Mehrsprachigkeit, Sprachen

Mehrsprachigkeit: Vier Sprachen machen Gehirn bis zu 13 Jahre jünger

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit 728 Teilnehmenden verknüpft mehrere Sprachen mit geringerem rechnerischem Gehirnalter, betont jedoch fehlende Kausalbelege.

Mehrsprachigkeit: Studie sieht jüngeres Gehirnalter im Alter
Abstraktes neuronales Netzwerk aus Lichtfäden in einem minimalistischen Raum zur Symbolisierung kognitiver Prozesse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Untersuchungen aus dem August 2026 liefern neue Erkenntnisse darüber, wie das Erlernen und die Nutzung mehrerer Sprachen die kognitive Gesundheit im Alter beeinflussen können.

Im Rahmen der neurowissenschaftlichen Konferenz FENS 2026 in der Baskenregion wurden Daten präsentiert, die eine Korrelation zwischen der Anzahl der gesprochenen Sprachen und einem rechnerisch jüngeren Gehirnalter nahelegen. Die Ergebnisse ergänzen laufende Debatten über die Plastizität des menschlichen Gehirns und die Stabilität neuronaler Netzwerke über verschiedene Lebensspannen hinweg.

Analyse der Gehirnalterung im baskischen Forschungsprojekt

Eine am 29. August 2026 vorgestellte Untersuchung unter der Leitung von Dr. Lucia Amoruso befasste sich mit den Auswirkungen von Mehrsprachigkeit auf die Alterungsprozesse des Gehirns. Die Studie, die in der Baskenregion durchgeführt wurde, umfasste insgesamt 728 Teilnehmer. Zur Auswertung der Daten nutzten die Forscher ein KI-Modell, wobei 144 Probanden mittels Magnetoenzephalographie (MEG) detailliert getestet wurden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Beherrschung mehrerer Sprachen mit einer signifikanten Verzögerung der Gehirnalterung einhergeht. Den Daten zufolge wiesen Personen, die zwei Sprachen sprechen, ein Gehirnalter auf, das etwa 6 Jahre unter ihrem biologischen Alter lag.

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Bei drei Sprachen vergrößerte sich dieser Abstand auf zirka 7 Jahre. Besonders deutlich fiel der Effekt bei Probanden mit vier Sprachen aus, deren Gehirne rechnerisch bis zu 13 Jahre jünger eingestuft wurden.

Trotz dieser signifikanten Zahlen betonten die Studienautoren, dass hiermit kein definitiver Kausalnachweis erbracht sei. Es gebe bislang keinen Beleg für eine direkte biologische Verjüngung des Gewebes. Vielmehr müssten auch allgemeine Lebensstilfaktoren in künftigen Studien stärker berücksichtigt werden, um die Ergebnisse zu validieren.

Stabilität von Sprachnetzwerken im Alterungsprozess

Parallel zu den Erkenntnissen aus Europa veröffentlichten Forscher des MIT und der Boston University Ende August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications eine Studie zur Stabilität neuronaler Netzwerke. Die Wissenschaftler untersuchten Probanden in zwei Altersgruppen: eine jüngere Gruppe im Alter von 17 bis 39 Jahren sowie eine ältere Gruppe zwischen 41 und 80 Jahren.

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Dabei stellten die Forscher fest, dass das spezifische Sprach-Netzwerk im Gehirn über die gesamte Altersspanne von 17 bis 80 Jahren bemerkenswert stabil bleibt. Im Gegensatz dazu zeige das sogenannte Multiple-Demand-Netzwerk, das für komplexe kognitive Steuerungsaufgaben zuständig ist, deutliche Alterungserscheinungen.

Diese Differenzierung könnte erklären, warum bestimmte sprachliche Fähigkeiten bis ins hohe Alter erhalten bleiben, während andere exekutive Funktionen nachlassen.

Kognitive Mechanismen und globale Relevanz der Mehrsprachigkeit

Die Bedeutung dieser Forschung wird durch die weltweite Verbreitung von Mehrsprachigkeit unterstrichen. Laut Isabella Fritz von der Universität Oxford ist Mehrsprachigkeit global betrachtet die Norm; mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung sprechen mehr als eine Sprache.

In Bezug auf die kognitive Verarbeitung erklärte Fritz, dass das Gehirn über ein mentales Lexikon verfüge, in dem bei der Sprachnutzung auch ähnliche Wörter aus anderen bekannten Sprachen aktiviert werden. Dabei bleibe die Erstsprache stets aktiv und übe einen kontinuierlichen Einfluss auf jede weitere erlernte Fremdsprache aus. Diese ständige kognitive Aktivität durch die Verwaltung konkurrierender Sprachsysteme wird in der Forschung oft als ein wesentlicher Faktor für die beobachtete kognitive Reserve angesehen, die das Gehirn widerstandsfähiger gegen altersbedingte Abbauprozesse machen könnte.

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de | wissenschaft | 70028991 |