Medizintourismus: TCM-Boom treibt 47-Milliarden-Markt 2026
22.06.2026 - 13:41:44 | boerse-global.de
Immer mehr Kliniken in China und Vietnam kombinieren alte Heilmethoden mit moderner Infrastruktur, um internationale Patienten zu gewinnen.
Wachstum in Zahlen
Der globale Medizintourismus-Markt erreicht 2026 ein Volumen von knapp 47 Milliarden US-Dollar. China hält davon derzeit 1,3 Prozent. Die Nachfrage steigt rasant: 2025 wurden rund 1,28 Millionen ausländische Patienten in der Volksrepublik behandelt – ein Plus von 73,6 Prozent binnen drei Jahren.
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Besonders gefragt sind moderne Krebstherapien, Zahnmedizin – und zunehmend TCM-Angebote. Private Anbieter reagieren darauf. Die Raffles Medical Group zählte 2025 rund 37.000 internationale Patienten, 7,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Private Kliniken setzen auf Kooperationen
Ein wichtiger Treiber: die Zusammenarbeit zwischen privaten Klinikbetreibern und etablierten TCM-Institutionen. Im Juni 2026 gab Parkway Shanghai, eine Tochter von IHH Healthcare, bekannt, dass Ärzte des Shanghai Yueyang Hospitals künftig integrierte Dienste im Parkway Medi-Centre Xintiandi anbieten. Das Portfolio umfasst Akupunktur, Massage und Kräutermedizin – eingesetzt vor allem in der postoperativen Rehabilitation, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und im Gelenkmanagement.
Auch die Politik macht den Standort attraktiver. Ein Aktionsplan des Handelsministeriums und der Entwicklungs- und Reformkommission sieht vor, Pilotzonen für ausländische Krankenhäuser auszuweiten. Innovative Medikamente sollen stärker in kommerzielle Krankenversicherungen aufgenommen werden.
Vietnam: TCM unter Finanzdruck
Während der Medizintourismus wächst, kämpft die TCM in der vietnamesischen Primärversorgung mit strukturellen Problemen. 2025 lagen die Kosten für traditionelle Medizin bei über 3,2 Billionen VND – 5,8 Prozent der gesamten Krankenversicherungsausgaben. In den ersten vier Monaten 2026 waren es 1,034 Billionen VND (5,5 Prozent).
Auffällig: Selbst in spezialisierten TCM-Kliniken dominiert die westliche Medizin. Am Zentralen Akupunkturkrankenhaus lag der Anteil westlicher Behandlungsmethoden zwischen 2023 und 2025 bei 88 bis 98 Prozent. Das Gesundheitsministerium plant nun Reformen der Beschaffungsvorschriften, um den Zugang zu rein traditionellen Heilmitteln zu verbessern.
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TCM als touristisches Erlebnis
Um die TCM als Exportgut zu vermarkten, setzen Regionen zunehmend auf kulturelle Events. In Shanghai eröffneten im Juni 2026 spezielle Praxiszentren für internationale Gäste. Sie unterstützen Direktzahlungen über ausländische Krankenversicherungen.
Parallel dazu locken TCM-Nachtmärkte und Kultur-Erlebniswochen – etwa in den Provinzen Bijie und Dali. Kostenlose Konsultationen, Kräuterkunde und Diätetik sollen die Hemmschwelle für ausländische Besucher senken. In der Provinz Gia Lai wird die Integration von Gesundheitsangeboten im Rahmen des Nationalen Tourismusjahres 2026 forciert – mit Synergien zum Kreuzfahrttourismus.
