Medikamentensicherheit: Bei der Hälfte der Pflegebedürftigen passieren Fehler
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 12:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Umfeld fordert Familienmitglieder in erheblichem Maße. Eine bundesweite Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter 1.012 pflegenden Angehörigen im Alter von 40 bis 85 Jahren verdeutlicht das Ausmaß der täglichen Beanspruchung.
Die befragten Personen leisten seit mindestens sechs Monaten mindestens einmal wöchentlich Pflege für eine zu Hause lebende Person ab 60 Jahren mit anerkanntem Pflegegrad. Die Ergebnisse zeichnen ein detailliertes Bild der gesundheitlichen, organisatorischen und sozialen Herausforderungen.
Hohe mentale und körperliche Belastung im Pflegealltag
Nach Angaben des ZQP gaben 53 Prozent der befragten Angehörigen an, sich durch die Pflegesituation psychisch belastet zu fühlen. Handelt es sich bei den Betreuten um Menschen mit Demenz, steigt dieser Anteil auf 71 Prozent. Auch die physische Beanspruchung ist spürbar: Insgesamt fühlten sich 38 Prozent der Angehörigen körperlich belastet; bei der Betreuung von Personen mit Demenz lag dieser Wert bei 47 Prozent.
Der Betreuungsaufwand ist im Alltag oft dauerhaft präsent. So gaben 85 Prozent der Teilnehmer an, dass die pflegebedürftigen Angehörigen bei komplexen Alltagstätigkeiten fast immer auf Unterstützung angewiesen sind. Diese dauerhafte Einbindung schlägt sich deutlich im persönlichen Leben nieder: 61 Prozent der Befragten verschoben eigene Vorhaben, während 42 Prozent von einer Vernachlässigung sozialer Beziehungen berichteten.
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Risiken bei der Arzneimittelversorgung und gesundheitliche Vorfälle
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Untersuchung betrifft die Verabreichung von Arzneimitteln. Bei 59 Prozent der Pflegebedürftigen handelt es sich um eine dauerhafte Einnahme von mindestens fünf Medikamenten.
Entsprechend hoch sind die Fehlerquoten in der Praxis: Bei 50 Prozent der betreuten Personen wurden in den vergangenen sechs Monaten Medikamente falsch oder gar nicht angewendet. Bei 19 Prozent kam es wiederholt zu entsprechenden Fehlern. Zudem berichteten 26 Prozent der Befragten von mehrfachen Problemen mit abgelaufenen oder unauffindbaren Arzneimitteln sowie fehlenden Rezepten.
Die Erhebung erfasste zudem kritische Gesundheitsereignisse im Verlauf der vergangenen zwölf Monate. In diesem Zeitraum berichteten 36 Prozent der Angehörigen von mindestens einem Sturz mit Verletzung bei der pflegebedürftigen Person. Ebenfalls 36 Prozent gaben mindestens eine notfallmäßige Aufnahme im Krankenhaus an, während 51 Prozent von mindestens einem regulären Krankenhausaufenthalt berichteten.
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Versorgungsengpässe und empfohlene Entlastungsmaßnahmen
Trotz des hohen Bedarfs stoßen Familien bei der Suche nach professioneller Unterstützung auf Hürden. Jeweils 26 Prozent der Befragten berichteten über Schwierigkeiten, ambulante Pflegedienste oder Plätze in der Tagespflege zu finden.
Um den Risiken in der häuslichen Versorgung zu begegnen, verweist das ZQP auf konkrete Maßnahmen. Ein zentraler Aspekt ist das Führen eines aktuellen Medikationsplans sowie die genaue Kontrolle von Dosierungen, Einnahmezeiten und Haltbarkeitsdaten der Arzneimittel.
Zudem wird eine kontinuierliche Beratung durch Arztpraxen oder Apotheken empfohlen. Um einer Überlastung der Pflegenden vorzubeugen, raten Fachleute darüber hinaus zu regelmäßigen Pausen, der Pflege sozialer Kontakte sowie der Nutzung bestehender Pflegeberatungsangebote und professioneller Pflegedienste.
