ME/ CFS in der Ausbildung: Verena Hackl kritisiert fehlendes Wissen
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chronische Erkrankung ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) führt bei vielen Betroffenen zu einem drastischen Verlust an Lebensqualität.
In der Sendung „Wiener Wissen“ ordneten Fabio Krois, die Public-Health-Expertin Verena Hackl von der MedUni Wien sowie die Projektleiterin der Caritas Socialis, Lisa Haderer, die Auswirkungen der Erkrankung und die Lebensrealität von Erkrankten ein. Dabei wurde deutlich, wie wenig die Versorgungssysteme bislang auf die Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingestellt sind.
Extrem begrenzte Belastbarkeit
Hackl beschrieb, dass die Energie und Belastbarkeit vieler Betroffener stark eingeschränkt sei. Selbst einfache Tätigkeiten wie Zuhören könnten für Erkrankte bereits zu anstrengend sein. Diese Beobachtung macht deutlich, wie fundamental sich ME/CFS von gewöhnlicher Erschöpfung unterscheidet – es handelt sich nicht um Müdigkeit im alltäglichen Sinn, sondern um eine tiefgreifende Einschränkung der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit.
Ein persönlicher Einblick
Fabio Krois schilderte die Situation seiner Frau, die nach seinen Angaben unter rund 40 verschiedenen ME/CFS-Symptomen leidet. Nach einer zwischenzeitlichen Erholungsphase sei sie vor vier Jahren erneut erkrankt. An manchen Tagen sei es ihr nicht möglich, überhaupt aufzustehen. Diese Schilderung verdeutlicht den oft unvorhersehbaren Verlauf der Erkrankung, bei dem sich Phasen relativer Stabilität und schwerer Rückfälle abwechseln können.
Schwere Verläufe und ihre Folgen
Laut Hackl gibt es Verläufe, bei denen Betroffene zeitweise nicht sprechen, gehen oder das Haus verlassen können. Besonders problematisch: Bereits Transporte, äußere Reize und alltägliche Verrichtungen können den Gesundheitszustand der Erkrankten verschlechtern. Das bedeutet, dass selbst medizinisch notwendige Maßnahmen – etwa Arztbesuche oder Untersuchungen – für schwer Betroffene mit erheblichen Risiken verbunden sein können, wenn sie nicht behutsam gestaltet werden.
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Lücken in Ausbildung und Versorgung
Ein zentraler Kritikpunkt, den Hackl in der Sendung formulierte, betrifft die mangelnde Vorbereitung des Gesundheitssystems auf ME/CFS. Nach ihren Worten gebe es keine ausreichende Versorgung für Betroffene. Hackl wies zudem darauf hin, dass ME/CFS in ihrer eigenen medizinischen Ausbildung schlicht nicht vorgekommen sei.
Diese Aussage wirft ein Schlaglicht auf eine strukturelle Lücke: Wenn das Krankheitsbild in der Ausbildung von Fachkräften fehlt, fehlt in der Folge auch das Wissen, um Betroffene angemessen zu diagnostizieren und zu betreuen.
Forderung nach konkreter Hilfe
Vor diesem Hintergrund forderte Hackl eine Versorgung für jene Menschen, die bereits jetzt akut auf Hilfe angewiesen sind. Die Dringlichkeit dieser Forderung ergibt sich aus den geschilderten Fällen schwerer Verläufe, bei denen Betroffene auf alltägliche Unterstützung angewiesen sind, diese jedoch im bestehenden System oftmals nicht in ausreichendem Maß finden.
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Die in „Wiener Wissen“ zusammengetragenen Einschätzungen von Public-Health-Forschung, Caritas-Praxis und persönlicher Betroffenenperspektive zeichnen damit das Bild einer Erkrankung, die sowohl medizinisch als auch sozial erhebliche Herausforderungen mit sich bringt – und bei der nach Einschätzung der beteiligten Fachleute strukturelle Verbesserungen in Ausbildung und Versorgung notwendig wären, um Betroffenen gerecht zu werden.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von Kronen Zeitung.
