Medizinisches Cannabis: AGES produziert 450 Kilogramm Blüten in Wien
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinisches Cannabis mit einem THC-Gehalt über 0,3 Prozent unterliegt in Österreich strengen gesetzlichen Vorgaben. Ein Blick auf die Produktionsstätte der AGES in Wien-Donaustadt zeigt, wie eine solche standardisierte Erzeugung in der Praxis funktioniert – von der Beleuchtungssteuerung bis zur Abgabe an lizenzierte Abnehmer.
Kontrollierte Bedingungen statt freier Anbau
Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) produziert am Standort Wien-Donaustadt legal Cannabis für medizinische Zwecke. Nach Angaben des Kurier lag die Jahresproduktion 2025 bei rund 450 Kilogramm getrockneter Blüten.
Anders als im Freilandanbau lässt sich die Wachstumsphase der Pflanzen dabei präzise steuern: Laut Christian Leeb von der AGES-Abteilung Cannabis für Arzneimittelerzeugung werden die Pflanzen in dieser Phase bis zu 18 Stunden täglich beleuchtet.
Für die Blüte wird die Beleuchtungsdauer anschließend auf etwa 12 Stunden reduziert – ein Verfahren, das den natürlichen Wechsel der Tageslichtlänge nachbildet und die Blütenbildung gezielt auslöst.
Diese Steuerbarkeit ist ein zentraler Unterschied zur klassischen Landwirtschaft: Während im Freien Witterung und Jahreszeit den Wachstumszyklus bestimmen, lässt sich unter kontrollierten Lichtbedingungen ein reproduzierbares Ergebnis erzielen – eine Voraussetzung für die Herstellung eines standardisierten Arzneimittelrohstoffs.
Von Glashäusern zur Vertical Farm
Die gewerbliche Produktion am Standort läuft laut Kurier bereits seit 2010 in Glashäusern. Inzwischen wurde das Angebot um eine Vertical-Farm auf zwei Ebenen ergänzt, die nach GMP-Standard (Good Manufacturing Practice) zertifiziert ist.
Wer versteht, wie eine GMP-zertifizierte Produktion in Wien-Donaustadt aufgebaut ist, kann die eigenen Anforderungen an Qualität und Dokumentation klarer ableiten. Der kostenlose Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie kontrollierte Lichtzyklen, Vertical-Farming und Nützlings-Einsatz zusammenwirken. GMP-Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
Diese Zertifizierung ist im Arzneimittelbereich Voraussetzung dafür, dass ein Produkt in der pharmazeutischen Weiterverarbeitung eingesetzt werden darf – sie garantiert einheitliche Qualitätsstandards bei Herstellung, Prüfung und Dokumentation.
Der Übergang von der klassischen Glashausproduktion zur vertikalen Anbaufläche steht dabei auch für einen Trend in der Agrarproduktion insgesamt: Durch die Nutzung mehrerer Ebenen lässt sich die Anbaufläche auf gleicher Grundfläche vervielfachen, ohne dass zusätzliches Land benötigt wird.
Pflanzenschutz ohne Chemie
Ein weiteres Merkmal der Produktion in Wien-Donaustadt ist der Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz. Stattdessen kommen laut Kurier ausschließlich Nützlinge zum Einsatz, um Schädlinge zu kontrollieren. Dieser Ansatz reduziert das Risiko von Rückständen im Endprodukt und ist gerade bei einem Arzneimittelrohstoff von Bedeutung, da die getrockneten Blüten später zu THC-haltigen Präparaten weiterverarbeitet werden.
Abgabe ausschließlich an berechtigte Firmen
Die geerntete Ware verlässt den Standort nicht in den freien Handel, sondern wird ausschließlich an berechtigte Unternehmen abgegeben. Nach Angaben des Kurier extrahiert das Unternehmen Bionorica aus dem Cannabis der AGES THC als Reinsubstanz. Das Unternehmen Apurano wiederum nutzt das Material für medizinische Studien.
Ohne dokumentierte Beleuchtungs- und Erntezyklen sowie Rückstandsvermeidung lässt sich kein verlässlicher Arzneimittelrohstoff erzeugen — das ist ein Risiko für jede Weiterverarbeitung. Der Leitfaden bündelt die zentralen Prüfpunkte von der Anbaufläche bis zur Abgabe an berechtigte Unternehmen. Prüfpunkte für Ihre Produktion sichern
Diese zweigleisige Verwendung – einerseits die Extraktion eines Wirkstoffs für die weitere pharmazeutische Verarbeitung, andererseits der Einsatz in der klinischen Forschung – verdeutlicht, welche Rolle eine standardisierte, GMP-zertifizierte Produktion in der Kette von der Pflanze bis zum Arzneimittel spielt.
Ohne kontrollierte Anbaubedingungen, dokumentierte Beleuchtungs- und Erntezyklen sowie den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz wäre weder eine verlässliche Wirkstoffgewinnung noch eine belastbare Studienlage zu THC-haltigen Präparaten in dieser Form möglich.
Mehr zum Thema bei Kurier: „Medizinisches Cannabis: So baut die AGES in Wien Hanf an“
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von Kurier.
