MECFS, Deutschland

ME/ CFS in Deutschland: 650.000 Betroffene und kaum Therapieangebote

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Organische Erkrankungen und postinfektiöse Syndrome können Erschöpfung erklären; für beworbene alternative Verfahren fehlen belastbare Wirksamkeitsnachweise.

Müdigkeit und Infektanfälligkeit: Ursachen, PAIS und ungeprüfte Angebote
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum in einer medizinischen Praxis mit einem leeren Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Anhaltende Erschöpfung und eine erhöhte Infektanfälligkeit belasten zahlreiche Menschen und werfen im klinischen Alltag regelmäßig Fragen nach den zugrundeliegenden Mechanismen auf. Verschiedene Fachberichte und Veröffentlichungen thematisieren dabei die Verbindung zwischen chronischer Müdigkeit, rezidivierenden Infekten und verborgenen biologischen Ungleichgewichten, die das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen.

Organische Ursachen und hormonelle Faktoren

Fachbeiträge weisen darauf hin, dass hinter dauerhafter Erschöpfung häufig konkrete organische Störungen stehen. Nach vorliegenden Schätzungen betrifft eine Schilddrüsenunterfunktion rund 4,6 % der Allgemeinbevölkerung, während eine stoffwechselbedingte Fettleber bei rund 30 % der Erwachsenen vorliegt.

Fachleute empfehlen bei anhaltender Müdigkeit eine gezielte labormedizinische Abklärung, unter anderem über die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 sowie relevante Leberwerte.

Auch der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner verweist auf Zusammenhänge zwischen Schilddrüsenfehlfunktionen und Schlafstörungen. Bei Patientinnen und Patienten mit Morbus Basedow berichteten demnach rund zwei Drittel über Einschlafprobleme.

Zudem zeigte eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 mit 2.916 Patientinnen und Patienten in sieben von acht Beobachtungsstudien eine Verbindung zwischen subklinischer Hypothyreose und schlechter Schlafqualität. Bei fortdauernden Beschwerden rät der Verband ebenfalls zu einer ärztlichen Untersuchung.

Postinfektiöse Syndrome und Versorgungsengpässe

Neben organischen Grunderkrankungen rücken postinfektiöse Beschwerden zunehmend in den Fokus. Daten der Universitätsmedizin Halle aus der DigiHero-Erhebung zeigen, dass bei Fällen mit Symptomen über mehr als 12 Wochen SARS-CoV-2 in 17,2 %, Influenza in 3,7 % und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) in 1,3 % der Fälle nachgewiesen wurden; bei 75,5 % blieb der Erreger hingegen unbekannt.

Bei 17 % der Betroffenen klangen die Beschwerden innerhalb eines Jahres ab. Frauen sowie Personen über 50 Jahren waren jeweils doppelt so häufig von postinfektiösen Syndromen (PAIS) betroffen. Insgesamt fühlten sich 87 % der Betroffenen mäßig bis stark belastet, und 58 % suchten ärztliche Hilfe.

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Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS sind in Deutschland etwa 650.000 Menschen von ME/CFS betroffen, verglichen mit rund 250.000 vor der Corona-Pandemie. Bislang existieren weder spezifische Medikamente noch etablierte Standardtherapien; an Spezialanlaufstellen wie der Long-Covid-Ambulanz in Trier beträgt die Wartezeit mindestens ein Jahr.

Nach Angaben der ME/CFS Research Foundation beliefen sich die Kosten durch Arbeitsausfälle und Folgekosten von ME/CFS und Long Covid im Vorjahr auf über 64 Mrd. Euro. Das Bundesforschungsministerium stellt nach eigenen Angaben jährlich 50 Mio. Euro für die Erforschung von ME/CFS und anderen postinfektiösen Erkrankungen bereit.

Stoffwechselrisiken und ungesicherte Methoden

Auch systemische Stoffwechselstörungen beeinflussen das Wohlbefinden. Laut der harmonisierten Definition des metabolischen Syndroms von 2009 müssen drei von fünf Merkmalen erfüllt sein: Triglyzeride (?150 mg/dl), HDL-Cholesterin (<40 mg/dl bei Männern, <50 mg/dl bei Frauen), Blutdruck (?130/85 mmHg), Nüchternglukose (?100 mg/dl) oder ein erhöhter Taillenumfang, für den kein einheitlicher Grenzwert gilt.

In der GEMCAS-Stichprobe aus dem Jahr 2005 mit 35.869 Personen aus 1.511 Praxen lag die Prävalenz bei 19,8 % nach ATP III und bei 32,7 % nach den IDF-Kriterien. Eine Auswertung von 87 prospektiven Studien mit 951.083 Personen ergab ein relatives Risiko von 2,35 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 1,58 für die Gesamtmortalität.

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Zudem stellten Forschende der Sichuan-Universität im Fachblatt Precision Clinical Medicine ein Modell vor, das psychischen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen über sechs Systemmechanismen und fünf Signalwege verknüpft, und plädierten für Screenings in der Kardiologie.

Parallel zu etablierten Forschungsansätzen werben kommerzielle Anbieter wie BioCoherence mit alternativen Erklärungsmodellen. In deren Beiträgen werden subklinische Belastungen durch Erreger wie Pseudomonas aeruginosa, Rickettsien oder Hepatitis B sowie Mängel an Zink, Nickel, Chrom oder ATP für Energiemangel verantwortlich gemacht.

Zur Behebung werden Frequenzanalysen, Sensoranalysen von über 1.500 Biomarkern, 21-tägige Programme und Mikrostromgeräte beworben. Belastbare wissenschaftliche Belege oder Wirksamkeitsstudien für diese Diagnostik- und Therapieangebote fehlen in den Veröffentlichungen jedoch.

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