Medizintechnik, Zulassungen

Medizintechnik: 62 Prozent bevorzugen bei Zulassungen das FDA-System

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BVMed-Mitglieder erwarten 2026 höhere Erlöse, doch sinkende Gewinne und MDR-Auflagen belasten Investitionen und Innovationsklima.
Helle, moderne Produktionshalle mit hochwertigen Maschinen in einer sauberen Industrieumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Stimmung in der deutschen Medizintechnikbranche hellt sich leicht auf, während die Unternehmen zugleich deutliche Forderungen an die Politik hinsichtlich des Zugangs zu Innovationen stellen. Dies geht aus der Herbstumfrage 2026 des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) hervor. An der im August und September 2026 durchgeführten Online-Befragung mit 29 Fragen beteiligten sich 120 von 220 stimmberechtigten Verbandsmitgliedern.

Umsatzplus trifft auf schrumpfende Erträge

Die befragten Unternehmen blicken mit verhaltenem Optimismus auf ihre Erlöse. Für das Jahr 2026 prognostizieren die Hersteller auf dem deutschen Markt einen Umsatzzuwachs von 3,9 % gegenüber 2025. Das internationale Geschäft entwickelt sich dynamischer: Auf den Auslandsmärkten wird ein Plus von 5,4 % erwartet.

Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe beträchtlich. So rechnen 45 % der befragten Unternehmen mit einer Verschlechterung ihrer Gewinnsituation. Als zentrale Kostentreiber gelten dabei bürokratische Auflagen, die von 63 % der Befragten genannt wurden, dicht gefolgt von Personalkosten mit 60 % und Ausgaben für Logistik und Transport mit 58 %.

Weitere Belastungen resultieren aus Sparmaßnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung mit 55 % sowie dem Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften und Klinikketten mit 52 %. Steigende Rohstoffpreise belasten zudem 28 % der Unternehmen.

Verlagerung von Investitionen und regulatorische Hürden

Die Investitionstätigkeit in Deutschland verharrt auf unverändertem Niveau. In der Folge verlagern 27 % der Betriebe ihre Budgets ins Ausland. Die bevorzugten Ziele bilden dabei die USA mit 9 %, China mit 6 % und Indien mit 5 %.

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Die Zahl der Beschäftigten soll bei 37 % der Unternehmen steigen, während 38 % den Personalstand stabil halten wollen. Allerdings sehen sich über 80 % der nach Arbeitskräften suchenden Betriebe mit Problemen bei der Stellenbesetzung konfrontiert.

Besonders im Bereich der Forschung und Entwicklung (F&E) zeichnet sich eine ambivalente Entwicklung ab: Während 33 % der Akteure ihre Ausgaben in den kommenden fünf Jahren steigern und 32 % das aktuelle Niveau halten wollen, fließen erhebliche Mittel in regulatorische Vorgaben.

Die Umfrageteilnehmer investieren im Schnitt 9,2 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, was über dem Branchendurchschnitt von rund 8 % liegt. Ein Drittel dieser Aufwendungen muss jedoch allein für die Erfüllung der Anforderungen der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) aufgewendet werden.

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Entsprechend unzufrieden zeigt sich die Branche mit den Rahmenbedingungen. Der sogenannte Innovationsklimaindex verharrt bei 4,4 von 10 Punkten. Ganze 82 % der befragten Unternehmen verlangen einen Abbau von Berichtspflichten, 77 % mahnen weniger Bürokratie im Rahmen der MDR an.

Bei der Zulassung neuer Produkte bevorzugen inzwischen 62 % das System der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, nachdem dieser Welt im Vorjahr noch bei 56 % gelegen hatte. Lediglich 9 % der Betriebe gaben an, das MDR-Verfahren zu präferieren.

Transformationsfelder und Branchenbedeutung

Trotz der regulatorischen Belastungen investieren die Medizintechnikunternehmen in zukunftsorientierte Technologien. Maßnahmen zur Steigerung der Emissions- und Ressourceneffizienz haben 73 % der Firmen umgesetzt, während 39 % auf Verfahren der Kreislaufwirtschaft setzen. Im technologischen Bereich nutzen 35 % der befragten Betriebe künstliche Intelligenz in der Produktion, 20 % bieten bereits eigene Medizinprodukte mit KI-Funktionen an.

Die Erhebung verdeutlicht die gesamtwirtschaftliche Relevanz des Sektors in Deutschland. Die Medizintechnikindustrie zählt 210.000 Direktbeschäftigte, erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von über 55 Mrd. Euro und erzielt eine Bruttowertschöpfung von 41,4 Mrd. Euro bei einer F&E-Quote von 9,2 % des Umsatzes.

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