Medizinregistergesetz: 70 Millionen ePA-Daten ab Oktober für Forschung
18.06.2026 - 15:12:12 | boerse-global.de
Mehrere Akademien, darunter die Leopoldina und acatech, starten gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung, Technik und Forschung (BMFTR) neue Dialogformate. Ihr Ziel: Die Rolle digitaler Daten für Früherkennung und Gesundheitsförderung ausloten.
„Fit für morgen!“ – Tour durch drei Städte
Unter diesem Titel organisieren die Akademienunion, die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) eine Veranstaltungsreihe. Geplant sind Thementage in München, Halle und Berlin. Die Schwerpunkte: Schlafgesundheit, Gehirngesundheit und der Zusammenhang zwischen Bewegung und Demenz.
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Ende Juni startet die Reihe in München mit einem Fokus auf Schlaf. Im Spätsommer und Herbst folgen Veranstaltungen zu Gehirngesundheit und datengestützter Vorsorge.
Parallel tourt die mobile Ausstellung „Health XP“ durchs Land. Sie informiert über personalisierte Medizin und Krebsprävention – vom 25. bis 28. Juni macht sie Station in Ingolstadt. Die Initiatoren wollen vor allem Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene erreichen.
Medizinregistergesetz: Mehr Daten, mehr Kritik
Ein zentraler Baustein für die Datenzukunft ist das geplante Medizinregistergesetz. Philipp Müller vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) betonte auf Fachveranstaltungen die hohe Priorität des Vorhabens. Ziel: Die über 400 medizinischen Register in Deutschland besser nutzbar machen. Eine Forschungskennziffer, basierend auf der Krankenversichertennummer (KVNR), soll die Verknüpfung verschiedener Datensätze ermöglichen.
Jana Holland vom BMG verteidigte den Gesetzentwurf, den das Kabinett bereits im März 2026 beschloss. Er befindet sich nun in der parlamentarischen Beratung. Die Neuregelung soll auch die europäische Anschlussfähigkeit der deutschen Dateninfrastruktur sichern. Ab Oktober 2026 sollen zudem Daten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) von rund 70 Millionen Versicherten im Forschungsdatenzentrum (FDZ) bereitstehen.
Kritik kommt vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Thomas Kaiser bemängelte einen einseitigen Fokus auf die Dateninfrastruktur. Die eigentliche Forschungsinfrastruktur und Qualitätsprüfung blieben auf der Strecke. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) fordert eine nachhaltige Finanzierung und klare Perspektiven für die Registerbetreiber.
KI als Systemtreiber – mit Hürden
Die Bedeutung von Daten unterstreichen aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Laut dem Trendreport Gesundheits-IT 2026 des Bundesverbandes Gesundheits-IT (bvitg) entwickelt sich KI zum strategischen Systemtreiber. Sie soll systematisch in Versorgungs- und Verwaltungsprozesse integriert werden.
Forschungsergebnisse, unter anderem in der Fachzeitschrift „Nature“, stellen KI-Modelle wie MIRA und AMIE vor. In Tests zeigten sie hohe Kompetenz bei der Erfassung von Krankheitsgeschichten und der Erstellung von Behandlungsplänen. Experten verweisen allerdings auf Hürden bei der Zulassung und Haftung im realen Versorgungsalltag.
Für die datenschutzkonforme Forschung erhielten Dienste des AIT Austrian Institute of Technology ein DSGVO-Zertifikat. Solche Systeme ermöglichen die Pseudonymisierung sensibler Daten – etwa in der Kinderkrebsforschung.
RKI-Panel: 47.000 Teilnehmer, 10.000 neue gesucht
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Seit Mai 2024 setzt das Robert Koch-Institut (RKI) auf das Panel „Gesundheit in Deutschland“. Rund 47.000 Teilnehmer liefern Daten zu Themen wie Impfverhalten oder Krankheitsausbrüchen. Ab August 2026 frischt das RKI die Stichprobe auf: 50.000 Einladungen sollen 10.000 neue Teilnehmer gewinnen.
Ein weiteres Projekt betrifft die Versorgung bei angeborenen Herzfehlern. Das BMFTR bewilligte im März 2026 die Anbindung des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler an das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Das seit 2003 bestehende Register umfasst Daten von rund 60.000 Betroffenen. Die Anbindung soll Versorgungslücken schließen.
Fachleute wie der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, Michael Hallek, sehen KI-gestützte Medizin und Public Health als die maßgeblichen Zukunftsthemen. BÄK-Präsident Klaus Reinhardt betonte: Transparente wissenschaftliche Politikberatung sei angesichts komplexer medizinischer Entwicklungen unerlässlich.
