Melatonin vor Bauch-OPs: Opioidbedarf sinkt teils um mehr als 30 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gezielte Verbesserung des Schlafs vor chirurgischen Eingriffen gewinnt in der Anästhesiologie zunehmend an Bedeutung. Eine wissenschaftliche Analyse von 16 Studien aus den Jahren 2000 bis 2025 mit mehr als 1.100 Patientinnen und Patienten zeigt, dass die Gabe von Schlafmitteln vor einer Operation nicht nur die Nachtruhe fördert, sondern auch postoperative Schmerzen dämpfen und den Bedarf an starken Schmerzmitteln reduzieren kann.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung stellte die American Society of Anesthesiologists auf der Fachtagung ANESTHESIOLOGY 2026 in San Diego vor. Im Fokus standen dabei die Wirkstoffe Melatonin sowie das Schlafmittel Ambien mit dem Wirkstoff Zolpidem.
Differenzierte Effekte von Melatonin und Ambien
In den untersuchten Arbeiten kam Melatonin in einer Dosierungsspanne von 1 bis 20 Milligramm zum Einsatz, während Ambien durchgängig mit einer Dosis von 10 Milligramm verabreicht wurde. Beide Substanzen wiesen messbare klinische Vorteile auf, zeigten ihr Potenzial jedoch bei unterschiedlichen Patientengruppen.
Die Gabe von Melatonin war der Analyse zufolge mit geringeren Angstzuständen, weniger Schmerzen sowie verminderten Entzündungsreaktionen assoziiert. Bei Patientinnen und Patienten nach Bauchoperationen zeigte sich in einigen Fällen ein um mehr als 30 Prozent reduzierter Opioidbedarf.
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Fachleute sehen Melatonin insbesondere bei präoperativer Angst, bei einem erhöhten Risiko für Atemkomplikationen sowie bei älteren Erwachsenen im Vorteil, da bei diesen ein geringeres Risiko für ein postoperatives Delir beobachtet wurde.
Ambien verbesserte die Schlafqualität vor allem bei Personen, die bereits im Vorfeld der Operation unter Schlafproblemen oder Insomnie litten, und trug ebenfalls zur Schmerzlinderung bei.
Im Bereich der kolorektalen Chirurgie führte die Verabreichung zu einem geringeren Opioidverbrauch während der Operation und in den ersten 24 Stunden danach. Zudem wurden niedrigere Entzündungsmarker verzeichnet. Nach Hüftersatzoperationen war die Einnahme von Ambien überdies mit einem Rückgang von Angst und depressiven Symptomen verbunden.
Relevanz für das Schmerzmanagement
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Die Erkenntnisse fügen sich in das breitere Forschungsfeld zur Wirkung schlaffördernder Substanzen auf Entzündungs- und Schmerzprozesse ein. Dass Melatonin über schlaffördernde Effekte hinaus schmerzlindernde Eigenschaften besitzt, verdeutlicht auch eine Übersichtsarbeit der Universität Sydney zu chronischen Muskel-Skelett-Schmerzen.
Auf Basis von 23 klinischen Studien mit insgesamt 2.028 Teilnehmenden ermittelten die dortigen Forscher unter einer täglichen Dosis von 3 bis 10 Milligramm Melatonin bei einer Behandlungsdauer von vier Wochen bis drei Monaten eine Verbesserung von etwa 9 Punkten auf einer Schmerzskala von 0 bis 100. Dieser Effekt liege in einer ähnlichen Größenordnung wie der von Paracetamol oder Opioiden.
Vor dem Hintergrund von Daten, wonach im Jahr 2020 rund 47 Prozent der Weltbevölkerung von Erkrankungen des Bewegungsapparats betroffen waren, unterstreichen derartige Befunde das Potenzial schlafbezogener Behandlungsansätze in der Schmerztherapie.
