ME/ CFS: 650.000 Deutsche betroffen, Diagnose bleibt schwierig
03.07.2026 - 10:04:18 | boerse-global.de
Aktualisierte Leitlinien, steigende Fallzahlen bei ME/CFS und politische Debatten um die Krankschreibung prägen den Sommer 2026.
Neue Standards bei Bruxismus und Cluster-Kopfschmerz
Die S3-Leitlinie zu Bruxismus liegt in der Version 2.1 vor. Die unter Federführung der DGFDT und DGZMK erstellte Richtlinie enthält erstmals Kapitel zu Komorbiditäten und speziellen Ansätzen für Kinder. Die Empfehlungen für Patientenaufklärung und Physiotherapie wurden angehoben. Auch Selbsthilfemaßnahmen wie Entspannungsübungen und progressive Muskelentspannung rücken stärker in den Fokus.
Parallel dazu präzisieren Experten die Behandlungsstandards bei Cluster-Kopfschmerzen. Die extrem starken, einseitigen Attacken erfordern eine differenzierte Akut- und Prophylaxetherapie. Mittel der ersten Wahl bleibt Verapamil. Im Akutfall empfehlen Fachleute die Inhalation von 100-prozentigem Sauerstoff sowie Triptane. CGRP-Antikörper haben für dieses Krankheitsbild derzeit keine Zulassung.
ME/CFS: Hunderttausende betroffen, Diagnose bleibt schwierig
Rund 650.000 Menschen in Deutschland leiden an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS). Die Coronapandemie hat die Fallzahlen steigen lassen und das Bewusstsein geschärft. PD Dr. Karin Storm van’s Gravesande von der Uniklinik Freiburg erklärte im Juli: Die Diagnose bleibt mangels Biomarkern eine Ausschlussdiagnose, die interdisziplinäre Teams stellen müssen.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Ihre Zahl wird auf 40.000 bis 90.000 geschätzt. Ein Fall aus dem Rhein-Pfalz-Kreis zeigt die Dramatik: Ein 15-Jähriger wurde nach einer Infektion bettlägerig und erhielt Pflegegrad 3.
Auch beim Kinderrheuma zählt jede Woche. Von den rund 25.000 betroffenen Kindern in Deutschland leiden etwa 15.000 an einer Juvenilen Idiopathischen Arthritis (JIA). Die Diagnose ist oft schwierig, weshalb Ärzte die Überweisung an spezialisierte Zentren empfehlen.
Die Diagnose ME/CFS bleibt mangels Biomarkern schwierig – doch mit der richtigen Vorbereitung können Sie den Weg verkürzen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie Symptome dokumentieren, ein spezialisiertes Zentrum finden und Online-Recherchen stressfrei gestalten. Jetzt ME/CFS-Leitfaden anfordern
Brustschmerzen: Herzinfarkt oder Neuralgie?
Schmerzen im Brustkorb erfordern eine präzise Abgrenzung. Die Interkostalneuralgie äußert sich oft gürtelförmig und wird durch Husten oder Niesen verstärkt. Sie wird häufig mit einem Herzinfarkt verwechselt. Zur Sicherung der Behandlungsqualität wurde die Chest Pain Unit am Karolinen-Hospital Hüsten im Juli erneut von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert.
Patienten googeln – und bekommen Angst
Wie informieren sich die Deutschen über Gesundheitssymptome? Eine Civey-Umfrage im Auftrag der Debeka mit über 7.500 Teilnehmern liefert klare Zahlen: 27,3 Prozent suchen mindestens einmal pro Monat online nach Symptomen. Rund ein Viertel stößt dabei häufig auf irreführende Informationen. Die Folge: Bei 25,8 Prozent löst die Recherche Angst oder Stress aus. Immerhin 15,7 Prozent vereinbarten aufgrund der Online-Ergebnisse einen Arzttermin.
Streit um die Krankschreibung: Droht das Chaos in den Praxen?
Rund 650.000 Deutsche sind betroffen, die Dunkelziffer ist hoch. Wer nach Symptomen googelt, stößt oft auf irreführende Informationen – das löst bei jedem Vierten Angst aus. Unser Leitfaden hilft Ihnen, seriöse Quellen zu nutzen und den Überblick zu behalten. Kostenlosen Leitfaden jetzt sichern
Eine gesundheitspolitische Debatte belastet die Primärversorgung zusätzlich. Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und die mögliche Abschaffung der telefonischen Krankschreibung stoßen auf harte Kritik. DAK-Chef Andreas Storm warnte Anfang Juli vor überfüllten Praxen.
Der Anteil telefonischer Krankschreibungen liegt derzeit bei lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent. Ärztevertreter wie der Virchowbund befürchten dennoch Millionen unnötiger Praxisbesuche. Das würde die Terminknappheit für chronisch kranke Patienten weiter verschärfen. Als Alternative werden derzeit Modelle für Teilkrankschreibungen diskutiert.
