Mehrsprachigkeit, Gehirn

Mehrsprachigkeit: Gehirn wird bis zu 13 Jahre jünger

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine FENS-Studie mit 728 Menschen verknüpft mehrere Sprachen mit einem jüngeren Gehirnalter. Auch frühes Lernen und Sprachpraxis zählen.

Mehrsprachigkeit hält das Gehirn im Alter länger leistungsfähig
Ein minimalistisches, lichtdurchflutetes Bibliotheksregal mit offenen Büchern in einer ruhigen, modernen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die kognitive Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns steht zunehmend im Fokus der neurologischen Forschung, wobei der Mehrsprachigkeit eine Schlüsselrolle bei der Verzögerung von Alterungsprozessen zugeschrieben wird.

Eine Ende August 2026 vorgestellte Untersuchung der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) untermauert die These, dass das Erlernen und Beherrschen mehrerer Sprachen das biologische Alter des Gehirns signifikant senken kann.

Signifikante Verjüngungseffekte durch Mehrsprachigkeit

Die auf dem FENS-Forum präsentierte Studie untersuchte 728 Teilnehmer aus dem spanischen Baskenland. Die Ergebnisse deuten auf eine Korrelation zwischen der Anzahl der gesprochenen Sprachen und der kognitiven Vitalität hin.

Demnach weisen Personen, die zwei Sprachen beherrschen, ein Gehirn auf, das statistisch etwa sechs Jahre jünger ist als das von Einsprachigen. Bei drei Sprachen erhöht sich dieser Effekt auf zirka sieben Jahre, während das Gehirn bei vier oder mehr Sprachen sogar rund 13 Jahre jünger eingestuft wurde.

Den Forschern zufolge spielen dabei auch die Tiefe der Sprachbeherrschung sowie ein früher Beginn des Spracherwerbs eine wesentliche Rolle für ein langsameres Altern des Organs. Diese Erkenntnisse werden durch Studien des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Boston University ergänzt, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurden.

Die dortigen Untersuchungen an Probanden im Alter von 17 bis 80 Jahren zeigten, dass das Sprach-Netzwerk im Gehirn bei älteren Erwachsenen ähnlich aktiv bleibt wie bei jüngeren. Während das sogenannte Multiple-Demand-Netzwerk im Alter schwächer werde, blieben Sprachverständnis und Wortschatz weitgehend stabil.

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Frühförderung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Die Bedeutung des Spracherwerbs wird auch im Kontext der frühkindlichen Bildung diskutiert. In einem Fachbeitrag vom 30. August 2026 verwiesen Experten wie Andrea Lanfranchi und Peter Klaver auf die Notwendigkeit einer Förderung ab der Geburt, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Programmen wie „PAT – Mit Eltern lernen“ zeigten hierbei positive Effekte. Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen verdeutlicht die Situation in der Deutschschweiz, wo laut den Experten jedes dritte Kind bei Schuleintritt nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt.

Parallel dazu wird in der Stadt Zürich derzeit die Kostenübernahme für Kurse in Sprache und Kultur der Herkunftsländer für Migrantenkinder debattiert. Während Befürworter wie Balz Bürgisser von den Grünen die Vorteile betonen, wird das Vorhaben von der SVP kritisiert.

Auch im schulischen Bereich finden praktische Anwendungen statt: Die Volkshochschule Schloß Holte-Stukenbrock führte im August 2026 ein zweiwöchiges Feriensprachcamp für 13 zugewanderte Schüler durch, um deren Deutschkenntnisse gezielt zu verbessern.

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Innovative Lernmethoden und Präventionsansätze

Neben klassischen Bildungsangeboten gewinnen immersive Methoden an Bedeutung. Die Methode KOKORO lingua wird bereits in über 700 Klassen in der Region PACA eingesetzt, davon allein 300 in Marseille. Weltweit nutzen über 800.000 Kinder in 14.000 Klassen dieses System. Lehrkräfte berichten dabei von einer gesteigerten Sprechfreude der Schüler und positiven Auswirkungen auf die eigene Berufszufriedenheit.

Ergänzend zur sprachlichen Förderung werden auch andere Aktivitäten zur Demenzprävention untersucht. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina thematisierte Ende August 2026 den Einfluss von Musik und Tanz. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die 29 Studien mit über 1.700 Teilnehmern auswertete, belegt, dass Tanzen die kognitive Leistung, das Gedächtnis und das Gleichgewicht bei leichten Einschränkungen verbessern kann.

Markt für Sprachbildung und kognitive Angebote

Die wissenschaftlichen Belege für die Vorteile des Sprachenlernens spiegeln sich in einem breiten Angebot am Markt wider. Der Anbieter GLS Sprachreisen offeriert für das Jahr 2026 verschiedene Programme, darunter Intensivkurse in York für Schüler ab 1.235 Euro pro Woche oder Schnupper-Highschool-Aufenthalte in North Devon. Für Erwachsene werden Kurse auf Malta angeboten, wobei Standardkurse ab 300 Euro pro Woche zur Verfügung stehen.

Zusätzlich etablieren lokale Bildungszentren spezialisierte Kurse. Das FUN Bildungszentrum bietet ab Ende August 2026 fünfwöchige Englisch-Basiskurse für 1.485 Euro an, die durch öffentliche Stellen wie das AMS oder den WAFF gefördert werden können.

Niedrigschwellige Angebote wie die Online-Sprachwerkstatt des Vereins „Willkommen in Löbtau“ oder das Sprachcafé im Mütterzentrum Huchting ergänzen die Landschaft der kognitiven Förderung durch soziale Interaktion und Sprachtraining.

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