Menopause: 16 Blutproteine zeigen erhöhtes Alzheimer-Risiko
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie liefert neue Hinweise darauf, wie hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren mit Veränderungen im Bluteiweißmuster und langfristig mit dem Risiko für kognitiven Abbau und Alzheimer-Demenz zusammenhängen.
Wie ebiotrade.com berichtete, untersuchten die Autoren dafür 80 Frauen im Alter von 43 bis 58 Jahren, deren Menopausenstatus nach dem sogenannten STRAW+10-Stadienmodell erfasst wurde, sowie 36 Männer als Vergleichsgruppe.
Entzündung, Synapsen und Alzheimer-Marker verändert
Die Analyse zeigte, dass eine spontan eintretende Menopause mit 16 hochregulierten Proteinen einherging. Darunter befanden sich Entzündungsmarker wie CCL13, IL-12p70, CXCL1, CCL26, CCL2, CCL11, TEK und CD63 sowie Proteine, die mit Synapsen und Neuronen in Verbindung stehen, darunter CNTN2, ACHE, SNAP25 und BDNF. Zusätzlich fanden sich Veränderungen bei Stoffwechselproteinen wie IGFBP7 und IGF1R sowie bei den Alzheimer-assoziierten Markern BACE1 und p-tau231.
Die Forscher stellten zudem einen statistischen Zusammenhang zwischen dem gebildeten Proteomik-Score und den Hormonwerten der Teilnehmerinnen fest: Der Score korrelierte negativ mit Estradiol und positiv mit dem follikelstimulierenden Hormon FSH – ein Muster, das die bekannte hormonelle Umstellung während der Menopause auf molekularer Ebene widerspiegelt.
Validierung in großer Biobank-Kohorte
Um die Befunde abzusichern, glichen die Autoren ihre Ergebnisse mit Daten der UK Biobank ab. In einer Kohorte von 2.814 Personen im Alter von 45 bis 60 Jahren zeigten sich unter den mittels Olink-Technologie gemessenen Proteinen 1.300 differentiell exprimiert, davon 1.146 hoch- und 154 herunterreguliert.
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Von den 13 zentralen Proteinen aus der ursprünglichen Kohorte ließen sich neun in der Biobank-Kohorte replizieren, was den Autoren zufolge für die Robustheit der Befunde spricht.
Organe und Zellen altern nach der Menopause schneller
Ein weiterer Teil der Studie widmete sich der Frage, wie sich die Menopause auf das biologische Alter verschiedener Organe und Zelltypen auswirkt. Bei 2.340 Frauen zeigte sich, dass sich in der Postmenopause bei 11 von 13 untersuchten Organparametern und bei 36 von 38 Zellalter-Parametern ein größerer, ungünstigerer Altersunterschied ergab.
Betroffen waren unter anderem Arterien, Gehirn, Darm sowie Oligodendrozyten-Vorläuferzellen – also Zellen, die für die Bildung der schützenden Myelinschicht im Nervensystem verantwortlich sind.
Zusammenhang mit kognitivem Abbau in vier Kohorten
Um die klinische Relevanz des Proteomik-Scores zu prüfen, werteten die Autoren Daten aus vier unabhängigen Kohorten aus: ADNI mit 673 Teilnehmenden, BrANCH mit 100, WRAP mit 93 und die UK Biobank mit 11.059 Personen, bei einem mittleren Alter zwischen 60,7 und 72,1 Jahren.
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Ein höherer Menopause-Proteomik-Score war dabei mit einer schnelleren kognitiven Verschlechterung assoziiert, was sich sowohl in der ADNI- als auch in der BrANCH-Kohorte statistisch nachweisen ließ. In der WRAP-Kohorte zeigte sich zudem ein Zusammenhang mit einer niedrigeren globalen Kognitionsleistung, während in der UK Biobank ein erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Demenz festgestellt wurde.
Für frontotemporale Demenz, vaskuläre Demenz oder Demenz insgesamt ließ sich dieser Zusammenhang den Angaben zufolge nicht nachweisen – ein Hinweis darauf, dass die beobachteten molekularen Veränderungen möglicherweise spezifisch mit dem Alzheimer-Krankheitsprozess verknüpft sind, nicht aber mit anderen Demenzformen.
Die Autoren ordnen ihre Ergebnisse als Beitrag zu einem besseren Verständnis dafür ein, warum Frauen nach den Wechseljahren möglicherweise ein verändertes Risikoprofil für neurodegenerative Erkrankungen aufweisen. Für eine Übertragung in die klinische Praxis, etwa als Grundlage für Risikotests, seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig, um die beobachteten Zusammenhänge in größeren und diverseren Studienpopulationen zu bestätigen.
