Medikamenten-Nebenwirkung, Betablocker

Medikamenten-Nebenwirkung: Betablocker erhöhen Schwindelrisiko um 72%

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Metaanalyse zeigt bei Betablockern mehr Schwindel, aber keinen eindeutigen Albtraum-Effekt. Fachleute raten zur ärztlichen Prüfung.

Medikamente und Schlaf: Welche Wirkstoffe Albträume begünstigen können
Ein unbesetztes Bett in einem schlafzimmer bei mondlicht, das eine ruhige und nachdenkliche atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Schlafstörungen und Albträume gehören zu den häufig unterschätzten Nebenwirkungen alltäglicher Medikamente. Der Hausarzt Christoph Nitsche weist darauf hin, dass eine ganze Reihe verbreiteter Wirkstoffgruppen den Schlaf beeinträchtigen können – darunter Gyrasehemmer, Betablocker wie Metoprolol und Propranolol, Methotrexat, H2-Antagonisten, ACE-Hemmer, nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Hypnotika wie Zolpidem sowie Nikotinpflaster. Besonders gefährdet seien ältere Menschen und Patienten, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen.

Was die Datenlage zu Betablockern zeigt

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 89 Studien mit insgesamt rund 53.000 Erwachsenen auswertete, kommt laut Nitsche zu einem differenzierten Ergebnis: Betablocker erhöhen demnach das Schwindelrisiko um 72 Prozent, ein statistisch signifikanter Effekt auf Albträume ließ sich in der Gesamtauswertung jedoch nicht nachweisen.

Auffällig sei allerdings, dass fettlösliche Betablocker wie Pindolol und Metoprolol in Fallmeldungen häufiger mit Albträumen in Verbindung gebracht wurden als andere Vertreter dieser Wirkstoffklasse.

Als mögliche Erklärung nennt Nitsche einen Eingriff in die Melatoninproduktion: Betablocker können deren Ausschüttung hemmen, was den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören könnte. Auch Ibuprofen gerät in diesem Zusammenhang in den Blick – der Wirkstoff könne den Tiefschlaf beeinträchtigen, so Nitsche.

Historische Fallberichte und aktuelle Warnungen

Nitsche verweist zudem auf ältere Dokumentationen: Bereits 1995 hatte das arznei-telegramm 51 Fallberichte zu medikamentenbedingten Albträumen gesammelt.

Gleichzeitig relativiert er das Ausmaß bei bestimmten Wirkstoffen: In Ibuprofen-Studien mit mehr als 500 Probanden hätten weniger als 1 Prozent der Teilnehmer über Schlafprobleme berichtet – ein Hinweis darauf, dass individuelle Empfindlichkeit und Begleitumstände offenbar eine größere Rolle spielen als ein pauschaler Wirkstoffeffekt.

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Zu den Gyrasehemmern, einer Antibiotikaklasse, liegt laut Nitsche eine Warnung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vor. Auch ÖKO-TEST weist darauf hin, dass Wirkstoffe wie Aciclovir, ein antivirales Medikament, ebenfalls Albträume und Schlafstörungen auslösen können.

Einordnung durch die Schlafmedizin

Eine breitere Perspektive auf das Thema liefert Prof. Claudio Bassetti von der Universität Bern. Er verweist darauf, dass insbesondere Schlafmittel, Benzodiazepine und Antipsychotika die Hirnfunktion negativ beeinflussen können – ein Hinweis darauf, dass nicht nur Herz-Kreislauf- oder Schmerzmedikamente, sondern auch Präparate, die eigentlich zur Behandlung von Schlafproblemen eingesetzt werden, paradoxerweise selbst zur Belastung werden können.

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Empfehlungen für Betroffene

Trotz der teils uneinheitlichen Studienlage raten Nitsche und andere Fachleute zu einem vorsichtigen Umgang mit dem Thema. Wer unter neu auftretenden Albträumen oder Schlafstörungen leidet und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte dies dokumentieren – etwa in Form eines Schlaftagebuchs – und ärztlichen Rat einholen.

Ausdrücklich warnt Nitsche davor, Medikamente eigenmächtig abzusetzen, da dies gesundheitliche Risiken bergen kann, die die ursprüngliche Nebenwirkung überwiegen. Stattdessen sei die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt der richtige Weg, um gegebenenfalls eine Dosisanpassung oder einen Präparatewechsel zu prüfen.

Gerade für ältere und mehrfach medizierte Menschen erscheint eine regelmäßige Überprüfung der Medikation durch ärztliches Fachpersonal sinnvoll, um mögliche Wechselwirkungen und schlafbezogene Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

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