Medienabhängigkeit, Jugendliche

Medienabhängigkeit: Jeder fünfte Jugendliche zeigt riskantes Verhalten

14.06.2026 - 00:39:09 | boerse-global.de

Immer mehr Jugendliche zeigen riskantes Medienverhalten. Experten fordern mehr Schutz und Medienkompetenz statt pauschaler Verbote.

Mediensucht bei Kindern: Ärzte warnen vor Hirnveränderungen
Medienabhängigkeit - Jugendliche schauen auf ihre Smartphones, ihre Gesichter werden vom Bildschirmlicht beleuchtet, in einer urbanen Umgebung. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Pilotprojekt „MeKi“ im Berchtesgadener Land behandelt medienabhängige Minderjährige. Die leitende Ärztin Dr. Anke Joas von der Klinik Schönsicht berichtet von einem beobachteten „Umbau im Gehirn“ bei betroffenen Patienten.

Die neuronalen Veränderungen gehen mit massiven Entwicklungs- und Verhaltensstörungen einher. Zu den klinischen Symptomen zählen Depressionen, Angststörungen und erhebliche Schlafprobleme. Experten sehen auch Phänomene wie „Italian Brainrot“ – KI-generierte, repetitive Kurzvideos auf TikTok oder YouTube Shorts – als Ursache für geistige Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und unkontrollierte Wutausbrüche.

Jeder fünfte Jugendliche zeigt riskantes Nutzungsverhalten

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Die Dimension des Problems belegen wissenschaftliche Daten. Eine Studie der DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem UKE Hamburg beziffert den Anteil der 10- bis 17-Jährigen mit riskanten Nutzungsmustern auf 21,4 Prozent.

Auch im Schulalltag wird die Tragweite deutlich. Eine Umfrage des Deutschen Philologenverbands unter mehr als 1.000 Lehrkräften vom Juni 2026 zeigt die Belastung: 79 Prozent der Befragten sehen Suchtverhalten als zentrale Herausforderung. 70 Prozent nennen die Ablenkung durch Mobiltelefone als Problem, 63 Prozent berichten von zunehmendem Cybermobbing und Hassrede. Rund 68 Prozent der Lehrkräfte fordern einheitliche Regelungen.

Politik uneins über Verbote

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens fordert ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren sowie eine Ausweitung von Handyverboten an Schulen. Der Deutsche Ethikrat sieht das anders.

In einer Stellungnahme vom 12. Juni 2026 sprach sich der Rat gegen ein pauschales gesetzliches Mindestalter aus. Vorsitzender Helmut Frister betont, ein Verbot könne die Balance zwischen Schutz und gesellschaftlicher Teilhabe nicht wahren. Stattdessen empfiehlt der Rat ein risikobasiertes Schutzkonzept auf Basis des EU Digital Services Act. Das Drei-Stufen-Modell kombiniert elterliche Kontrolle, technische Altersverifikation auf Endgeräten und spezifische Verifizierungsverfahren für strafrechtlich relevante Inhalte.

Medienkompetenz als Schlüssel

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Die Bildungsministerkonferenz unter Präsidentin Anna Stolz verständigte sich Mitte Juni auf eine Strategie zur Stärkung der Medienkompetenz. Ziel ist ein reflektierter Umgang mit sozialen Netzwerken – basierend auf Sensibilisierung, Stärkung und Schutz. Die Maßnahmen sollen Datenschutz, Cybermobbing und den Umgang mit Deepfakes abdecken.

Bundesbildungsministerin Karin Prien kündigte an, am 24. Juni rund 50 konkrete Empfehlungen einer Expertenkommission vorzustellen. In Niedersachsen läuft bereits ein Modellprojekt: Seit dem Schuljahr 2025/26 führt das Land den „Social Media Pass“ ein. Das Programm vermittelt Schülern der Mittelstufe die Mechanismen von Algorithmen und Geschäftsmodellen digitaler Plattformen.

Lehrkräfte, die das Material erprobten, berichten jedoch von einer grundlegenden Schwierigkeit: Die psychologische Bindung an das kontinuierliche Scrollen sei bereits nach kurzer Zeit so hoch, dass Aufklärung allein nicht ausreiche, um Schüler von den Geräten zu trennen.

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