Medikamentenmix, Kombinationen

Medikamentenmix im Alter: 22 Prozent nehmen Kombinationen mit hohem Risiko

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Risiken hängen von Wirkstoff, Dosis und Gesundheitszustand ab; Fachleute empfehlen Medikationsprüfungen und vollständige Angaben zu Präparaten.

Nahrungsergänzung und Medikamente: Worauf es bei Wechselwirkungen ankommt
Frisches grünes Blattgemüse, ein Glas Wasser und eine Schale mit Nüssen auf einer hölzernen Küchenoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Zahlreiche Fachbeiträge widmen sich derzeit einer Frage, die besonders ältere Menschen betrifft: Wann wird die gleichzeitige Einnahme von Vitaminpräparaten und Medikamenten wie Antibiotika, Schmerzmitteln oder Diabetesmedikamenten zum Risiko? Die Antworten fallen differenziert aus – pauschale Warnungen finden sich ebenso wenig wie pauschale Entwarnungen.

Lebensmittel und Wirkstoffe als Wechselwirkungsfaktoren

Ein österreichisches Gesundheitsportal wies in einem Bericht vom 28. September 2026 darauf hin, dass Wechselwirkungen zwischen Lebensmitteln, Getränken und Arzneimitteln stark vom konkreten Wirkstoff, der Dosis und der Einnahmesituation abhängen.

Grapefruit etwa kann bei bestimmten Präparaten den Arzneimittelabbau beeinflussen und dadurch die Wirkung verstärken oder verlängern. Calcium aus Milchprodukten kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika sowie Schilddrüsen- und Osteoporosemittel beeinträchtigen, während Kaffee und Tee die Eisenaufnahme mindern können.

Auch Alkohol kann Nebenwirkungen verstärken. Bei Vitamin-K-sensitiven Blutverdünnern gilt eine konstante Zufuhr grünen Blattgemüses als wichtig, und Johanniskraut kann die Wirkung bestimmter Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva, Antidepressiva und hormoneller Verhütungsmittel verändern.

Das Portal empfahl, die Packungsbeilage zu beachten und Ärzte oder Apotheken über sämtliche eingenommenen Medikamente, Supplemente und Ernährungsgewohnheiten zu informieren.

Magnesium, Schmerzmittel und Nierenfunktion

Ein Fachbeitrag zu Magnesium und Schmerzmitteln vom 29. September 2026 beschrieb die gemeinsame Einnahme als in vielen Fällen unproblematisch, wobei die Sicherheit vom jeweiligen Wirkstoff und Gesundheitszustand abhänge.

Für Paracetamol wurden keine direkten negativen Wechselwirkungen genannt, bei NSAR wie Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sowie bei Opioiden wurde jedoch ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache empfohlen. Besondere Vorsicht gilt demnach bei eingeschränkter Nierenfunktion, da sich Magnesium anreichern kann. Magnesium ersetze zudem keinen ärztlich verordneten Magenschutz.

Die Frage der Nierenfunktion spielt auch bei Dosierungsempfehlungen eine Rolle: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt laut einem Bericht eines Fachportals für Gesundheit höchstens 250 mg Magnesium täglich aus Nahrungsergänzungsmitteln, verteilt auf mindestens zwei Gaben, höhere Dosen nur unter ärztlicher Begleitung.

Die Gesellschaft für Magnesiumforschung wiederum empfiehlt bei Bluthochdruck 300 bis 600 mg täglich und rät zur Prüfung des Magnesiumstatus, weist aber ebenfalls auf ein Überversorgungsrisiko bei Nierenfunktionsstörungen hin.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 350 mg täglich für Männer und 300 mg für Frauen. Laut Deutscher Herzstiftung treten ernste Nebenwirkungen wie Lähmungen erst bei extremer Überdosierung ab 2.500 mg täglich auf.

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Opioide und begleitende Verstopfung

Beim Fortbildungskongress der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe auf Langeoog stellte Apothekerin Verena Stahl sinnvolle Arzneimittelkombinationen vor. Laut Stahl entwickeln 80 Prozent der Opioid-Anwender Verstopfung, weshalb sie ein Abführmittel, möglichst vorbeugend, empfiehlt.

Bleibt der Erfolg nach ein bis zwei Wochen aus, kommen zusätzlich oder alternativ peripher wirksame µ-Opioid-Rezeptorantagonisten wie Naloxegol, Naldemedin oder Methylnaltrexon infrage.

Verbreitung und Risikobewusstsein bei Nahrungsergänzungsmitteln

Wie hoch die Verbreitung von Nahrungsergänzungsmitteln bereits ist, zeigt eine Which?-Umfrage, wonach 76 Prozent der Erwachsenen regelmäßig mindestens ein Präparat einnehmen, rund 19 Prozent sogar täglich vier oder mehr.

Fachleute warnen laut demselben Bericht vor möglichen Nierensteinen sowie Leber- und Nervenschäden durch übermäßige Einnahme; langfristig zu viel Vitamin B6 kann demnach das Risiko für Nervenschäden erhöhen, und fettlösliche Vitamine A, D, E und K können sich im Körper anreichern. Vor der Einnahme werden Bluttests und eine ärztliche Prüfung möglicher Medikamentenwechselwirkungen empfohlen.

Auch die schwedische Apothekenkette Apotek Hjärtat verzeichnete laut einem Bericht vom 28. September 2026 einen Anstieg der Verkäufe von Nahrungsergänzungsmitteln um fast 80 Prozent in den vergangenen vier Jahren. Laut Annika Svedberg hängt die Nachfrage teils mit Social-Media-Trends zusammen.

Eine Verian-Umfrage im Auftrag von Apotek Hjärtat ergab, dass 21 Prozent der Nutzer keine Risiken sehen und 12 Prozent der befragten 18- bis 29-Jährigen höhere als empfohlene Dosen einnehmen. Zu hohe Vitamin-D-Dosen können laut Svedberg Nierenschäden verursachen; Präparate können zudem Medikamente beeinflussen.

Bei gesunder, abwechslungsreicher Ernährung seien Ergänzungen meist unnötig – Ausnahmen bilden etwa Schwangere mit Folsäurebedarf, Menschen mit veganer Ernährung mit Blick auf Vitamin B12 sowie bestimmte Gruppen mit Vitamin-D- oder Eisenbedarf.

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Datenlage zu Mehrfachmedikation im Alter

Eine am 24. September veröffentlichte Analyse im Journal of the American Medical Association, die knapp 5.000 Erwachsene aus zwei Zeiträumen umfasste, fand, dass 22 Prozent der US-Erwachsenen im Alter von 62 bis 85 Jahren zwischen 2021 und 2023 Arzneimittelkombinationen mit hohem Risiko schwerer Wechselwirkungen einnahmen, gegenüber knapp 26 Prozent im Zeitraum 2015–16. Gleichzeitig stieg die Einnahme von mindestens fünf verschreibungspflichtigen Medikamenten von 31 Prozent auf knapp 36 Prozent, und die Einnahme von mindestens fünf Nahrungsergänzungsmitteln von unter 13 Prozent auf knapp 17 Prozent.

Häufig beteiligt waren Antidepressiva, Statine und Blutverdünner. Die Forschenden empfahlen regelmäßige Medikationsprüfungen und vollständige Angaben zu eingenommenen Supplementen gegenüber medizinischem Fachpersonal.

Was Fachleute Verbrauchern raten

Aus den verschiedenen Fachbeiträgen ergibt sich ein übereinstimmendes Bild: Wechselwirkungen zwischen Vitaminpräparaten, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten sind kein pauschales Phänomen, sondern hängen von Wirkstoff, Dosis, individueller Gesundheitssituation und insbesondere der Nierenfunktion ab.

Besonders bei mehreren gleichzeitig eingenommenen Präparaten – ein Muster, das laut den Auswertungen im Alter zunimmt – wird eine regelmäßige ärztliche oder pharmazeutische Überprüfung empfohlen. Fachleute raten übereinstimmend dazu, sämtliche eingenommenen Medikamente und Supplemente offen anzugeben, statt sie als vermeintlich harmlose Ergänzung zu verschweigen.

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