Menopause, Alzheimer

Menopause und Alzheimer: Frühe Wechseljahre kosten 1,8 Jahre Gedächtnis

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die UMG bündelt Kardiologie und Gynäkologie, während Studien frühe Menopause mit kognitivem Abbau und höherem Alzheimer-Risiko verknüpfen.

UMG eröffnet Herzsprechstunde für Frauen in hormonellen Phasen
Moderne medizinische Diagnostik-Einrichtung mit klinischer Bildgebungstechnologie in einer sterilen, lichtdurchfluteten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Versorgung von Frauen rücken die Wechselwirkungen zwischen hormonellen Umstellungen und der langfristigen Gesundheit zunehmend in das Zentrum der klinischen Aufmerksamkeit.

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat auf diesen Bedarf mit der Eröffnung einer spezialisierten kardiogynäkologischen Sprechstunde reagiert. Dieses Angebot richtet sich gezielt an Frauen mit Herzerkrankungen im Kontext von Schwangerschaft, Geburt oder Krebstherapien.

Gebündelte Expertise im neuen Pregnancy Heart Team

Die neue Sprechstunde an der UMG Göttingen verzahnt die Fachbereiche Kardiologie und Gynäkologie. Unter der Leitung von Prof. Claudia Dellas und Christian Becker wurde hierfür das sogenannte „Pregnancy Heart Team“ etabliert. Ziel des interdisziplinären Ansatzes ist es, Patientinnen eine umfassende Diagnostik aus einer Hand zu bieten.

Das Leistungsspektrum umfasst moderne bildgebende Verfahren wie Herz-Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Zudem werden Rhythmusmessungen sowie Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt, um kardiovaskuläre Risiken während sensibler hormoneller Phasen präzise zu überwachen.

Zusammenhang zwischen Menopause und kognitivem Abbau

Die Relevanz spezialisierter Versorgungsangebote wird durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert, die den Einfluss der hormonellen Alterung auf das Gehirn untersuchen.

Eine im „JAMA Network Open“ veröffentlichte Langzeitstudie, die 2603 Frauen über einen Zeitraum von bis zu 18 Jahren begleitete, zeigt deutliche Korrelationen zwischen dem Zeitpunkt der Menopause und der kognitiven Gesundheit auf. Demnach ging ein früherer Eintritt in die Wechseljahre mit einem beschleunigten Gedächtnisabbau und einem früheren Auftreten der Alzheimer-Krankheit einher.

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Statistisch entsprach eine um zehn Jahre früher eintretende Menopause einem Verlust von etwa 1,8 Jahren an kognitiv gesunder Lebenszeit. MRT-Untersuchungen bei 774 Teilnehmerinnen verdeutlichten zudem physische Veränderungen: Eine um fünf Jahre verfrühte Menopause war mit einer Zunahme von etwa 15 Prozent an sogenannten „white matter hyperintensities“ pro Jahrzehnt verbunden.

Diese Veränderungen im Gehirngewebe gelten als Indikatoren für vaskuläre Alterungsprozesse. Insgesamt erkranken Frauen in ihren 60ern laut der Studie fast doppelt so häufig an Alzheimer wie Männer.

Kontroversen um die Hormonersatztherapie

Die Frage, inwieweit eine Hormonersatztherapie (HRT) präventiv wirken kann, bleibt in der Wissenschaft ein intensiv diskutiertes Thema. Die Forscherin Eef Hogervorst von der Loughborough University, die seit fast vier Jahrzehnten die Wirkung von Menopause-Hormonen auf das Gehirn untersucht, verwies auf historische Studien von 1952 und 1956. Während Estradiol-Injektionen anfangs geistige Funktionen verbesserten, kehrten sich diese Effekte im Langzeitverlauf teilweise um. Hogervorst konstatierte, dass die Forschung einen generellen Nutzen der HRT für die Demenzprävention weiterhin nicht eindeutig stütze.

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Differenziertere Ergebnisse lieferten hingegen Studien aus dem August 2026. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift „Neurology“ mit Daten von 21.400 Frauen brachte eine reine Östrogen-Therapie mit einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung. Im Gegensatz dazu assoziierte eine Studie aus dem Jahr 2023 ebendiese therapy mit erhöhten Demenzraten.

Entscheidend scheint der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns zu sein: Während ein Start zwischen dem 46. und 56. Lebensjahr laut „Alzheimer's & Dementia“ positive Effekte zeigte, war ein Beginn nach dem 65. Lebensjahr mit einer schlechteren kognitiven Leistung verbunden.

Wirtschaftliche Folgen und medizinische Leitlinien

Die gesundheitlichen Herausforderungen der Wechseljahre haben zudem eine erhebliche ökonomische Dimension. Eine Studie der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht aus dem Jahr 2023 beziffert die jährlichen Produktivitätsverluste für Unternehmen in Deutschland auf 9,4 Milliarden Euro.

Ein Viertel der berufstätigen Frauen reduziert aufgrund von Beschwerden wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder kognitiven Trübungen die Arbeitszeit auf Teilzeit; knapp 20 Prozent wechseln die Stelle.

Zur besseren Einordnung dieser Lebensphase wurde im April 2026 die NICE-Leitlinie aktualisiert. Sie betont, dass die Perimenopause oft bereits Anfang oder Mitte der 40er Jahre beginnt. Experten warnen in diesem Zusammenhang vor der unkritischen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Eine Analyse des University College London (UCL) von über 200 Produkten zeigte, dass viele Präparate nicht die versprochenen Mengen an Vitamin D oder Kalzium enthalten. Zudem könnten Inhaltsstoffe wie Traubensilberkerze bei unsachgemäßer Dosierung das Risiko für Leberschäden erhöhen.

Fachleute empfehlen stattdessen eine gezielte Supplementierung, etwa 10 Mikrogramm Vitamin D täglich, und verweisen auf die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie bei vasomotorischen Beschwerden.

Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Frühe Menopause erhöht offenbar Alzheimer“

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