MECFS, Erkrankung

ME/ CFS: 650.000 Deutsche leiden an Erkrankung ohne Therapie

18.06.2026 - 03:02:20 | boerse-global.de

Hunderttausende ME/CFS-Betroffene in Deutschland ohne wirksame Therapie. Private Anbieter nutzen die Notlage, während das Gesundheitssystem unter Druck gerät.

ME/CFS in Deutschland: Versorgungslücke und fragwürdige Angebote
MECFS - Eine Hand greift nach unscharfen Symbolen alternativer Therapien, die Unsicherheit und Hoffnung bei chronischem Erschöpfungssyndrom darstellen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 650.000 Menschen in Deutschland leiden an ME/CFS. Weltweit sind es Schätzungen zufolge 400 Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkennt das chronische Erschöpfungssyndrom als neurologische Erkrankung an – doch wissenschaftlich fundierte, breit verfügbare Therapieansätze fehlen.

Geschäft mit der Verzweiflung

Diese Lücke öffnet einem fragwürdigen Markt Tür und Tor. Betroffene greifen in ihrer Not vermehrt zu privaten, oft sehr teuren Behandlungen. Deren Wirksamkeit ist meist nicht belegt. Journalistische Recherchen von MDR Investigativ sprechen von einem „Geschäft mit der Verzweiflung“.

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Die Krankheit hinterlässt tiefe Spuren – körperlich wie sozial. Die Autorin Ivna Žic gewann im Juni 2026 den „Wortmeldungen Ulrike Crespo“-Literaturpreis für ihren Essay über das Leben mit ME/CFS. Ihr Werk macht die soziale Unsichtbarkeit der Betroffenen sichtbar. Trotz der hohen Fallzahlen hinkt die medizinische Infrastruktur dem Bedarf hinterher.

Kinder und Jugendliche besonders hart getroffen

Am schlimmsten trifft es die Jüngsten. Kinder und Jugendliche mit ME/CFS kämpfen mit massiven Hürden im Bildungs- und Sozialsystem. Der Verein UN:LOCKJU berichtet: Ein regelmäßiger Schulbesuch ist für viele kaum möglich. Symptome wie Belastungsintoleranz (PEM) und Konzentrationsstörungen machen den Alltag zur Qual.

Hinzu kommt: ME/CFS wird oft nicht für den Bezug von Pflegegeld anerkannt. Das belastet Familien zusätzlich finanziell.

Auch die spezialisierte Pflege ist überlastet. Das Wiener Projekt „Nordlicht“ der Caritas Socialis bietet Betroffenen spezialisierte Betreuung – war im Juni 2026 aber vollständig ausgebucht. Private Spendenaktionen sollen den Ausbau solcher Angebote finanzieren.

System unter Druck

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Die Misere der ME/CFS-Versorgung ist kein Einzelfall. Sie spiegelt die angespannte Lage des gesamten Gesundheitssystems wider. Versicherte geraten zunehmend unter Druck: Das Krankengeld ist 2026 auf maximal 135,63 Euro pro Tag gedeckelt. Gleichzeitig drohen Kürzungen in der Psychotherapie. Hunderttausende Sitzungen pro Woche könnten wegfallen – auch für chronisch Kranke, die auf begleitende Unterstützung angewiesen sind.

Auf europäischer Ebene tobt der Streit um das Biotech-Gesetz. EU-Gesundheitsminister diskutierten Mitte Juni über die Dauer des Marktschutzes für innovative Therapien. Einige Staaten drängen auf schnelle Zulassungen, andere warnen vor einer Abwanderung der Industrie.

In Deutschland wächst die Kritik an der GKV-Stabilisierungsgesetzgebung. Fachleute bemängeln: Pharmakonzerne werden geschont, während bei Patientenleistungen gespart wird. So sind für die kommenden Jahre Einsparungen in Millionenhöhe geplant – etwa bei der Erstattung von Cannabisblüten.

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