MECFS, G-BA

ME/ CFS: G-BA lässt nur einen von vier Wirkstoffen für Betroffene zu

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwischenergebnisse aus Essen zeigen Verbesserungen durch ein multimodales Programm; zugleich fordert die Linke Auskunft zur Versorgung von ME/CFS-Betroffenen.

ME/CFS-Versorgung: Linke fragt nach Medikamenten und Therapieangeboten
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit einem leeren Stuhl und einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Versorgung von Menschen mit Langzeitfolgen nach Infektionen steht im Fokus einer parlamentarischen Initiative. Die Linke-Fraktion thematisiert in einer Kleinen Anfrage die Situation von Betroffenen mit Post- beziehungsweise Long-Covid sowie Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS).

In Deutschland leiden Schätzungen zufolge rund 650.000 Menschen an ME/CFS, wobei das Krankheitsbild häufig infolge einer Covid-19-Erkrankung auftritt. Die parlamentarische Initiative greift zentrale Kritikpunkte an aktuellen Regelungen auf und fordert Aufklärung über die künftige Ausgestaltung therapeutischer Angebote.

Kritik an Regelungen des Gemeinsamen Bundesausschusses

Im Zentrum der Debatte stehen die bestehenden Vorgaben zur medikamentösen Versorgung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im Frühjahr 2026 vier Wirkstoffe per Beschluss für den Off-Label-Einsatz bei Post- und Long-Covid freigegeben. Von diesen Präparaten wurde jedoch lediglich ein einziges auch für die Diagnose ME/CFS zugelassen.

Kritiker bemängeln, dass der G-BA ohne nachvollziehbare medizinische Begründung zwischen Post-Covid und ME/CFS unterscheide. Wirkstoffe wie Naltrexon, Pyridostigmin, niedrig dosiertes Aripiprazol (LDA), niedrig dosiertes Naltrexon (LDN) und Dexamfetamin fanden bei den Beschlüssen keine Berücksichtigung. Dagegen wurden Antidepressiva wie Agomelatin und Vortioxetin in die Liste aufgenommen.

Vor diesem Hintergrund erkundigt sich die Linke-Fraktion nach einer möglichen Ausweitung der Liste, Maßnahmen gegen Stigmatisierung und der Beteiligung von Patientenorganisationen wie dem Bundesverband Fatigatio e.V. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und das Charité Fatigue Centrum stellen bereits umfangreichere Empfehlungslisten für Therapieoptionen bereit.

Ein Blick ins Nachbarland zeigt zudem andere regulatorische Ansätze: In Österreich werden 22 Arzneimittel für Post- und Long-Covid empfohlen und erstattet.

Neue Erkenntnisse aus Forschung und Modellprojekten

Die Schätzungen zur Krankheitslast in Deutschland variieren je nach Erhebung. Nach Angaben des Universitätsklinikums Essen leiden geschätzt 650.000 bis 1,5 Millionen Menschen unter Post-Covid-Symptomen, wobei etwa jede zehnte Person nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 entsprechende Beschwerden entwickelt.

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Eine kontrolliert-randomisierte Untersuchung der Universitätsklinik Essen, die NaShPoCo-Studie, untersuchte die Wirkung eines zehnwöchigen multimodalen Programms mit naturheilkundlichen Selbsthilfestrategien.

Die Forschungsleitung um Dr. Heidemarie Haller berichtete am 6. Oktober 2026 über Zwischenergebnisse: Bei Patienten mit moderaten bis sehr starken Symptomen verringerte das strukturierte Konzept die Symptomlast, steigerte die Lebensqualität und senkte Werte für Ängstlichkeit, depressive Verstimmungen sowie Fatigue.

Das Programm umfasst Hydrotherapie, pflanzliche Arzneimittel, mediterrane Vollwertkost, Pacing, Mind-Body-Verfahren, Aromatherapie, Ohrakupunktur und Yoga. Die Evangelischen Kliniken Essen-Mitte übernahmen das Angebot in die tagesklinische und stationäre Versorgung, wo die Kosten von allen Kassen getragen werden, während im ambulanten Rahmen ausschließlich private Kassen die Kosten übernehmen.

Parallel dazu verdeutlichte eine am 6. Oktober 2026 vorgestellte Analyse der Universitätsmedizin Halle die Dimension postakuter Infektionssyndrome (PAIS) im Rahmen der DigiHero-Studie. Bei einer Befragung von 47.000 Teilnehmenden gaben 48 Prozent eine vorausgegangene Atemwegsinfektion an.

Von diesen litten 19 Prozent nach zwölf Wochen noch unter Beschwerden. Studienautor Jonas Frost bezifferte das Risiko für lang anhaltende Symptome auf 16 Prozent, wobei sich die Beschwerdebilder nach Infektionen mit Corona oder Influenza stark ähnelten. Da spezifische Therapien fehlen, erfolgt die Behandlung weiterhin überwiegend symptomorientiert.

Rahmenbedingungen in der pflegerischen Versorgung

Neben medikamentösen Ansätzen betrifft die Diskussion auch sozialrechtliche Fragen. Am 30. September 2026 nahm der Verband Fatigatio e.V. zum Pflegeneuordnungsgesetz Stellung.

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Während der Verband das Ziel unterstützt, Selbstständigkeit zu erhalten, sieht der stellvertretende Vorsitzende Rüdiger Stumpp Nachsteuerungsbedarf bei Aktivierungs- und Reha-Maßnahmen. Diese müssten individuell zumutbar und spezifisch auf ME/CFS ausgerichtet sein, da punktuelle Begutachtungen die tatsächliche Alltagsbelastung Betroffener oft unzureichend abbilden.

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