ME/ CFS: Fallzahlen vervierfacht, 650.000 Deutsche betroffen
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Menschen, die wegen des Chronischen Erschöpfungssyndroms (ME/CFS) medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.
Wie aus Daten der nordrhein-westfälischen Landesregierung hervorgeht, die auf eine Anfrage der FDP-Fraktion zurückgehen, wurden im Jahr 2025 fast 61.600 Personen in Nordrhein-Westfalen ambulant wegen dieser Erkrankung behandelt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 lag die Zahl der registrierten Betroffenen in diesem Bundesland noch bei etwa 15.700.
Die vorliegenden Statistiken weisen jedoch methodische Besonderheiten auf. Die Landesregierung gab zu bedenken, dass die Gesamtzahl von fast 61.600 Fällen möglicherweise Mehrfacherfassungen enthalten könne. Dennoch verdeutlicht der Vergleich über den Zehnjahreszeitraum eine Vervielfachung der Diagnosezahlen.
Bundesweite Entwicklung und Einfluss der Pandemie
Der Trend in Nordrhein-Westfalen spiegelt eine bundesweite Entwicklung wider. Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS bezifferten die Zahl der Betroffenen in Deutschland für das Jahr 2025 auf rund 650.000. Vor Beginn der Corona-Pandemie lag dieser Wert nach Angaben der Organisation noch bei etwa 300.000.
Experten sehen in den Folgen von Corona-Infektionen einen wesentlichen Treiber für diesen Anstieg. ME/CFS wird häufig durch virale Infekte ausgelöst, wobei die Myalgische Enzephalomyelitis als schwere Form postviraler Erkrankungen gilt. Die Zunahme der Fälle seit dem Jahr 2020 deutet darauf hin, dass die Langzeitfolgen der Pandemie das Gesundheitssystem im Bereich der chronischen Erschöpfungssyndrome vor neue Herausforderungen stellen.
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Schwere der Erkrankung und soziale Folgen
Die Auswirkungen der Erkrankung auf das Leben der Betroffenen sind gravierend. Daten aus dem Jahr 2025 belegen, dass über 60 % der Erkrankten nicht mehr in der Lage sind, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die soziale Isolation ist ebenfalls hoch: Ein Viertel der Patienten ist so schwer betroffen, dass sie das eigene Haus nicht mehr verlassen können.
Beispielhaft für diese Entwicklung steht das Schicksal einer 30-jährigen Betroffenen, die seit dem Jahr 2025 erkrankt ist und ihren Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Schwere der Symptome führt oft zu einer vollständigen Veränderung der Lebensplanung und einer hohen Abhängigkeit von pflegerischer Unterstützung.
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Defizite in der medizinischen Versorgung
Trotz der steigenden Patientenzahlen wird die Versorgungslage kritisch bewertet. Ein Mediziner bezeichnete die aktuelle Situation in Nordrhein-Westfalen als mittelgradig katastrophal. Es mangele an spezialisierten Anlaufstellen und einer flächendeckenden Expertise für das komplexe Krankheitsbild.
Die Verzweiflung einiger Betroffener schlägt sich auch in anderen Statistiken nieder. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) bezogen sich im Jahr 2025 insgesamt 18 von 1500 Anträgen auf Sterbehilfe auf eine ME/CFS-Erkrankung. Dies unterstreicht die psychische und physische Belastung, der die Patienten ohne Aussicht auf wirksame Heilmethoden ausgesetzt sind.
Das Krankheitsbild bleibt für die medizinische Forschung und das soziale Sicherungssystem eine komplexe Aufgabe, die durch die steigenden Fallzahlen zunehmend an politischer Dringlichkeit gewinnt.
