Menopause: GLP-1-Wirkstoffe senken Gewicht um bis zu 17%
26.06.2026 - 06:11:42 | boerse-global.de
Aktuelle Kongressdaten aus dem Juni 2026 belegen: Die Gewichtsreduktion liegt je nach Wirkstoff und Therapieform zwischen 14 und 17 Prozent.
Orforglipron: Wirksam über alle Menopausenstadien hinweg
Der orale GLP-1-Agonist Orforglipron (Foundayo) von Eli Lilly überzeugt in den ATTAIN-Studien. Frauen in der Perimenopause verloren bis zu 14,4 Prozent ihres Körpergewichts, in der Postmenopause waren es 14,1 Prozent. Auch Patientinnen mit Typ-2-Diabetes erreichten mit 13,6 Prozent einen deutlichen Gewichtsverlust. Parallel dazu reduzierte sich der Taillenumfang der Teilnehmerinnen signifikant.
Die Daten wurden auf der wissenschaftlichen Sitzung der American Diabetes Association (ADA) im Juni vorgestellt.
Semaglutid: Mehr als nur Gewichtsverlust
Der Europäische Adipositas-Kongress (ECO) lieferte im Mai 2026 ergänzende Erkenntnisse zu Semaglutid. Bei übergewichtigen oder adipösen Frauen in den Wechseljahren war der Wirkstoff nicht nur mit Gewichtsabnahme assoziiert. Die Auswertungen zeigen auch ein geringeres Risiko für Migräne, Depressionen und kardiovaskuläre Ereignisse.
Kombination mit Hormontherapie: Der effektivste Ansatz?
Ein zentrales Thema der Forschung ist die Wechselwirkung zwischen Gewichtsmanagement und Hormonersatztherapie (HRT). Auf der Jahrestagung der Endocrine Society im Juni präsentierten Forscher Daten einer 18-monatigen Studie mit 120 postmenopausalen Frauen.
Die Kombination aus Tirzepatid und Hormontherapie führte zu einem Gewichtsverlust von 17 Prozent. Die Monotherapie mit Tirzepatid erreichte 14 Prozent. Besonders deutlich war der Unterschied bei einer Gewichtsreduktion von mindestens 20 Prozent: In der Kombinationsgruppe lag der Anteil bei 45 Prozent, in der Vergleichsgruppe bei nur 18 Prozent.
„Wir müssen die Menopause entstigmatisieren und den Zugang zu Behandlungen verbessern", betonte Dr. Kelly San Miguel Ende Juni in medizinischen Fachgesprächen. Während die Hormonersatztherapie weiterhin Standard bei vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen bleibt, gewinnen ergänzende Ansätze für das Gewichtsmanagement an Bedeutung.
Neben dem Gewichtsmanagement ist die Herz-Kreislauf-Vorsorge für Frauen in und nach den Wechseljahren besonders wichtig, da das Risiko für Bluthochdruck deutlich ansteigt. Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid zeigt in diesem Ratgeber, wie Sie Ihre Werte auch ohne sofortige Medikamentengabe natürlich regulieren können. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung kostenlos herunterladen
Fezolinetant: Hormonfreie Alternative zugelassen
Die brasilianische Gesundheitsbehörde ANVISA genehmigte am 25. Juni 2026 den Wirkstoff Fezolinetant (Veoza). Als NK3-Rezeptor-Antagonist bietet das Präparat eine Alternative für Frauen, die keine Hormone einnehmen können oder wollen. In Phase-3-Studien sank die Häufigkeit moderater bis schwerer vasomotorischer Symptome bis zur zwölften Woche um 64 Prozent.
Neue Wirkstoffklasse in der Pipeline
Viking Therapeutics treibt die Entwicklung voran. Am 24. Juni gab das Unternehmen den Start einer Phase-1-Studie für VK3019 bekannt – einen dualen Amylin/Calcitonin-Agonisten zur Behandlung von Adipositas. Erste Ergebnisse werden für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Vorsicht vor Eigentherapie
Trotz der Erfolge neuer Medikamente mahnen Experten zur Zurückhaltung. Auf einem Diabetes-Kongress in Düsseldorf am 25. Juni warnten Vertreter des Deutschen Diabetes-Zentrums vor einer Eigentherapie mit sogenannten Abnehmspritzen. Präventionsmaßnahmen durch Ernährung und Sport blieben essenziell.
Besonders bei Diabetes Typ 2 können ergänzende Übungen im Alltag helfen, die Blutzuckerwerte effektiv und ohne zusätzlichen Stress zu verbessern. Ein ehemaliger Betroffener und Mediziner teilt seine Methode, mit der er seine Werte durch 7 einfache 3-Minuten-Übungen signifikant senken konnte. Gratis-Ratgeber: Blutzucker natürlich senken durch 3-Minuten-Übungen
Prof. Dr. Thomas Kälicke wies zudem auf spezifische Risiken hin: Die durch GLP-1-Präparate verursachte Verzögerung der Magenentleerung stelle ein relevantes Risiko bei Narkosen und operativen Eingriffen dar. Eine routinemäßige Abfrage dieser Medikation vor Operationen sei zwingend erforderlich.
Positive Langzeitsignale bei Brustkrebs
Eine retrospektive Analyse von über 111.000 Frauen, vorgestellt auf dem ASCO-Kongress 2026, lieferte ermutigende Langzeitdaten: Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten war in dieser Kohorte mit einer um 30,5 Prozent niedrigeren Brustkrebsinzidenz assoziiert.
