MECFS, Betroffene

ME/ CFS in Österreich: 73.600 Betroffene und ein neues Therapieprojekt

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umfragen zeigen psychischen Druck und BGM-Erfolge; zugleich sind neue Angebote für chronisch Erkrankte geplant.

Gesundheit am Arbeitsplatz: Belastungen, BGM und neue Ansätze
Ein heller, minimalistischer Innenhof mit Pflanzen und natürlichem Licht in einem modernen Bürogebäude. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender beruflicher Anforderungen und einer Zunahme chronischer Erkrankungen diskutieren Experten und Betroffene verstärkt über neue Ansätze im Gesundheitsmanagement. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die individuelle Gesundheit gegenüber dem wachsenden Leistungsdruck priorisiert werden kann. Aktuelle Daten und Berichte aus dem September 2026 verdeutlichen die Notwendigkeit für systemische Anpassungen in der Arbeitswelt.

Psychische Belastung und der Ruf nach Entlastung

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz hat für viele Arbeitnehmer ein kritisches Niveau erreicht. Laut einer Umfrage des Portals karriere.at gaben 52 Prozent der Befragten an, mindestens einmal aufgrund beruflicher Belastungen geweint zu haben. 64 Prozent berichteten von Wutausbrüchen.

Jeweils 31 Prozent der Teilnehmer kommen demnach mehrmals im Monat oder mehrmals im Jahr an ihre emotionale Belastungsgrenze. Als wichtigste Maßnahme zur Entlastung nannten 34 Prozent der Befragten eine Reduzierung der Arbeitslast.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordert vor diesem Hintergrund konsequente Maßnahmen gegen Arbeitsdruck und Personalmangel. Neben einer verstärkten Mitbestimmung für Betriebsräte wird die gesetzliche Verpflichtung der Arbeitgeber betont, psychische Belastungen systematisch zu erheben.

Eine Analyse der Arbeiterkammer zeigt jedoch Defizite bei der Umsetzung: Lediglich 70 Prozent der Unternehmen evaluieren diese Belastungen regelmäßig, obwohl dies bereits seit 1995 im Arbeitnehmerinnenschutzgesetz verankert ist.

Fachleute wie der Arbeitspsychologe MMag. Christian Pasteka gehen davon aus, dass nur etwa ein Drittel der Betriebe einen tatsächlichen Nutzen aus diesen Evaluierungen zieht.

Betriebliches Gesundheitsmanagement als Erfolgsfaktor

Trotz der Umsetzungsdefizite gewinnt das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) an Bedeutung. Eine Studie der Barmer Krankenkasse unter 550 Entscheidungsträgern mittelständischer Unternehmen belegt, dass Gesundheit für 94 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählt. Seit 2023 beobachteten 33 Prozent der Firmen einen Anstieg bei Kurzzeit-Krankmeldungen, während diese bei 44 Prozent stabil blieben.

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Unternehmen, die aktiv in BGM investieren, berichten von messbaren Erfolgen. 59 Prozent der Befragten verzeichneten ein besseres Betriebsklima, 56 Prozent eine höhere Arbeitszufriedenheit und 34 Prozent eine gesteigerte Produktivität.

Ein Drittel der Betriebe konnte durch Gesundheitsmaßnahmen die Fehlzeiten senken. Interessant ist dabei das geschlechtsspezifische Interesse: Während 73 Prozent der weiblichen Führungskräfte Interesse an BGM-Themen zeigten, lag der Wert bei den männlichen Kollegen bei 66 Prozent.

Innovative Ansätze wurden Ende September 2026 mit dem 11. Deutschen BGM-Förderpreis der DAK-Gesundheit ausgezeichnet. Den ersten Platz belegte der Klinikverbund MZG-Westfalen mit einem digitalen Schutzsystem. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein, das rund 560 Beschäftigte betreut, sicherte sich den zweiten Platz mit einem Programm zu den Wechseljahren ("Meno-360°").

Herausforderungen durch spezifische Krankheitsbilder

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Krankheitsbilder wie Endometriose und ME/CFS, die oft mit langen Diagnosewegen verbunden sind. In Österreich sind laut Menstruationsbericht mindestens 300.000 Frauen von Endometriose betroffen. Der ÖGB weist darauf hin, dass die Diagnose oft Jahre dauert und Schmerzen häufig bagatellisiert werden, was die Vereinbarkeit mit dem Arbeitsalltag erschwert.

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Für die rund 73.600 ME/CFS-Betroffenen in Österreich – davon etwa 2.400 im Burgenland – werden derzeit spezialisierte Therapiekonzepte erprobt. Ein Pilotprojekt im REDUCE Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf kombiniert ambulante und stationäre Betreuung mit Methoden wie der Pacing-Methode, Kältetherapie und Höhentraining.

Ziel ist es, die oft schweren Ausprägungen der Krankheit, die bis zur Unfähigkeit der eigenständigen Lebensführung führen können, besser zu behandeln.

Regulatorische Entwicklungen und Präventionsangebote

Auch auf gesetzlicher Ebene sind Änderungen geplant, um chronisch Kranke besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein im April 2026 vom Bundeskabinett beschlossener Entwurf sieht ab Juli 2028 die Einführung von Teilarbeitsunfähigkeit und Teilkrankengeld vor. Dies soll es gesetzlich Versicherten ermöglichen, bei langwierigen Erkrankungen mit reduzierter Stundenzahl (25, 50 oder 75 Prozent) im Beruf zu bleiben.

Parallel dazu werden präventive Programme ausgebaut. In Hessen startet Anfang Oktober 2026 das erste flächendeckende Disease-Management-Programm (DMP) für chronische Herzinsuffizienz. Zudem rücken vermehrt junge Erwachsene und deren Herzgesundheit in den Fokus.

Experten wie Dr. Julia Clavel betonen die Rolle von Mikronährstoffen wie Magnesium und Kalium für die Herzfunktion und verweisen darauf, dass Arteriosklerose ein schleichender Prozess ist, der oft bereits in jungen Jahren beginnt.

Für die Zukunft sind weitere spezialisierte Foren geplant, wie die für Februar 2027 angekündigte Konferenz zum Thema Arbeiten mit Krebs, die sich mit dem Wiedereinstieg und den Langzeitfolgen einer Krebserkrankung im beruflichen Kontext befassen wird.

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