ME/ CFS in Österreich: 80.000 Betroffene nach Pandemie-Verdreifachung
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 14:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Besonders der Vagusnerv rückt in den Fokus – und mit ihm die Frage: Lässt sich Stress wirklich messen und trainieren?
Herzratenvariabilität als Frühwarnsystem
Ein zentraler Indikator ist die Herzratenvariabilität (HRV). Sie misst die Schwankungen zwischen den Herzschlägen. Eine hohe HRV gilt als Zeichen für ein gesundes Nervensystem, eine niedrige korreliert mit Stress, Burnout oder Depressionen. Studien belegen zudem einen direkten Zusammenhang zwischen beruflicher Belastung und der Aktivität bestimmter Gehirnareale.
Parallel dazu rückt die Darmgesundheit in den Fokus. In Fachpraxen werden Mikrobiomanalysen eingesetzt, um Entzündungsmarker und die Schleimhautbarriere zu untersuchen. Ziel: Autoimmunerkrankungen, Long Covid und Reizdarmsyndrome behandeln. Die Darm-Hirn-Achse spielt dabei eine wesentliche Rolle bei der Stressregulation.
Wenn Medizintechnik auf Achtsamkeit trifft
Ein Beispiel für diese Verknüpfung: die globale Partnerschaft zwischen dem Medizintechnikunternehmen Insulet und der Wellness-Plattform Calm. Die Kooperation heißt „The Mind in Range Collection“ und richtet sich an Menschen mit Diabetes.
Der Hintergrund ist ernüchternd: Rund 66 Prozent der Diabetiker berichten über schlechte Schlafqualität, etwa 80 Prozent leiden unter Burnout-Symptomen. Zudem haben Diabetiker ein um 20 Prozent höheres Risiko für Angststörungen. Das Angebot umfasst Meditations- und Atemübungen sowie eine von Lila Moss vertonte Schlafgeschichte. Wirtschaftlich läuft es für Insulet: Die Omnipod-Sparte steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2026 um 36,9 Prozent auf 758,4 Millionen US-Dollar.
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ME/CFS: Die vergessene Pandemie-Folge
Im Bereich schwerer Multisystemerkrankungen fordern Neurologen ein Umdenken. In Österreich sind rund 80.000 Menschen von ME/CFS betroffen – eine Verdreifachung seit der Pandemie. Das Leitsymptom ist die Post-Exertional Malaise (PEM): eine massive Verschlechterung nach geringster Belastung.
Der Neurologe Michael Stingl warnt davor, dass Betroffene häufig zu Aktivitäten gezwungen werden, die ihren Zustand verschlechtern. Er plädiert für spezialisierte Ambulanzen und sozialrechtliche Anpassungen. Zentrale Therapie: das sogenannte Pacing. Patienten lernen, ihre Energiereserven strikt einzuhalten und Belastungssteigerungen zu vermeiden.
Technik gegen Stress: Vagusnerv-Stimulation für zu Hause
Neben klinischen Ansätzen drängen neue Technologien auf den Markt. Ein aktuelles Gerät namens Truvaga Plus wird als nicht-invasiver Stimulator für rund 499 US-Dollar angeboten. Es verspricht durch kurze Anwendungssitzungen besseren Schlaf und weniger Stress.
Ergänzend dazu kommen komplementäre Methoden wie rhythmisches Gehen. Ein System von Thomas Eder nutzt einen achtschrittigen Atemzyklus, um die Fettverbrennung zu fördern und Stress abzubauen. Die Synchronisation von Atmung und Bewegung soll das Nervensystem stabilisieren.
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Ein Bakterium gegen Stress?
Wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Frühjahr 2026 liefern neue Ansätze. Eine im Mai in Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte das Umweltbakterium Mycobacterium vaccae. In Tierversuchen erhöhte es die Stressresilienz und verbesserte die Darmgesundheit. Bemerkenswert: Die Effekte zeigten sich auch bei den Nachkommen. Eine Übertragbarkeit auf den Menschen steht jedoch noch aus.
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