Künstliche Intelligenz, Berufseinstieg

KI-Kompetenzen: Mehrheit erwartet Voraussetzung für Berufseinstieg

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 05:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland erwartet, dass KI-Kenntnisse für Berufseinsteiger in vielen Berufen zur Grundvoraussetzung werden. Gleichzeitig nutzt ein großer Teil der Beschäftigten bislang keine Arbeitszeit für entsprechende Weiterbildungen.

  • Wird KI zunehmend Aufgaben von Berufsanfängern übernehmen? (Symbolbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
    Wird KI zunehmend Aufgaben von Berufsanfängern übernehmen? (Symbolbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
  • «KI kann den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren», sagte Anne Gfrerer, Professorin für Wirtschaftsinformatik. (Symbolbild) - Bild: Soeren Stache/dpa
    «KI kann den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren», sagte Anne Gfrerer, Professorin für Wirtschaftsinformatik. (Symbolbild) - Bild: Soeren Stache/dpa
Wird KI zunehmend Aufgaben von Berufsanfängern übernehmen? (Symbolbild) - Bild: Christian Charisius/dpa «KI kann den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren», sagte Anne Gfrerer, Professorin für Wirtschaftsinformatik. (Symbolbild) - Bild: Soeren Stache/dpa

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland erwartet einer repräsentativen Umfrage zufolge, dass KI-Kompetenzen für Berufseinsteiger in vielen Berufsfeldern zu einer Grundvoraussetzung werden.

Mehrheit sieht KI-Kenntnisse als Voraussetzung

54,9 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass entsprechende Expertise für Jobanfänger künftig in vielen Berufen notwendig sein werde. Rund ein Viertel stimmte dem eher oder überhaupt nicht zu, 18,7 Prozent konnten die Entwicklung nicht beurteilen.

Für die Untersuchung „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ wurden 2.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Erhebung der IU Internationalen Hochschule in Erfurt fand vom 31. März bis 14. April statt und war nach Alter und Geschlecht repräsentativ.

KI kann Einstieg erleichtern und erschweren

KI könne den Berufseinstieg zugleich beschleunigen und erschweren, sagte die Wirtschaftsinformatik-Professorin Anne Gfrerer. Junge Berufstätige könnten dadurch schneller anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Zugleich fielen Routinetätigkeiten wie Recherchen oder das Erstellen von Präsentationen weg, über die viele Berufsanfänger bislang erste praktische Erfahrungen sammelten.

Berufsanfänger dürften deshalb nicht aus dem Blick geraten, sondern müssten die Möglichkeit erhalten, praktische Erfahrungen zu sammeln und parallel KI-Kompetenzen aufzubauen, forderte Gfrerer.

Keine klare Mehrheit bei Aufgabenübernahme

Ob künstliche Intelligenz zunehmend Aufgaben von Berufsanfängern übernehmen wird, bewerteten die Befragten uneinheitlich. Jeweils rund 41 Prozent stimmten dieser Aussage zu oder lehnten sie ab. Gut jeder Sechste antwortete, dies nicht beurteilen zu können.

Viele nutzen keine Weiterbildungszeit

43,9 Prozent hatten in den zwölf Monaten vor der Befragung keine Arbeitszeit für Weiterbildungen zu KI-Tools genutzt. 14,9 Prozent investierten bis zu zwei Stunden, etwa jeder Zehnte drei bis fünf Stunden. 14,3 Prozent sagten, das Thema betreffe sie nicht.

Von denjenigen ohne entsprechende Weiterbildungszeit hielt knapp die Hälfte eine Vertiefung der KI-Kenntnisse für nicht notwendig. Als weitere Gründe nannten 24,0 Prozent fehlende Unterstützung durch das Unternehmen, 21,6 Prozent ein fehlendes passendes Angebot, 21,8 Prozent mangelnde Informationen und 20,6 Prozent fehlende Zeit.

KI-Kompetenzen werden zum Wettbewerbsvorteil

Die Umfrage fällt in eine Phase, in der sich der Einstieg in viele wissensintensive Berufe ohnehin erschwert. Eine Analyse der Online-Jobbörse Indeed zeigt, dass die Zahl der Stellenangebote für Berufseinsteiger seit 2022 um zwei Drittel zurückgegangen ist. Besonders stark sank das Angebot in Marketing, IT-Anwendungen und Projektmanagement.

Der technologische Wandel ist dabei nicht der einzige Faktor. Der Rückgang begann nach der Analyse bereits im Sommer 2022 und damit vor dem Durchbruch von ChatGPT. Neben möglichen Veränderungen durch KI prägt somit auch die schwache Konjunktur die Nachfrage nach Nachwuchskräften. Für Bewerber bedeutet das, dass digitale Fähigkeiten zwar an Bedeutung gewinnen, aber nicht automatisch jede schlechtere Einstiegschance erklären.

Weiterbildung entscheidet über Teilhabe

Für Unternehmen entsteht daraus eine doppelte Aufgabe: Sie müssen KI sinnvoll in Arbeitsabläufe integrieren und zugleich Lerngelegenheiten schaffen. Gerade Routinetätigkeiten können für Anfänger wegfallen, obwohl sie bislang wichtige erste Praxiserfahrungen vermittelten. Ausbildungs- und Einstiegsmodelle müssen deshalb stärker darauf achten, dass praktische Aufgaben, Betreuung und der Aufbau von Urteilsvermögen erhalten bleiben.

Für Beschäftigte und Berufseinsteiger wird KI-Kompetenz damit mehr als die Fähigkeit, einzelne Programme zu bedienen. Entscheidend sind auch das Einordnen von Ergebnissen, Datenschutz, Fehlererkennung und der sichere Einsatz in fachlichen Zusammenhängen. Die Befragungsdaten zur geringen Weiterbildungszeit zeigen, dass dieser Kompetenzaufbau in vielen Betrieben noch nicht systematisch verankert ist.

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