Medienkompetenz: 63% der Schüler lernen zu wenig über KI-Risiken
02.06.2026 - 02:04:37 | boerse-global.deWährend die Minister digitale Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen und Eltern in der Pflicht sehen, zeigen aktuelle Studien erhebliche Defizite im deutschen Schulsystem auf.
Schüler fordern mehr Praxis im Umgang mit KI
Eine Untersuchung des Deutschen Kinderhilfswerks von Anfang Juni offenbart alarmierende Lücken. In einer Verian-Umfrage unter mehr als 3.000 Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren gaben 63 Prozent an, zu wenig über die Risiken Künstlicher Intelligenz zu lernen.
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55 Prozent der Befragten beklagten zudem fehlende Freiräume für technische Experimente. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) bewertete die Aufklärung über Datenschutz als unzureichend. Immerhin: Rund 70 Prozent der Schüler fühlten sich beim Suchen von Informationen gut geschult. Das Problem: Nur fünf der 16 Bundesländer haben Medienbildung als eigenständiges Fach etabliert. Die Einführung von Informatik als Pflichtfach? Ein Prozess, der Jahre dauern wird.
Streit um Social-Media-Verbote an Grundschulen
Der Aktionsrat Bildung forderte Ende Mai ein Verbot sozialer Medien an Grundschulen. Die Dortmunder Bildungswissenschaftlerin Nele McElvany betont: Die Risiken wie Suchtgefahr und Cybermobbing überwiegen für jüngere Kinder den möglichen Nutzen bei weitem.
Der Expertenrat schlägt „mediale Integrität“ als neues Bildungsziel vor. Nordrhein-Westfalen hat bereits reagiert und empfiehlt ein Verbot privater Smartphone-Nutzung an Grundschulen. International zeichnet sich ein Trend ab: Österreich plant ab Anfang 2027 ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige.
Digitalisierung: Bevölkerung fordert Tempo
Der Druck auf die Politik wächst. Eine Bitkom-Umfrage vom 1. Juni zeigt: 73 Prozent der Deutschen wollen eine schnellere Digitalisierung. Fast jeder Zweite fürchtet, den Anschluss an die technologische Entwicklung zu verlieren – besonders Frauen und Menschen über 65.
Auch der Arbeitsmarkt gibt Alarm. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt: Das Potenzial für digitale Substitution steigt seit 2013 kontinuierlich. Digitalisierung betrifft längst nicht mehr nur Routineaufgaben, sondern zunehmend komplexe Tätigkeiten von Spezialisten und Experten.
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Plattformen in der Kritik: Journalisten fordern Regulierung
Während die Bildungspolitik noch debattiert, drängen Berufsverbände auf schärfere Regeln für Digitalplattformen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die Rundfunkkommission auf, im geplanten Digitalen Medienstaatsvertrag unfaire Vorteile für X, Facebook und Instagram zu verhindern. DJV-Chef Mika Beuster verlangt mehr Klarheit bei der Refinanzierung journalistischer Inhalte.
Der Druck auf die Plattformen wächst auch juristisch. Ende Mai 2024 einigte sich ein Schulbezirk in Kentucky mit Meta, Snap, TikTok und YouTube auf eine Zahlung von 27 Millionen Dollar – wegen angeblich süchtig machender Technologien. Über 1.300 ähnliche Klagen sind anhängig. Branchenexperten schätzen die mögliche Gesamtbelastung für die Tech-Konzerne auf mehrere hundert Milliarden Dollar.
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