Mehrwertsteuer: Ifo-Chef fordert 19% auf alle Waren – 43,5 Mrd. Einsparung
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ifo-Chef Clemens Fuest legt Pläne für eine Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes vor. Der Staat könnte dadurch Milliarden sparen – doch der Widerstand ist groß.
Das 43,5-Milliarden-Euro-Problem
Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz kostet den Staat jährlich rund 43,5 Milliarden Euro. Das rechnet Ifo-Präsident Clemens Fuest in einem Diskussionsbeitrag vom 5. August vor. Seine Forderung: Alle Güter und Dienstleistungen einheitlich mit 19 Prozent besteuern – auch Lebensmittel, öffentlichen Nahverkehr und kulturelle Angebote.
Die ökonomische Begründung klingt plausibel: weniger Bürokratie, keine Abgrenzungsschwierigkeiten mehr zwischen verschiedenen Warengruppen. Zudem sei die bisherige Entlastung wenig zielgenau. Zwar profitiert die ärmere Hälfte der Bevölkerung mit rund 7,2 Milliarden Euro pro Jahr – doch der Großteil der Steuerersparnis landet bei Haushalten mit höheren Einkommen.
Wer zahlt die Zeche?
Eine Anhebung hätte unmittelbare Folgen fürs Portemonnaie. Experten rechnen bei vollständiger Weitergabe mit Preissteigerungen von bis zu 12 Prozent bei den betroffenen Waren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat konkrete Szenarien durchgerechnet: Eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen müsste jährlich 500 bis 800 Euro mehr ausgeben.
Wer sich mit den Auswirkungen der Umsatzsteuer auf die eigenen Finanzen befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Steuerpflicht und Voranmeldung. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur Umsatzsteuer herunterladen
Um soziale Härten abzufedern, sieht das Ifo-Konzept Kompensationszahlungen vor:
- Haushalte mit einem Bruttoeinkommen bis etwa 55.000 Euro erhalten eine jährliche Gutschrift von 360 Euro.
- Für die ärmere Hälfte blieben trotzdem monatliche Mehrkosten von durchschnittlich 30 Euro.
- Nach allen Ausgleichszahlungen blieben dem Staat über 36 Milliarden Euro Mehreinnahmen.
Die könnten laut Befürwortern in andere Entlastungen fließen, etwa bei der Einkommensteuer. Hintergrund: Union und SPD prüfen offenbar sogar eine generelle Anhebung auf bis zu 22 Prozent.
Politischer Gegenwind
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf erteilte dem Vorschlag eine klare Absage – die Reform würde Geringverdiener überproportional belasten. Immerhin gelten in Deutschland rund 13,3 Millionen Menschen als armutsgefährdet, eine Quote von 16,1 Prozent.
Die Bevölkerung sieht es ähnlich: Rund 48 Prozent lehnen die Vereinheitlichung ab, nur 14 Prozent begrüßen den Vorstoß. Kritiker fordern stattdessen Einsparungen bei den Staatsausgaben.
Angesichts komplexer Regelungen beim Umsatzsteuergesetz riskieren viele Steuerpflichtige teure Nachzahlungen durch vermeidbare Fehler. Dieser kostenlose Download klärt über Pflichten und Ausnahmen auf, damit Sie eine Prüfung durch das Finanzamt sicher bestehen. Hier den kostenlosen Steuer-Ratgeber sichern
Preistransparenz als Nebenkriegsschauplatz
Parallel sorgt der BGH für Klarheit bei Preisangaben. In einem Urteil vom 3. Juni (Az. I ZR 49/24) entschieden die Karlsruher Richter: Bearbeitungspauschalen müssen nicht zwingend in den Gesamtpreis eingerechnet werden, wenn sie klar ausgewiesen und durch Erreichen eines Mindestbestellwerts vermeidbar sind. Das bestätigt die Komplexität der Preisgestaltung – die eine Mehrwertsteuerreform weiter erhöhen würde.
