MediaTek, KI-Umsatzziel

MediaTek verdoppelt KI-Umsatzziel auf zwei Milliarden Euro

30.04.2026 - 20:26:34 | boerse-global.de

MediaTek hebt Umsatzerwartung für kundenspezifische KI-Chips auf zwei Milliarden Euro an. Der Wandel vom Smartphone-Lieferanten zum Rechenzentrumspartner treibt die Aktie.

MediaTek verdoppelt KI-Umsatzziel auf zwei Milliarden Euro - Foto: über boerse-global.de
MediaTek verdoppelt KI-Umsatzziel auf zwei Milliarden Euro - Foto: über boerse-global.de

Der taiwanesische Chipkonzern MediaTek hebt seine Prognose für das Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips drastisch an. Statt der ursprünglich erwarteten eine Milliarde Euro sollen 2026 nun rund zwei Milliarden Euro allein aus einem Großprojekt mit einem US-Cloud-Riesen fließen. Das gab Vorstandschef Rick Tsai am Donnerstag in einer Telefonkonferenz bekannt.

Der große Sprung ins Rechenzentrum

Der überarbeitete Ausblick markiert eine strategische Kehrtwende für den Halbleiterhersteller. Während das Smartphone-Geschäft weltweit schwächelt, setzt MediaTek verstärkt auf margenstarke Rechenzentren. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 lag bei umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro – ein leichter Rückgang von 2,7 Prozent zum Vorjahr. Grund sind zweistellige Einbußen bei Mobilfunkchips, die jedoch durch Zuwächse bei KI-Servern und intelligenten Randgeräten teilweise ausgeglichen wurden.

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Im Zentrum der neuen Strategie steht eine enge Partnerschaft mit Google. Branchenbeobachter berichten, dass MediaTek an mehreren Generationen von Googles Tensor Processing Units (TPUs) beteiligt ist – von der aktuellen v7e-Serie bis hin zu den künftigen Modellen v9 und v10. Google verfolgt dabei offenbar eine Dual-Sourcing-Strategie, um nicht allein von Broadcom abhängig zu sein. MediaTek nutzt diese Lücke.

„Die Dynamik im KI-Infrastruktur-Boom zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung“, sagte Tsai. Der Gesamtmarkt für kundenspezifische KI-Chips in Rechenzentren soll bis 2027 auf 70 bis 80 Milliarden Euro wachsen – weit früher als ursprünglich angenommen. MediaTek will sich davon zehn bis 15 Prozent sichern.

Gegenwind aus dem Smartphone-Markt

Doch der Weg ist nicht frei von Hindernissen. MediaTeks traditionelles Kerngeschäft – Prozessoren für Smartphones – brach im ersten Quartal um 15 Prozent ein. Schuld sind eine Verknappung von Speicherbauteilen und steigende Materialkosten, die Handyhersteller zu Preiserhöhungen zwingen. Die Folge: Die Nachfrage sinkt.

MediaTek rechnet nun für 2026 mit einem Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um rund 15 Prozent. Dennoch hielt die Bruttomarge im ersten Quartal bei soliden 46,3 Prozent – dank disziplinierter Preispolitik und einem Fokus auf Premium-Modelle.

Die Wende soll ein neuer 2-Nanometer-Flaggschiff-Prozessor bringen, der im dritten Quartal 2026 auf den Markt kommt. Er integriert fortschrittliche KI-Funktionen direkt auf dem Chip – ein Hebel, um Kunden zu Upgrades zu bewegen.

Technologie-Partnerschaften als Trumpf

MediaTek setzt auf mehrere eigene Technologie-Säulen, um im Rechenzentrum zu bestehen. Dazu gehören Hochgeschwindigkeits-Schnittstellen mit 224 und 448 Gigabit pro Sekunde, die für den Datentransfer in riesigen KI-Clustern unverzichtbar sind.

Die Partnerschaften reichen weit über Google hinaus:
- Nvidia: MediaTek arbeitet an der DGX-Spark-Plattform, die eine MediaTek-CPU mit einer Nvidia-GPU auf einem einzigen Chip vereint.
- Ayar Labs: Eine Beteiligung an dem Unternehmen für optische Verbindungstechnik soll Engpässe in Rechenzentren lösen.
- Microsoft Research: Gemeinsame Entwicklung von MicroLED-Glasfaser-Technologie.
- OpenAI: Insidern zufolge ist MediaTek ein Kandidat für Hardware-Projekte im Bereich Edge-KI.

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Börse feiert den Wandel

Die Anleger honorieren die Neuausrichtung. MediaTeks Aktien sind in diesem Jahr um 83 Prozent gestiegen – weit mehr als der taiwanesische Leitindex mit 34 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 131 Milliarden Euro ist MediaTek das drittwertvollste Unternehmen an der Börse Taipeh, hinter TSMC und Hon Hai.

Der Nettogewinn im ersten Quartal lag bei umgerechnet rund 703 Millionen Euro – ein Rückgang von 17,4 Prozent zum Vorjahr, aber immer noch ein stabiles Ergebnis. Für das zweite Quartal 2026 erwartet das Management einen leichten Umsatzrückgang auf rund 4,2 Milliarden Euro, bevor die großen KI-Erlöse im vierten Quartal einsetzen.

2027: Das Jahr der KI-Chips

Analysten zeichnen ein klares Bild: Sollte der Schwung anhalten, könnte der Umsatz mit KI-ASICs bis 2027 auf 12,3 Milliarden Euro steigen – das wäre fast 40 Prozent des Gesamtumsatzes. MediaTek selbst gibt sich konservativer und spricht von „mehreren Milliarden“ für 2027, bestätigt aber, dass das KI-Wachstum das Mobilfunkgeschäft dauerhaft überflügeln wird.

Der Erfolg hängt nun von der reibungslosen Produktion bei TSMC in den 3- und 2-Nanometer-Fertigungsverfahren ab. MediaTek baut derweil sein Team für kundenspezifische Chips aus und verlagert Ressourcen vom Smartphone-Geschäft in die Rechenzentren. Der Wandel vom Konsumenten-Chip-Hersteller zum kompletten KI-Infrastruktur-Anbieter tritt in seine entscheidende Phase.

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