MECFS, Betroffene

ME/ CFS: 650.000 Betroffene kämpfen um Anerkennung als Systemerkrankung

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Am Uniklinikum Essen entzündet sich die ME/CFS-Debatte: Neurologie-Chef sieht Psychosomatik, Betroffene fordern Anerkennung als organische Erkrankung.

ME/CFS-Streit in Essen: Psychosomatik vs. Systemerkrankung
Ein leerer ergonomischer Stuhl in einem hellen, ruhigen medizinischen Umfeld als Symbol für körperliche Einschränkungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die medizinische Versorgung und wissenschaftliche Einordnung der Myalgischen Enzephalomyelitis/des Chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS) bleiben in Deutschland ein spannungsreiches Feld. Das Krankheitsbild, das oft mit massiven körperlichen Einschränkungen und einer ausgeprägten Belastungsintoleranz einhergeht, betrifft nach aktuellen Schätzungen bundesweit rund 650.000 Menschen. Allein in Nordrhein-Westfalen wird die Zahl der Erkrankten auf über 60.000 Personen beziffert. Trotz dieser hohen Fallzahlen herrscht in der klinischen Praxis Uneinigkeit über die Ursachen und die angemessene Behandlung der Betroffenen.

Fachliche Differenzen am Universitätsklinikum Essen

Ein zentraler Konfliktpunkt in der Debatte um ME/CFS zeigt sich am Beispiel der Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Professor Christoph Kleinschnitz, Direktor der dortigen Klinik für Neurologie, vertrat die Position, dass es sich bei ME/CFS um eine psychosomatische Erkrankung handle. Diese Einschätzung stößt bei Patientenverbänden und Angehörigen auf deutliche Kritik.

Aus Sicht der Angehörigen greift eine rein psychosomatische Einordnung zu kurz und werde der Schwere der körperlichen Symptomatik nicht gerecht. Die Kritiker fordern stattdessen eine stärkere Berücksichtigung organischer Ursachen und eine Abkehr von Behandlungsansätzen, die primär auf psychologische Faktoren fokussieren. Dieser Dissens verdeutlicht die generelle Problematik in der medizinischen Versorgung: Viele Betroffene berichten von Schwierigkeiten, eine angemessene Diagnose und Anerkennung ihrer physischen Einschränkungen zu erhalten.

Symbolik des Stillstands und demografische Auswirkungen

Die Schwere der Erkrankung wird in der Öffentlichkeit oft unterschätzt, da viele Patienten aufgrund ihrer Symptomatik kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Um auf diesen „unsichtbaren“ Zustand aufmerksam zu machen, fand am 7. August 2026 eine Mahnwache vor dem Uniklinikum Essen statt. Rund 30 Teilnehmende nutzten dabei eine Puppe auf einer Krankenliege als Symbol für die vollständige Bettlägerigkeit, die ME/CFS in schweren Verläufen verursachen kann.

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Statistiken zur Demografie der Erkrankten zeigen, dass ME/CFS kein Leiden des hohen Alters ist. Das Krankheitsbild manifestiert sich vorwiegend bei Personen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Da diese Altersgruppe den Kern der erwerbstätigen Bevölkerung darstellt, ergeben sich aus der chronischen Erkrankung nicht nur individuelle Schicksale, sondern auch erhebliche sozioökonomische Konsequenzen durch den langjährigen Ausfall von Arbeitskräften.

Forderungen nach Sensibilisierung und Forschungsmitteln

Angesichts der unklaren Versorgungslage fordern Angehörige und Interessenvertreter eine umfassende Strategie zur Verbesserung der Situation. Im Zentrum stehen dabei drei Kernforderungen:

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  • Aufklärung und Sensibilisierung: Medizinisches Fachpersonal solle besser über die Komplexität von ME/CFS geschult werden, um Fehldiagnosen zu vermeiden.
  • Forschungsintensivierung: Es bestehe ein dringender Bedarf an klinischer Forschung, um die biologischen Mechanismen der Erkrankung zu entschlüsseln und kausale Therapieansätze zu entwickeln.
  • Strukturelle Unterstützung: Für die hohe Zahl der Betroffenen in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen müssten spezialisierte Anlaufstellen geschaffen werden, die eine interdisziplinäre Betreuung ermöglichen.

Die Diskussionen um die Einordnung am Universitätsklinikum Essen stehen exemplarisch für einen bundesweiten Diskurs. Während Teile der Medizin weiterhin psychosomatische Erklärungsmodelle bevorzugen, drängen Patienten und Forscher auf eine Anerkennung als komplexe Systemerkrankung, um den Weg für neue Behandlungsformen zu ebnen.

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