Menopause und Hormone: Studie mit 52.330 Frauen findet kein höheres Herzrisiko
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine groß angelegte Kohortenstudie von Clalit Health Services, vorgestellt auf den Scientific Sessions der American Heart Association in Chicago, liefert neue Erkenntnisse zum kardiovaskulären Risikoprofil einer Hormontherapie bei Frauen in der Menopause.
Die retrospektive Untersuchung verglich 52.330 Frauen im Alter von 45 bis 59 Jahren, die zu Beginn weder unter atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, venösen Thromboembolien noch unter Krebserkrankungen litten. Die Teilnehmerinnen wurden jeweils zur Hälfte in eine Gruppe mit Beginn einer Hormontherapie und eine Kontrollgruppe ohne Hormonbehandlung aufgeteilt.
Über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 12 Jahren und ein maximales Follow-up von bis zu 23 Jahren zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse oder der Gesamtsterblichkeit.
Langzeitdaten zeigen neutrale kardiovaskuläre Effekte
Die von Forschenden um R. Arbel von Clalit Health Services und dem Sapir College durchgeführte Analyse glich die Kohorten hinsichtlich Alter, Body-Mass-Index, Blutdruck, Cholesterinwerten, Diabetes, Rauchstatus sowie sozioökonomischem Status ab.
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Bei venösen Thromboembolien lag die Rate in beiden Gruppen bei 0,56 pro 1.000 Personenjahre, was einer bereinigten Hazard Ratio (aHR) von 1,01 entspricht (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,82–1,24). In absoluten Zahlen traten Thromboembolien bei jeweils 0,33 Prozent der Frauen auf (174 Fälle mit Hormontherapie gegenüber 175 Fällen ohne).
Atherosklerotische kardiovaskuläre Ereignisse traten mit einer Rate von 7,82 pro 1.000 Personenjahre in der Hormongruppe und 7,99 pro 1.000 Personenjahre in der Kontrollgruppe auf (aHR 0,98; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,93–1,04). Absolut betraf dies 2.311 Frauen (4,4 Prozent) unter Hormonbehandlung und 2.383 Frauen (4,6 Prozent) in der Vergleichsgruppe.
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Die Sterblichkeit vor dem 80. Lebensjahr lag bei 2,13 gegenüber 2,10 pro 1.000 Personenjahre (aHR 1,03; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,92–1,15), was 659 Todesfällen (1,3 Prozent) gegenüber 653 Todesfällen (1,2 Prozent) entsprach. Auch für den kombinierten Endpunkt ergab sich mit 10,05 pro 1.000 Personenjahre in beiden Gruppen kein Unterschied (aHR 1,0; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,96–1,06).
Die Autoren stellten zudem fest, dass die Art des Präparats oder die Anwendungsform – ob oral, transdermal oder als Gel – keine Abweichungen bei den Ergebnissen bewirkte.
Methodische Grenzen und therapeutische Einordnung
Die Studienautoren wiesen auf wesentliche methodische Einschränkungen hin: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich keine kausalen Schlüsse ziehen. Ein potenzieller Healthy-User-Bias könne nicht ausgeschlossen werden. Zudem lagen keine Daten zu körperlicher Bewegung, Ernährungsgewohnheiten oder der individuellen Symptomstärke vor, und das Abstract durchlief vor der Präsentation kein reguläres Peer-Review-Verfahren.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autoren von Clalit Health Services und dem Sapir College die Hormontherapie weiterhin ausschließlich zur Behandlung menopausaler Symptome und ausdrücklich nicht zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Ergebnisse stützen jedoch die Annahme, dass ein Behandlungsstart im Altersfenster zwischen 45 und 59 Jahren bei gesunden Frauen nicht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Zwischenfälle oder einer höheren Sterblichkeit einhergeht.
