Menopause, Gehirn

Menopause: Gehirn pausiert Alterungsprozess für 3,5 Jahre

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine MRT-Analyse mit 1.095 Frauen zeigt eine zeitweise Pause beim altersbedingten Rückgang grauer Substanz, aber keinen dauerhaften Verlust.

Menopause-Studie: Gehirnsubstanz bleibt in Übergangsphase stabil
Abstrakte Darstellung neuronaler Verbindungen und Synapsen als leuchtende Filamente vor einem dunklen, blauen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Menopause gilt seit Langem als Lebensphase, in der Frauen über Konzentrationsprobleme und sogenannten Brain Fog klagen. Eine Studie von Amsterdam UMC, Leiden University und Erasmus, veröffentlicht in Nature Communications, hat nun erstmals systematisch untersucht, welche strukturellen Veränderungen im Gehirn während der Menopause tatsächlich stattfinden – und wie sich diese von den bekannten Umbauprozessen in Pubertät und Schwangerschaft unterscheiden.

Große Datenbasis aus zwei Kohorten

Für die Untersuchung, über die livescience.com am 11. September 2026 berichtete, werteten die Forschenden MRT-Aufnahmen von 1.095 Teilnehmerinnen aus der UK Biobank und der Leiden University aus. Die Pubertätskohorte umfasste 142 Teilnehmerinnen, davon 34 im Übergang, die Schwangerschaftskohorte 110 Frauen, darunter 40 mit erster und 30 mit zweiter Schwangerschaft.

Die Menopausenkohorte war mit 843 Teilnehmerinnen die größte Gruppe, wobei 120 Frauen sich im Übergang von der prä- zur postmenopausalen Phase befanden. Wie crbcnews.com am 11. September 2026 berichtete, bestand die Vergleichsgruppe aus rund 50 prämenopausalen Frauen mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren und über 670 postmenopausalen Frauen mit einem Durchschnittsalter von 55,5 Jahren.

Pause statt Schrumpfung

Während in Pubertät und Schwangerschaft die kortikale graue Substanz durch beschleunigtes „synaptic pruning“ schrumpft, zeigte sich bei den Frauen in der Spätperimenopause ein anderes Muster: Bei den 120 Teilnehmerinnen in dieser Übergangsphase pausierte der altersbedingte Rückgang der grauen Substanz über einen Zeitraum von rund 3,5 Jahren Nachbeobachtung, bevor er anschließend wieder einsetzte, wie livescience.com berichtete.

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Ein signifikanter Rückgang des kortikalen Gesamtvolumens beziehungsweise des Gesamt- und Kortexvolumens während der Menopause selbst ließ sich hingegen nicht nachweisen – anders als in Pubertät und Embryonalzeit, wie infobae.com am 11. September 2026 meldete.

Bemerkenswert ist zudem, dass weder eine Hormonersatztherapie noch die Zahl vorangegangener Geburten einen messbaren Effekt auf die beobachteten Veränderungen hatten, wie crbcnews.com berichtete.

Kein Beleg für dauerhaften Substanzverlust

Sophie van’t Hof von Amsterdam UMC ordnete die Ergebnisse laut okdiario.com vom 10. September 2026 ein: Frühere Studien hatten bereits Reduktionen im Hippocampus während der Menopause gezeigt, die neue Untersuchung finde jedoch keinen globalen Verlust kortikaler grauer Substanz in dieser Phase.

Der vielfach berichtete Brain Fog werde eher als vorübergehender funktioneller Anpassungsprozess verstanden denn als irreversibler Schaden – ein direkter Zusammenhang zwischen den strukturellen Befunden und Brain-Fog-Symptomen ließ sich in der Studie nicht belegen.

Methodische Grenzen

Die Autorinnen und Autoren weisen selbst auf Limitationen hin: Es fehlten vergleichbare Hormonmessungen über alle Teilnehmerinnen hinweg, der Menopausenstatus wurde per Selbstauskunft klassifiziert, und es kamen unterschiedliche MRT-Geräte zum Einsatz, wie mundodelasalud.com am 11. September 2026 berichtete. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, aus der sich keine Kausalzusammenhänge ableiten lassen.

Einordnung in ein größeres Forschungsfeld

Die Ergebnisse reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen zu Menopause und Gehirngesundheit ein. Eine im August 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie von UCSF, Rush University Medical Center und University of Michigan mit 2.603 Frauen und bis zu 18 Jahren Nachbeobachtung fand einen anderen Zusammenhang: Eine frühere Menopause ging demnach mit schnellerem kognitivem Abbau bei der episodischen Erinnerung und einer früheren Alzheimer-Diagnose einher – zehn Jahre frühere Menopause entsprachen rechnerisch rund 1,8 weniger Alzheimer-freien Jahren, wie newsweek.com am 11. September 2026 berichtete.

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Bei einer Teilgruppe von 774 Frauen mit MRT-Aufnahmen zeigte sich zudem, dass fünf Jahre frühere Menopause mit rund 15 Prozent mehr sogenannten White-Matter-Hyperintensitäten pro Dekade einhergingen – ein Effekt, der ausschließlich bei natürlicher, nicht bei chirurgischer Menopause auftrat.

Die Studienpopulation bestand laut knowridge.com vom 12. September 2026 zu über 90 Prozent aus weißen Frauen mit einem Durchschnittsalter von rund 78 Jahren bei Einschluss.

Auch tierexperimentelle Forschung liefert Hinweise auf mögliche Mechanismen: Eine im Journal of Neuroinflammation veröffentlichte Untersuchung zeigte, dass die operative Entfernung der Eierstöcke bei weiblichen 5xFAD-Mäusen die Amyloid-Beta-Pathologie, kognitive Defizite und Neuroinflammation verstärkte.

Einzelzell-Sequenzierungen wiesen auf eine Hochregulation der Gene Cathepsin S (Ctss) und ApoE hin, wobei eine genetische Reduktion von CTSS die durch den Eingriff ausgelöste Amyloid-Beta-Akkumulation verhinderte. Die Autoren diskutieren CTSS als mögliches therapeutisches Ziel bei postmenopausalen Frauen.

Insgesamt zeichnen die verschiedenen Studien ein differenziertes Bild: Während die Amsterdamer Untersuchung nahelegt, dass die Menopause selbst keinen dramatischen, dauerhaften Substanzverlust im Gehirn verursacht, deuten andere Arbeiten auf langfristige Zusammenhänge zwischen Zeitpunkt der Menopause und späterem kognitivem Risiko hin. Weitere Forschung dürfte nötig sein, um diese scheinbar widersprüchlichen Befunde zusammenzuführen.

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de | wissenschaft | 70093375 |