Meerzwiebel, Heilpflanze

Meerzwiebel: Warum die herzaktive Heilpflanze nicht zur Selbstmedikation taugt

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Übersicht beschreibt traditionelle Anwendungen, fehlende Wirksamkeitsbelege und erhebliche Gefahren bei mehreren giftigen Heilpflanzen.
Detailaufnahme einer Heilpflanze mit grünen Blättern und kleinen gelben Blüten in einer natürlichen Wiesenlandschaft. Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Arzneimittel spielen bei zahlreichen Beschwerden eine traditionelle Rolle, erfordern jedoch eine differenzierte Betrachtung von Nutzen und Risiken.

Eine Zusammenstellung des Portals Gesundheits-Infothek beleuchtet verschiedene Heilpflanzen und deren Einsatzgebiete von Herz-Kreislauf-Leiden bis hin zu Magen-Darm-Störungen. Dabei wird hervorgehoben, dass insbesondere stark wirksame Giftpflanzen keinesfalls zur Selbstmedikation geeignet sind.

Herzaktive Pflanzen mit enger therapeutischer Breite

Mehrere historisch bedeutsame Heilpflanzen wirken direkt auf das kardiovaskuläre System, weisen jedoch erhebliche Risiken auf. Dazu gehört die Meerzwiebel (Drimia maritima, auch bekannt unter Urginea maritima oder Scilla maritima). Die bis zu etwa 20 Zentimeter große Zwiebel der Pflanze, deren Blütenstand rund 1,5 Meter erreichen kann, liefert die Arzneidroge Scillae bulbus.

Ihre Inhaltsstoffe – die Bufadienolid-Steroidglykoside Scillaren A und Proscillaridin A – hemmen die Natrium-Kalium-ATPase und steigern dadurch die Kontraktionskraft des Herzens. Historisch fand die Droge Anwendung bei leichter Herzinsuffizienz sowie als Diuretikum und Expektorans.

Während die deutsche Kommission E 1985 eine positive Monographie veröffentlichte, existiert keine aktuelle Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Wegen ihrer starken Giftigkeit, der engen therapeutischen Breite und der Gefahr schwerer Herzrhythmusstörungen warnt das Portal vor eigenmächtigen Anwendungen.

Ähnliche Vorsicht gilt für den Besenginster (Cytisus scoparius). Der 0,5 bis 2 Meter hohe Strauch enthält Chinolizidinalkaloide mit der Leitsubstanz Spartein, die früher als isolierter Wirkstoff genutzt wurde. Historisch wurde das Kraut bei funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden, niedrigem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen eingesetzt.

Anzeige

Wer seinen Blutdruck auf natürliche Weise regulieren möchte, sollte die wissenschaftlichen Hintergründe kennen. Dieser kostenlose Report erklärt, wie eine spezielle 3-minütige Atemübung Ihre Werte ganz ohne riskante Wirkstoffe spürbar senken kann. Gratis-Report zur natürlichen Blutdrucksenkung herunterladen

Da die gesamte Pflanze toxisch ist und Vergiftungen mit Übelkeit, Erbrechen sowie neurologischen und kardiovaskulären Störungen einhergehen können, fehlen moderne klinische Wirksamkeitsnachweise und eine positive HMPC-Monographie. Auch das Adonisröschen (Adonis vernalis), das Herzglykoside enthält, fällt unter die problematischen Giftpflanzen.

Grenzen historischer Blutdrucksenker

Die Schlangenwurz (Rauvolfia serpentina), eine in Süd- und Südostasien heimische Pflanze mit Wuchshöhen zwischen 30 und 90 Zentimetern, gilt als Quelle für einen der ersten wirksamen Arzneistoffe gegen Bluthochdruck. Ihre Wurzel enthält Indolalkaloide, vor allem Reserpin.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1999 eine Monographie dazu veröffentlichte, wird die Droge heute kaum noch genutzt. Moderne Alternativen haben sie abgelöst, da erhebliche Nebenwirkungen wie übermäßige Blutdrucksenkung, verlangsamter Herzschlag, Müdigkeit sowie Magen-Darm- und psychische Störungen auftreten können.

Da die Wirkungen des isolierten Reserpins zudem nicht auf Tees oder Rohextrakte übertragbar sind und eine positive HMPC-Einschätzung fehlt, ist die Pflanze als Giftgewächs für eine Selbsttherapie ungeeignet.

Anzeige

Müdigkeit und Unwohlsein sind häufige Begleiterscheinungen klassischer Blutdruckmittel, weshalb immer mehr Betroffene auf sanfte Alternativen setzen. In diesem kostenlosen PDF-Report werden 8 natürliche Maßnahmen vorgestellt, die Ihnen helfen können, Ihre Werte ohne Tabletten zu verbessern. Jetzt 8 natürliche Maßnahmen gegen Bluthochdruck entdecken

Bitterstoffe und Verdauungsbeschwerden

Neben Herzmitteln erfasst die Übersicht auch Pflanzen für das Magen-Darm-System. Bei Verstopfung sind Faulbaum (Frangula alnus) und Rhabarber (Rheum palmatum) als traditionelle Optionen aufgeführt, während Schöllkraut (Chelidonium majus) und Kalmus (Acorus calamus) genannt werden, wobei bei Kalmus Risiken durch ?-Asaron zu beachten sind.

Für das bei Appetitlosigkeit genannte Benediktenkraut (Cnicus benedictus) fehlen laut dem EMA-Bewertungsbericht klinische Studien zur Wirksamkeit als Einzelarzneidroge.

Zwar zeigte eine Untersuchung von Gobrecht aus dem Jahr 2024 für den charakteristischen Bitterstoff Cnicin in Zellkulturen und Tiermodellen eine Förderung des Axonwachstums, ein klinischer Beleg für eine solche Wirkung bei der Einnahme von Benediktenkraut-Tee existiert bislang jedoch nicht.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70351649 |