MECFS, Long-COVID

ME/ CFS und Long-COVID: G-BA freigegeben vier neue Wirkstoffe

12.06.2026 - 05:15:29 | boerse-global.de

Vier Wirkstoffe gegen Fatigue und kognitive Störungen bei Long-COVID und ME/CFS sind nun erstattungsfähig. Ein Gerichtsurteil stärkt zudem die Rechte von Betroffenen auf Berufsunfähigkeitsrente.

G-BA gibt grünes Licht: Neue Off-Label-Therapien für Long-COVID und ME/CFS
MECFS - Eine stilisierte, leuchtende Darstellung eines neuronalen Netzwerks oder Gehirns, das neurologische und kognitive Funktionen symbolisiert. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Entscheidung vom 11. Juni 2026 erlaubt erstmals die Verordnung zulasten der Krankenkassen im Off-Label-Use. Betroffen sind vor allem neurologische und kognitive Symptome, die das Leben der Patienten massiv einschränken.

Neue Wirkstoffe im Detail

Vortioxetin steht künftig gegen kognitive Beeinträchtigungen und depressive Symptome bei Long-COVID zur Verfügung. Da das Medikament in Deutschland nicht als Fertigarzneimittel erhältlich ist, muss es als Einzelimport (etwa als Brintellix) beschafft werden – vorausgesetzt, der Hersteller gibt eine Haftungserklärung ab.

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Gegen die quälende Fatigue bei ME/CFS und Long-COVID setzt der G-BA auf Agomelatin. Zwei weitere Wirkstoffe runden den Beschluss ab: Metformin kann bei Patienten mit einem BMI über 25 zur Long-COVID-Prophylaxe eingesetzt werden – allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von drei Tagen nach einer Corona-Diagnose beginnt. Für das Posturale Tachykardiesyndrom (PoTS), eine häufige Begleiterkrankung, steht Ivabradin bereit, falls Betablocker nicht vertragen werden.

Gericht stärkt Rechte von ME/CFS-Patienten

Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 4. März 2026 setzt ein wichtiges Signal. Das Gericht sprach einem Steuerberater mit Post-COVID-Syndrom und ME/CFS eine unbefristete Berufsunfähigkeitsrente zu (Az. 20 K 5030/25).

Die Begründung: Die bloße Hoffnung auf künftige medizinische Fortschritte reicht nicht, um eine Rente zu befristen. Entscheidend sei die aktuelle Erkenntnislage – und die besagt: Eine heilende Therapie für ME/CFS existiert nicht. Patienten mit dauerhaften kognitiven und körperlichen Einschränkungen brauchen langfristige Absicherung, keine kurzfristigen Genesungsszenarien.

Vitamin C und das Gehirn: Neue Erkenntnisse

Die Forschung rückt die biologischen Grundlagen der Gehirngesundheit in den Fokus. Eine 2026 in PLOS ONE veröffentlichte Studie mit über 2.000 Teilnehmern ab 64 Jahren zeigt: Niedrige Vitamin-C-Spiegel im Plasma hängen mit weniger grauer Substanz und schwächerer Konnektivität im Default Mode Network (DMN) zusammen. Kausal ist der Zusammenhang noch nicht belegt – aber die Studie deutet darauf hin, dass eine gute Mikronährstoffversorgung für die Integrität von Hirnnetzwerken relevant sein könnte.

Parallel dazu erforscht die Universität Basel die Darm-Hirn-Achse. Eine Studie an Fruchtfliegen aus dem Frühjahr 2026 belegt: Ein Darmverschluss führt zu massiven Verhaltensänderungen – Nahrungsverweigerung und übermäßiges Schlafbedürfnis. Das könnte erklären, warum Fatigue und Appetitverlust bei neurologischen Erkrankungen so häufig auftreten.

Digitale Diagnostik und KI-Simulationen

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) hat die Vorteile von Online-Gedächtnistests belegt. In einer Studie mit 202 Probanden erfassten die digitalen Tests kleine kognitive Veränderungen präziser als jährliche Untersuchungen vor Ort.

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Noch einen Schritt weiter gehen Forscher der TU Dresden: Sie nutzen Large Language Models wie ChatGPT-4o, um psychologische Zustände zu simulieren. Eine 2026 veröffentlichte Arbeit zeigt, dass KI-Modelle menschliche Emotionen wie Angst oder Traurigkeit samt der dazugehörigen kognitiven Verzerrungen abbilden können. Ziel sind skalierbare Modelle für die psychologische Forschung.

Spendenaktion auf der Zugspitze

Während die Forschung voranschreitet, bleibt das zivilgesellschaftliche Engagement wichtig. Am 20. Juni 2026 ist eine erneute Wanderung auf die Zugspitze geplant. Die Aktion sammelt Spenden für die ME/CFS Research Foundation und den Bundesverband ME/CFS-Fatigatio – und sorgt für öffentliche Aufmerksamkeit, die die Erkrankung dringend braucht.

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