Medikationsfehler, Krankenhauseinweisungen

Medikationsfehler: 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich vermeidbar

31.05.2026 - 19:30:15 | boerse-global.de

Ein Aktionsplan bis 2029 soll jährlich 250.000 Krankenhauseinweisungen durch Medikationsfehler vermeiden helfen.

Medikationsfehler: 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich vermeidbar - Foto: über boerse-global.de
Medikationsfehler: 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich vermeidbar - Foto: über boerse-global.de

Rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich durch Medikationsfehler – das soll sich ändern. Die Koordinierungsgruppe für Medikamententherapiesicherheit (AMTS) hat Ende Mai unter Leitung von Prof. Dr. Petra Thürmann einen neuen Aktionsplan bis 2029 auf den Weg gebracht. Im Zentrum stehen die elektronische Verordnung (E-Rezept) und die elektronische Patientenakte (ePA).

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Digitalisierung als Sicherheitsnetz

Seit März 2026 können Patienten ihre Medikationsdaten direkt in der ePA speichern. Das baut auf dem bereits eingeführten Medikationsplan auf, der für alle Patienten mit mindestens drei verordneten Präparaten über 28 Tage hinweg gedacht ist. Zwar gibt es eine elektronische Version dieses Plans bereits seit 2020, doch die Verknüpfung mit der ePA schafft erstmals eine zentrale Datenbasis.

Das Ziel: weniger Verwechslungen, weniger Wechselwirkungen, weniger Krankenhausaufenthalte. Ob das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die digitale Infrastruktur in der Praxis bewährt.

Magnesium und neue Wirkstoffe im Fokus

Neben der Digitalisierung rücken auch neue Erkenntnisse zur Behandlung selbst in den Vordergrund. Aktuelle Studien aus dem Mai 2026 belegen die blutdrucksenkende Wirkung von Magnesium – der Mineralstoff erweitert die Gefäße. Eine tägliche Dosis von rund 360 Milligramm kann den diastolischen Blutdruck um bis zu 10 mmHg senken. Experten empfehlen eine Dosierung zwischen 300 und 600 Milligramm täglich. Vorsicht gilt allerdings bei Nierenpatienten und unter Diuretika-Therapie, die einen Magnesiummangel begünstigen kann.

Gleichzeitig arbeiten Pharmaunternehmen an zielgerichteten Lösungen. Ein Präparat des Herstellers Mineralys zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Bluthochdruck-Patienten mit bestehender Nierenerkrankung. Bewährte Wirkstoffe wie Telmisartan – ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker – bleiben weiterhin Standard bei essenzieller Hypertonie, um das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte zu senken. Indapamid, ein Thiazid-ähnliches Diuretikum, punktet mit kardioprotektiven Eigenschaften und einer besseren metabolischen Verträglichkeit als ältere Alternativen.

Die 722-Methode: Blutdruck richtig messen

Für eine verlässliche Diagnose setzen Mediziner zunehmend auf strukturierte Heim-Messungen. Die sogenannte 722-Methode empfiehlt: Sieben Tage lang, zweimal täglich, jeweils zwei Messungen pro Sitzung. Der Zielwert liegt unter 130/80 mmHg.

Doch Medikamente allein reichen nicht. Das SABCDE-Prinzip bleibt das Fundament jeder Bluthochdruck-Therapie:
- Salz reduzieren
- Alkohol einschränken
- Body-Mass-Index senken
- Cigaretten stoppen
- Diät verbessern
- Exercise – also Bewegung

Bei therapieresistentem Bluthochdruck – etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten sind betroffen – raten Experten zur Abklärung einer sekundären Hypertonie oder zu speziellen Verfahren wie der renalen Denervation.

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Rückruf-Chaos bei Ramipril: Dritte Panne in drei Monaten

Ein gravierendes Sicherheitsproblem zeigt sich in der Lieferkette. Ende Mai 2026 rief Crescent Pharma Limited bestimmte Chargen von Ramipril 2,5 mg zurück. Grund: Ein Verpackungsfehler – in Kartons mit 2,5-mg-Kapseln befanden sich Blister mit 10 mg. Es war bereits der dritte Rückruf des Herstellers binnen drei Monaten. Im April betraf es die 10-mg-Dosis, im März die 5-mg-Variante.

Die Gesundheitsbehörden warnen vor erheblichen Risiken: Überdosierungen können zu Schwindel, Ohnmacht oder Nierenfunktionsstörungen führen.

Lieferengpässe: 188 Medikamente betroffen

Die systemischen Versorgungsprobleme verschärfen die Lage zusätzlich. Mitte Mai 2026 standen allein in Großbritannien 188 Präparate auf der Preisausgleichsliste des NHS – darunter wichtige Wirkstoffe wie Metformin, Apixaban und Ramipril. Steigende Weltmarktpreise und Finanzierungslücken treiben die Kosten. Apotheker berichten, dass sich die Beschaffungskosten für Apixaban im Vergleich zu den Erstattungssätzen verdoppelt haben. Die Folge: Patienten bleiben ohne ihre lebenswichtigen Medikamente.

Die geriatrische Kaskade: Stürze mit fatalen Folgen

Besonders komplex ist die Behandlung älterer Patienten. Experten sprechen von einer geriatrischen Kaskade: Nachlassende körperliche Fitness, neurologische Probleme und Nebenwirkungen der Medikation erhöhen das Sturzrisiko dramatisch. Die Zahl der Hüftfrakturen ist in den letzten sieben Jahren um jährlich rund 13 Prozent gestiegen. Die Statistik ist erschreckend: Zwischen 20 und 33 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach dem Bruch.

Umso wichtiger sind sorgfältige Medikamentenanpassungen und spezialisierte geriatrische Diagnostik – sowohl im stationären als auch im teilstationären Bereich. Denn was nützt der beste Blutdruck, wenn der Patient darüber stürzt?

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