Menopause, Diabetes

Menopause und Diabetes: Frühe Wechseljahre erhöhen das Risiko um 30 Prozent

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IDF und DDG beschreiben hormonelle Einflüsse auf den Glukosestoffwechsel und empfehlen gezielte Kontrollen sowie umfassende Vorsorge.
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum mit einem Holztisch, einem Glas Wasser und einem Ausblick in einen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Hormonelle Übergänge im Leben einer Frau haben erhebliche Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel. Wie eine Übersichtsarbeit der International Diabetes Federation (IDF) aus dem März 2026 darlegt, beeinflussen hormonelle Schwankungen von der Pubertät bis zur Menopause die Insulinempfindlichkeit nachhaltig.

Phasen wie das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS), ein Schwangerschaftsdiabetes sowie die Wechseljahre machen daher eine gezielte und differenzierte Glukosekontrolle erforderlich.

Hormonelle Wendepunkte von der Schwangerschaft bis zur Menopause

Laut der IDF verändert die Menopause durch sinkende Östrogenspiegel die Zusammensetzung des Körpers. Zwar sei der Eintritt in die Wechseljahre keine zwangsläufige Ursache für Diabetes, die hormonellen Veränderungen begünstigen jedoch die Entwicklung von Übergewicht und einer Insulinresistenz.

Zudem verweist die Organisation darauf, dass ein vorangegangener Schwangerschaftsdiabetes das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes merklich erhöht. Regelmäßige Stoffwechselkontrollen nach der Entbindung seien daher unverzichtbar.

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) betonte anlässlich des Weltmenopausentags am 18. Oktober 2026, dass sinkende Östrogenspiegel das Bauchfett, die Insulinresistenz und die Blutfettwerte negativ beeinflussen können. Dies führe zu einem schrittweisen Anstieg des Risikos für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen.

DDG-Präsidentin Prof. Julia Szendrödi wies darauf hin, dass Frauen mit einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr laut internationalen Studien ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes aufweisen. Zudem verändere sich bei bestehendem Typ-1-Diabetes in dieser Phase häufig der Insulinbedarf, weshalb Glukosedaten engmaschiger ausgewertet werden sollten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Verlauf und Folgeerkrankungen

Die biologischen und klinischen Ausprägungen von Diabetes unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern deutlich. Dr. Mani Deepthi Dasari, Endokrinologin an den Apollo-Kliniken, erläuterte, dass Faktoren wie Hormone, Fettverteilung und soziale Einflüsse das Typ-2-Diabetes-Risiko prägen.

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Während bei Frauen PCOS, erhöhte Androgenspiegel und eine frühe Menopause das Erkrankungsrisiko steigern, führt die Menopause zudem zu einem erhöhten relativen Risiko für akute Herzerkrankungen und vorzeitigen Tod. Psychische Belastungen wie Depressionen und Angstzustände treten bei betroffenen Frauen ebenfalls häufiger auf.

Männer hingegen weisen häufiger vermehrtes Viszeral- und Bauchfett auf und erhalten die Diagnose Typ-2-Diabetes oft in jüngerem Alter und bei geringerem Körpergewicht. Sie leiden vermehrt unter Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Erektionsstörungen, wobei auch ein niedriges Testosteron mit einem erhöhten Risiko korreliert.

Bestätigt werden diese Tendenzen durch eine britische Studie an rund 29.000 neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern: Bei beiden Geschlechtern trat zwar Bluthochdruck mit rund 20 Prozent am häufigsten als erste Begleiterkrankung auf, Männer zeigten jedoch ein höheres Risiko für Herz- und Nierenversagen, während Frauen signifikant öfter von Angst und Depressionen betroffen waren.

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Soziale Barrieren und Empfehlungen für die Praxis

Neben physiologischen Faktoren spielen gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine tragende Rolle in der Versorgung. Die IDF hebt hervor, dass finanzielle Kosten, familiäre Pflegeverantwortung und ungleicher Zugang zum Gesundheitssystem die Prävention bei Frauen erschweren.

Weltweit standen laut Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2022 rund 830 Millionen Menschen mit Diabetes da – nach rund 200 Millionen im Jahr 1990 –, von denen mehr als die Hälfte ohne Medikation blieb, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Für die klinische Praxis empfiehlt die DDG daher einen umfassenden Stoffwechsel-Check in der Lebensmitte, der neben Blutzucker- und Blutfettwerten auch Blutdruck, Leberwerte, Gewicht und Taillenumfang umfasst.

Da sich Beschwerden der Wechseljahre und Anzeichen einer Unterzuckerung ähneln können, rät die Fachgesellschaft zu häufigeren Messungen sowie einer Lebensstilintervention aus Krafttraining zwei- bis dreimal wöchentlich, Ausdauersport und einer ballaststoffreichen Ernährung.

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