Medikamentenmangel: In Hamm fehlen über 200 Präparate für Patienten
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lieferausfälle bei Medikamenten verschärfen die Situation in der pharmazeutischen Versorgung spürbar. Am Beispiel der nordrhein-westfälischen Stadt Hamm wird das Ausmaß auf lokaler Ebene deutlich: Dort fehlen nach Angaben ortsansässiger Apotheker über 200 Medikamente. Wie aus einem Bericht vom 14.10.2026 hervorgeht, sah sich ein Apotheker gezwungen, auf weniger wirksame Alternativen auszuweichen, um Patienten überhaupt versorgen zu können.
Die regionalen Beobachtungen decken sich mit überregionalen Erhebungen. Laut Daten des PHAGO-Arzneimittel-Radars, über die am 13.10.2026 berichtet wurde, sind aktuell täglich 81.000 Medikamentenpackungen von Lieferproblemen betroffen. Damit setzt sich eine Verschärfung fort, da der Vergleichswert im Mai 2026 noch bei 74.000 Packungen pro Tag lag.
Insgesamt stuft das Radar über 13 Prozent der Arzneimittel als lieferkritisch ein. Das BASG-Vertriebseinschränkungsregister weist parallel rund 500 Arzneimittel aus, die gegenwärtig nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.
Chronisch Kranke besonders stark von Ausfällen betroffen
Die Ausfälle treffen in erheblichem Umfang chronisch kranke Personen, die auf eine kontinuierliche Einnahme ihrer Präparate angewiesen sind. Nach den Auswertungen des PHAGO-Arzneimittel-Radars ist der Indikationsbereich Verdauungstrakt und Stoffwechsel mit täglich 28.000 Packungen besonders massiv betroffen. Innerhalb dieses Segments weisen vor allem Antidiabetika erhebliche Defizite auf: Bei etwa einem Drittel dieser Präparate bestehen Nachschubprobleme.
In Hamm fehlen über 200 Medikamente, und täglich sind 81.000 Packungen von Lieferproblemen betroffen — vor allem Antidiabetika und Herz-Kreislauf-Präparate. Wer dauerhaft auf seine Tabletten angewiesen ist, braucht jetzt einen klaren Plan für den Ernstfall. Kostenlosen Leitfaden zur Dauerversorgung anfordern
Ebenfalls angespannt stellt sich die Lage bei Herz-Kreislauf-Medikamenten dar, bei denen täglich 14.000 Packungen mit Lieferschwierigkeiten gemeldet werden. Auch bei Augenpräparaten bleibt die Versorgungslage laut dem Radar problematisch. Differenzierter stellt sich das Bild in anderen Wirkstoffgruppen dar: Während bei Psychopharmaka eine Verbesserung verzeichnet wird, gelten Antibiotika und Erkältungsmittel derzeit als gut verfügbar.
Strategien bei Lagerhaltung und Logistik
Um den Versorgungsdruck abzufedern, spielen Großhändler und Hersteller eine zentrale Rolle bei der Pufferung. Fünf Mitglieder des Verbands PHAGO übernehmen die Belieferung an 23 Standorten und lagern dabei 12 Millionen Packungen ein.
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Auf Hersteller- und Dienstleisterseite kommen gezielte Lagerhaltungsinitiativen zum Einsatz. Laut einem Bericht vom 12.10.2026 hat das Unternehmen Sandoz für das eigene Sortiment eine sogenannte Safety-Stock-Initiative aufgesetzt. Durch mehr als doppelte Lagerbestände sollen künftige Lieferengpässe verhindert werden. Der Dienstleister Alloga lagert entsprechende Bestände im Auftrag von Arzneimittelherstellern sowie dem Staat ein.
Dass eine verlässliche Bevorratung und alternative Präparate stark nachgefragt werden, belegen auch historische Distributionszahlen: So erreichte Verfora im Jahr 2022 einen Rekordabsatz mit 821.000 ausgelieferten Algifor-Suspensionen bei einer Generika-Substitutionsrate von 74,8 Prozent über ein Netz von mehr als 360 eigenen Apotheken. Dennoch bleibt die dauerhafte Kompensation fehlender Wirkstoffe für die pharmazeutische Praxis eine fortlaufende logistische Herausforderung.
