Melanom: mRNA-Impfung senkt Rückfallrisiko um 42 Prozent
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStudienteilnehmer und Behandlungsschritte
- Die Doppelblind-Studie umfasste 1.137 Menschen nach erfolgreich entfernter Melanom-Erkrankung.
- 757 Patienten erhielten neun Injektionen mit Intismeran, 380 Teilnehmer bekamen ein Placebo.
- Nach gut zwei Jahren waren 82,2 Prozent der Impfstoffgruppe ohne Tumorrückkehr, gegenüber 70 Prozent in der Kontrollgruppe.
mRNA-Impfung senkt Rückfallrisiko bei schwarzem Hautkrebs
Eine personalisierte mRNA-Impfung hat in einer Phase-3-Studie das Risiko eines Rückfalls bei schwarzem Hautkrebs über etwa zwei Jahre um 42 Prozent gesenkt. Auch die Gefahr von Fernmetastasen nahm in diesem Zeitraum um 38 Prozent ab, ein klarer Vorteil beim Gesamtüberleben zeigte sich nach knapp 25 Monaten jedoch noch nicht.
Zwischenergebnisse aus Madrid
Die Daten wurden parallel zu einem Krebskongress in Madrid von Moderna und MSD mitgeteilt. Eine Veröffentlichung in einer begutachteten Fachzeitschrift liegt zu diesen Zwischenergebnissen noch nicht vor.
MSD kündigte an, auf Grundlage der Zahlen den Austausch mit den Zulassungsbehörden aufzunehmen. Sollte die Therapie zugelassen werden, wäre sie in den USA oder der EU der erste Krebsimpfstoff auf Basis individualisierter mRNA.
Langzeitwirkung bleibt offen
Experten bewerten die Ergebnisse mit Blick auf die noch fehlenden Langzeitdaten. Niels Halama vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagte der Deutschen Presse-Agentur, für Aussagen zum Gesamtüberleben seien fünf Jahre ein typischer Zeitraum.
Thomas Eigentler von der Berliner Charité erklärte, erst die Überlebensdaten würden zeigen, ob die Impfung Rückfälle dauerhaft verhindere oder lediglich hinauszögere. Lennard Lee von der Universität Oxford betonte, bislang sei nicht bekannt, ob die Patienten dadurch länger lebten.
Impfung ergänzt etablierte Immuntherapie
In der Doppelblind-Studie erhielten alle 1.137 Teilnehmer nach der Entfernung ihres Melanoms den Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab, der unter dem Handelsnamen Keytruda bekannt ist. 757 zufällig ausgewählte Patienten bekamen zusätzlich neun intramuskuläre Injektionen des mRNA-Impfstoffs Intismeran, 380 Teilnehmer erhielten ein Placebo.
Nach gut zwei Jahren lebten 82,2 Prozent der Intismeran-Gruppe ohne Rückkehr des Tumors, in der Placebogruppe waren es 70 Prozent. Ohne Fernmetastasen blieben 88,5 Prozent der Impfstoffgruppe und 80,2 Prozent der Kontrollgruppe; schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen ähnlich häufig auf.
Individuelle Tumormerkmale bestimmen Impfstoff
Für die personalisierte Behandlung wurde das entfernte Tumorgewebe analysiert. Der Impfstoff enthielt bis zu 34 typische Eigenschaften des jeweiligen Tumors, sogenannte Tumorantigene, und sollte die Immunabwehr gezielt gegen diese Strukturen sensibilisieren.
Schwarzer Hautkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Jährlich gibt es deutlich mehr als 20.000 Neuerkrankungen, doch im Fall einer Zulassung käme die Therapie nach Einschätzung von Thomas Eigentler nur für wenige Tausend Patienten infrage.
Die Zwischenergebnisse markieren einen wichtigen Entwicklungsschritt für personalisierte Krebsimmuntherapien. Anders als vorbeugende Impfungen richtet sich Intismeran nach Merkmalen des bereits entfernten Tumors: Aus dem Tumorgewebe werden individuelle Tumorantigene bestimmt, gegen die das Immunsystem gezielt sensibilisiert werden soll.
Die Daten betreffen eine klar definierte Situation. Die Studienteilnehmer hatten ein Melanom, das operativ entfernt worden war, und erhielten bereits Pembrolizumab. Die mRNA-Therapie kommt damit nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Behandlung nach der Operation zum Einsatz. Für Patienten und Ärzte ist deshalb neben dem Rückfallrisiko entscheidend, ob die Behandlung langfristig die Überlebenszeit verlängert.
Entscheidend bleiben Langzeitdaten
Die bislang fehlenden belastbaren Gesamtüberlebensdaten begrenzen die Aussagekraft der Zwischenanalyse. Ein Rückgang von Rückfällen oder Fernmetastasen ist klinisch relevant, beantwortet aber noch nicht, ob Patienten dauerhaft profitieren oder ob sich ein Krankheitsereignis lediglich nach hinten verschiebt.
Eine mögliche Zulassung würde zudem nur einen Teil der Menschen mit schwarzem Hautkrebs betreffen. Voraussetzung wären unter anderem die passende Tumorsituation, eine erfolgreiche Operation und die Eignung für die bestehende Immuntherapie. Für das Gesundheitssystem kämen daher nicht alle der jährlich mehr als 20.000 Neuerkrankten infrage.
Personalisierung macht Behandlung aufwendig
Die individuelle Zusammensetzung des Impfstoffs setzt eine Analyse des Tumorgewebes und eine darauf abgestimmte Herstellung voraus. Das unterscheidet den Ansatz von standardisierten Impfstoffen und wirft für eine spätere Versorgung Fragen zu Produktionszeit, Kosten, Logistik und Zugang auf.
Der nächste entscheidende Schritt ist die weitere Beobachtung der laufenden Phase-3-Studie sowie die Bewertung durch die Zulassungsbehörden. Erst mit längeren Nachbeobachtungszeiten lässt sich die Bedeutung des Rückgangs von Rückfällen und Fernmetastasen für die Gesamtprognose einordnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „25 Prozent im Minus: Krebs-Impfstoff erfolgreich - Moderna-Aktie bricht trotzdem ein“ (23.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die von Moderna und Merck mitgeteilten Rückgänge beim Rückfall- und Metastasenrisiko und stellt den personalisierten Therapieansatz heraus. Einen anderen Schwerpunkt legt er auf die Reaktion der Moderna-Aktie und die Erwartungen von Analysten; offen bleibt auch dort der weitere Weg von den Studienergebnissen zu einem zugelassenen und profitablen Produkt.
n-tv: „Moderna/Merck-Impfstoff senkt Hautkrebs-Sterberisiko - Aktie bricht dennoch ein“ (23.10.2026)
Dieser Beitrag hebt ebenfalls die gemeldete Risikosenkung von 42 Prozent hervor, konzentriert sich jedoch stärker auf den Kursrückgang der Moderna-Aktie. Gemeinsam ist beiden Beiträgen die positive Bewertung des personalisierten Ansatzes; die langfristige klinische Wirkung bleibt der zentrale offene Punkt.
Die Beiträge stimmen bei den Studienergebnissen und dem Rückgang der Aktie überein, unterscheiden sich aber beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen entweder der medizinische Entwicklungsansatz oder die Börsenreaktion.
