Drittel werden schneller müde, 56 Prozent fühlen sich emotional weniger belastbar. Besonders bemerkenswert: 75 Prozent sprechen nicht mit männlichen Kollegen darüber.
Obwohl 36 Prozent der Betroffenen zu Medikamenten greifen, nimmt nur jeder Zwanzigste offiziell Krankschreibung. Dabei wäre das durchaus legal, wie Arbeitsrechtsexpertin Nathalie Oberthür erklärt: „Sobald die Beschwerden Krankheitswert haben, ist eine Krankschreibung möglich – auch bei regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden. Die genaue Diagnose muss niemand dem Arbeitgeber mitteilen."
Was wirklich hilft: Von Wärmflasche bis Osteopathie
Die medizinische Forschung setzt auf einen Mix aus bewährten und neuen Methoden. Bei akuten Schmerzen empfehlen Ärzte entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen – am besten vor dem Schmerzpeak eingenommen. Auch Wärme und leichte Bewegung gelten als gut belegt.
In der komplementären Medizin zeichnen sich Erfolge ab: Ingwertee, Magnesium, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren zeigen positive Effekte. Die Osteopathie hat sogar Einzug in die medizinischen Leitlinien gefunden – als ergänzende Behandlung bei Endometriose. Eine Studie von Almut Boltz belegt: Osteopathie kann sowohl körperliche Schmerzen als auch emotionalen Stress lindern.
Die Zahlen des Robert Koch-Instituts unterstreichen die Dringlichkeit: Jährlich gibt es über 40.000 Neudiagnosen von Endometriose, mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. „Eine vollständige Heilung ist oft nicht möglich", sagt Prof. Dr. Sylvia Mechsner von der Charité. „Aber multimodale Behandlungskonzepte sind essenziell."
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Mythen und Hygiene: Was stimmt wirklich?
Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) räumt mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf: Das Toxische Schocksyndrom (TSS) tritt nicht nur bei Tampons auf – auch Menstruationstassen oder -schwämme können es auslösen.
Gute Nachrichten vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Spuren von Schwermetallen oder Pestiziden in Tampons stellen kein nennenswertes Gesundheitsrisiko dar. Wer auf wiederverwendbare Produkte setzt, sollte Menstruationsunterwäsche bei 60 Grad waschen. Von Meeresschwämmen raten Gynäkologen dagegen ab – sie lassen sich nicht keimfrei reinigen.
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