ME/ CFS-Versorgung: UKE Hamburg eröffnet spezialisierte Ambulanz
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gesundheitspolitische Debatte um die Myalgische Enzephalomyelitis/das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) gewinnt aufgrund steigender Fallzahlen und dokumentierter Versorgungsdefizite an Intensität.
Aktuellen Erhebungen zufolge leiden in Deutschland mehr als 600.000 Menschen an dieser neuroimmunologischen Erkrankung. Die Betroffenen sind oft massiv in ihrem Alltag eingeschränkt; in schweren Fällen sind Patienten dauerhaft bettlägerig und entwickeln eine extreme Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen.
Soziale Isolation und die Realität der Schwerstkranken
Die Lebensrealität der am schwersten betroffenen Patienten entzieht sich weitgehend der öffentlichen Wahrnehmung, da sie ihre Wohnungen oft über Jahre nicht verlassen können.
Der Fotograf Leon Joshua Dreischulte hat diese Isolation dokumentiert, indem er Erkrankte besuchte, die aufgrund ihrer Symptomatik in ständiger Dunkelheit leben müssen. Diese visuellen Zeugnisse verdeutlichen die physischen und psychischen Belastungen, denen diese Personengruppe ausgesetzt ist.
Auch auf regionaler Ebene versuchen Betroffene, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. In Thüringen etwa wird die Zahl der Erkrankten auf rund 15.000 geschätzt.
Um diese Fälle symbolisch sichtbar zu machen, wurde von Martin Steinhäuser und seiner Frau, die beide selbst von ME/CFS betroffen sind, eine Aktion mit 15.000 Socken initiiert. Solche Initiativen unterstreichen den dringenden Bedarf an gesellschaftlicher Anerkennung und medizinischer Unterstützung.
Aufbau spezialisierter Versorgungsstrukturen
Angesichts der hohen Zahl vermuteter Betroffener gerät die medizinische Infrastruktur unter Druck. In Hamburg fordern die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen den Senat auf, die spezialisierte Versorgung auszuweiten.
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Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) plant in diesem Zusammenhang die Einrichtung einer neuen Ambulanz, die sich sowohl Long-Covid-Patienten als auch ME/CFS-Betroffenen widmen soll. Experten gehen davon aus, dass allein im Hamburger Raum Zehntausende von diesen Krankheitsbildern betroffen sind.
Die Notwendigkeit solcher Zentren ergibt sich auch aus der Komplexität der Diagnose und Behandlung. Da ME/CFS oft mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht, ist eine interdisziplinäre Betreuung essenziell, um die Lebensqualität der Patienten zumindest schrittweise zu verbessern.
Zusammenhang zwischen Langzeitfolgen und Stresssymptomen
Ein weiteres Feld der klinischen Beobachtung betrifft die Begleiterscheinungen von chronischen Infektionsfolgen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 bis 20 Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Personen Langzeitsymptome entwickeln. In diesem Kontext rücken auch psychosomatische und physische Stressreaktionen wie Bruxismus (Zähneknirschen) in den Fokus der Forschung.
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Zahnmediziner wie der S3-Leitlinien-Koordinator Matthias Lange weisen darauf hin, dass chronisches Zähneknirschen bei hoher Belastung zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann. Eine Studie zeigt hier eine statistische Korrelation auf: Patienten mit Long COVID leiden demnach zu 27 Prozent häufiger unter oralen Schmerzen.
Zudem wird eine Zunahme von neu auftretenden Schlafstörungen um 40 Prozent im Zusammenhang mit Long COVID und Bruxismus beobachtet. Diese Daten verdeutlichen, dass die Behandlung von ME/CFS und ähnlichen chronischen Erkrankungen einen ganzheitlichen Ansatz erfordert, der auch die physischen Folgen von langanhaltendem Stress berücksichtigt.
