Menopause: 16 Blutproteine liefern Hinweise auf ein höheres Alzheimer-Risiko
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die hormonellen Umstellungen während der Menopause stehen seit Langem im Fokus der Altersforschung, insbesondere im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen. Eine wissenschaftliche Untersuchung der University of California, San Francisco (UCSF), die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde, liefert neue Einblicke in die molekularen Mechanismen dieser Lebensphase.
Forschende der UCSF identifizierten bei Frauen spezifische Blutproteine, deren Konzentration sich während der Menopause verändert. Diese Veränderungen korrelierten dabei deutlicher mit den jeweiligen Hormonspiegeln als mit dem chronologischen Alter der Teilnehmerinnen.
Identifikation von 16 Blutproteinen durch UCSF-Forscher
In der Untersuchung der UCSF wurden bei einer Gruppe von 80 Frauen im Alter von 35 bis 60 beziehungsweise 40 bis 59 Jahren insgesamt 16 Blutproteine festgestellt, die während der Menopause schwankten.
Bei den Teilnehmerinnen handelte es sich um prä-, peri- und postmenopausale Frauen ohne menopausale Hormontherapie. Die Analysen zeigten Veränderungen bei Proteinen, die Entzündungsprozesse, Synapsen, Stoffwechselvorgänge und Alzheimer-Mechanismen betreffen.
Auffällig war nach Angaben der UCSF, dass Entzündungsproteine tendenziell bei sinkendem Östradiolspiegel anstiegen. Proteine mit Bezug zu Alzheimer nahmen hingegen bei steigenden Werten des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) zu. Zur Überprüfung des Musters wurden Daten von mehr als 2.800 Frauen aus der UK Biobank herangezogen.
In weiteren Kohorten mit fast 12.000 älteren Frauen aus vier Studien zeigte sich, dass höhere Werte dieser Proteine mit einem schlechteren Gedächtnis verknüpft waren. Zudem war ein höherer Menopause-Proteomik-Score mit einem um 15 % höheren Risiko für Alzheimer-Demenz assoziiert.
Wer sich mit den hormonellen Veränderungen und deren Einfluss auf die Gesundheit befasst, sollte auch seine Blutwerte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind und wie man Vitalstoffmängel frühzeitig erkennt. Laborwerte-Selbstcheck: Verstehen, handeln, gesund bleiben!
Die Autoren betonten jedoch ausdrücklich, dass es sich um einen statistischen Zusammenhang und nicht um einen Kausalitätsnachweis handelt. Ein weiterer Bericht über eine Auswertung mit fast 15.000 Frauen bestätigte das Auftreten dieser 16 Proteine sowie deren Kopplung an Östrogen- und FSH-Werte.
Zelluläre Mechanismen und geschlechtsspezifische Risiken
Die Bedeutung hormoneller Faktoren spiegelt sich auch in epidemiologischen Zahlen wider. Nach Angaben der Alzheimer’s Association beträgt das lebenslange Alzheimer-Risiko ab einem Alter von 65 Jahren bei Frauen 1 zu 5, während es bei Männern bei 1 zu 10 liegt.
Um die genauen Vorgänge im Gehirn aufzudecken, erhielt die Rosalind Franklin University einen Zuschuss der National Institutes of Health (NIH) in Höhe von 3,4 Mio. US-Dollar für ein auf fünf Jahre angelegtes Forschungsprojekt.
Das Vorhaben untersucht hormonelle Veränderungen in der Perimenopause, deren Einfluss auf die Aktivität und Zelltypen im Hippocampus, die Kommunikation zwischen Nervenzellen sowie eine mögliche Beschleunigung von Alzheimer-Prozessen.
Neben hormonellen Faktoren spielen auch gezielte Übungen eine wichtige Rolle, um die geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten. Dieser kostenlose Ratgeber liefert praktische Tipps und Übungen zur Demenzvorbeugung für den Alltag. Gehirntraining leicht gemacht – Kostenlosen PDF-Ratgeber sichern
Weitere wissenschaftliche Beobachtungen stützen die Annahme hormoneller Einflüsse auf den geistigen Abbau. Eine Langzeitstudie in JAMA Network Open begleitete 2.603 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 78 Jahren über rund 7 und bei einzelnen Teilnehmerinnen bis zu 18 Jahre.
Ein früherer Beginn der Menopause stand dabei mit einem rascheren geistigen Abbau, einem stärkeren Rückgang des episodischen Gedächtnisses und einer früheren Alzheimer-Diagnose in Verbindung. Laut Modellrechnungen entsprach ein um 10 Jahre früherer Eintritt in die Menopause einem Verlust von 1,8 Jahren ohne Alzheimer.
Bei 778 Frauen, bei denen wiederholt MRT-Aufnahmen angefertigt wurden, zeigte sich rechnerisch, dass eine 5 Jahre frühere Menopause nach 10 Jahren mit rund 15 % mehr Veränderungen der weißen Hirnsubstanz einhergehen könnte. Ein fester Grenzwert für eine frühe Menopause existiert allerdings nicht, und eine Kausalität ist nicht belegt.
Die Rolle des Follikelstimulierenden Hormons
Über das Östradiol hinaus rückt das Hormon FSH vermehrt in den Fokus. Mehrere Untersuchungen verknüpfen höhere FSH-Werte bei Frauen mit schnellerem Knochenverlust, Hitzewallungen und vermehrten Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, wenngleich ungeklärt bleibt, ob FSH diese Veränderungen unmittelbar verursacht.
Eine Auswertung der SWAN-Studie ergab, dass Ausgangs-FSH-Werte und deren Veränderung den Knochenverlust an Wirbelsäule und Hüfte vorhersagten, während Estradiol-Veränderungen dies nicht taten. Zudem zeigte eine Mausstudie aus dem Jahr 2022, dass FSH die Anhäufung von Amyloid und Tau beschleunigte und das Gedächtnis verschlechterte; eine Blockade des Hormons verhinderte diese Schäden weitgehend.
Bei Gehirnscans von 191 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren wiesen Probandinnen mit höherem FSH vermehrt Amyloid im Frontallappen auf, insbesondere nach der Menopause. Eine koreanische Untersuchung an 884 Frauen ab 60 Jahren stellte die höchsten FSH-Werte bei Personen mit Alzheimer-Demenz fest.
Ergänzend dokumentierte die Rotterdam-Studie bei 3.651 älteren Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren über eine Beobachtungszeit von rund 11 Jahren, dass die niedrigste Knochendichte mit einem um 42 % höheren Demenzrisiko einherging. Auch hierbei handelt es sich um eine Korrelation und keinen Nachweis einer ursächlichen Wirkung.

