Medikationsfehler, Rote-Hand-Brief

Medikationsfehler: Rote-Hand-Brief warnt vor Noradrenalin-Verwechslung

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 22:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Rote-Hand-Briefe warnen vor Noradrenalin-Verwechslungen, während Alzheimer-Studien enttäuschen und Roche einen FDA-Priority-Review erhält.

BfArM-Warnung: Gefährliche Medikationsfehler und Alzheimer-Rückschläge
Eine behandschuhte Hand hält vorsichtig ein kleines, beschriftetes Medikamentenfläschchen, mit unscharfem Laborhintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studien liefern gemischte Ergebnisse für die Pharmaforschung.

Verwechslungsgefahr bei Noradrenalin

Ein Rote-Hand-Brief vom 15. Juli warnt vor dem Präparat Mykronor (Noradrenalin). Das Mittel in der Konzentration von 5 Mikrogramm/ml dient ausschließlich der Blutdruckstabilisierung nach einer Narkose. Die Gefahr: Verwechslung mit höher konzentrierten Zubereitungen im Milligramm-Bereich. Der Hersteller Aguettant betont: Die Lösung darf nicht verdünnt werden und ist nicht für Notfall- oder Intensivmedizin geeignet.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) veröffentlichte heute eine Übersicht aller Rote-Hand-Briefe des Jahres. Die Liste umfasst PTFE-Partikel in Evrysdi, Leberschäden unter Ontozry und Medikationsfehler bei Kindern durch Fosphenytoin Desitin. Auch technische Mängel wie Nadelfehler bei Arixtra oder Partikelbildungen in Kontrastmitteln werden genannt.

Lieferengpässe und Sicherheitsmitteilungen

Das BfArM aktualisierte die Dringlichkeitsliste für Arzneimittel. Betroffen sind unter anderem Ifosfamid, Depotpenicillin, Acetylsalicylsäure und pulmonales Salbutamol. Für das Krebsmittel Ifosfamid leitete Hikma Pharma bereits Maßnahmen zur Kompensation ein.

Eine dringende Sicherheitsmitteilung betrifft Bubble Humidifier der Hsiner Co. In der Medizintechnik sorgt zudem die MDR-Regel 11 für Diskussionen. Ein neues Positionspapier der Medical Device Coordination Group sieht eine Reorganisation der Sicherheitsberichte in der Eudamed-Datenbank vor.

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Rückschläge in der Alzheimer-Forschung

Die klinische Forschung liefert enttäuschende Nachrichten: Eine Phase-2-Studie zu Ceperognastat zeigte keine Verlangsamung der Alzheimer-Progression. Höhere Dosierungen führten sogar zu einer Verschlechterung. Auch das Tau-Antisense-Oligonukleotid Diranersen verfehlte seinen primären Endpunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie fordert daher frühere Interventionen und Kombinationstherapien.

Positive Signale aus Onkologie und Stoffwechselforschung

Roche erhielt für Gazyva einen FDA Priority Review zur Behandlung der membranösen Nephropathie. Phase-3-Daten zeigen eine komplette Remissionsrate von 36,9 Prozent nach zwei Jahren.

Bei Adipositas steht die EU-Zulassung einer oralen Semaglutid-Tablette für Mitte August bevor. Fachleute der LMU warnen jedoch vor einer schwächeren Wirkung im Vergleich zur Injektion.

Boehringer Ingelheim verzeichnete im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 16,2 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Haupttreiber: Das Medikament Jardiance.

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Streit um Krankschreibung und Sparpaket

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant weitreichende Änderungen bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Krankschreibungen per Online-Fragebogen ohne Arztkontakt sollen unterbunden werden. Das Video-Attest bleibt erhalten, die telefonische Krankschreibung steht vor dem Aus. Zudem ist eine verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag im Gespräch.

Die Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, übt scharfe Kritik. Sie bezeichnet Hausarztpraxen als „blinden Fleck der Gesetzgebung“. Ein geplantes Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung begrenze zudem die Vergütungsmöglichkeiten. Parallel dazu wird eine Zuckersteuer auf süße Getränke diskutiert, die jährlich rund 650 Millionen Euro einbringen soll.

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