MDS, Knochenverlust

MDS und Knochenverlust: BoHemE-Studie findet geringere Knochendichte

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Dresdner Forschende fanden bei MDS-Patienten geringere Knochendichte und einen Zusammenhang zwischen Osteoporose und schlechterem Gesamtüberleben.
Nahaufnahme einer schwammartigen Knochenstruktur unter Laborlicht zur Veranschaulichung der Knochengesundheit. Illustration mit AI erstellt.

Die Wechselwirkungen zwischen der Hämatopoese im Knochenmark und der Stabilität des Skeletts rücken zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung. Im Fachjournal Leukemia wurden die Resultate der prospektiven BoHemE-Studie des Universitätsklinikums Dresden veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten über einen Zeitraum von drei Jahren 111 Patienten mit Myelodysplastischen Syndromen (MDS) sowie 84 gleichaltrige Kontrollpersonen. Finanziert wird das Vorhaben über drei Jahre mit 1,8 Millionen Euro im Rahmen des Projekts CHOICE durch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Signifikanter Knochenverlust und genetische Marker bei MDS

Nach Angaben des Universitätsklinikums Dresden liegt die Inzidenz von MDS in Deutschland bei etwa 4 bis 5 Fällen pro 100.000 Personen in der Gesamtbevölkerung, steigt jedoch bei den über 70-Jährigen auf über 30 pro 100.000 an.

Die BoHemE-Erhebung zeigte, dass MDS-Patienten bereits zu Studienbeginn eine verringerte Knochendichte aufwiesen und im weiteren Verlauf zusätzlich Knochenmasse verloren. War bereits zu Beginn eine Osteoporose vorhanden, ging dies mit einem schlechteren Gesamtüberleben einher.

Zudem identifizierten die Forscher molekulare Zusammenhänge: Eine Mutation im Gen DNMT3A in den blutbildenden Zellen stand in Verbindung mit einer geringeren Knochendichte. Niedrige Kalziumwerte traten darüber hinaus gehäuft bei verminderter Knochendichte oder manifester Osteoporose auf.

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Dreifachregulation und die Bedeutung des Mikromilieus

Ergänzende physiologische Mechanismen zwischen Gefäßsystem und Knochenstruktur beschreiben Forscher der Universitätsklinik Xiangya II der Zentral-Süd-Universität und der Johns Hopkins University nach vierjähriger gemeinsamer Arbeit. Sie postulieren ein Modell der Dreifachregulation aus Angiogenese, Osteoblasten und Osteoklasten, welches das bisherige duale Modell ablöst.

Demnach koppelt der von Vorläuferzellen der Osteoklasten freigesetzte Wachstumsfaktor PDGF die Gefäßneubildung an den Knochenaufbau. Da die Angiogenese die Basis des Knochenstoffwechsels bilde, führten Gefäßerkrankungen zu Störungen der Knochenzellen.

Bei den über 60-Jährigen liege die Osteoporose-Inzidenz laut dieser Untersuchung bei 30 Prozent. Die Mechanismen bieten neue Angriffspunkte für Therapien bei Osteoporose, Osteosklerose, Osteophyten und Knochentumoren.

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Auch das Endosteum, eine feine Zellschicht an den inneren Knochenflächen, erfüllt zentrale Aufgaben beim Knochenumbau und stützt die Blutbildung im endostalen Mikromilieu. Fehlfunktionen dieser Grenzschicht werden mit Erkrankungen wie Osteoporose, Osteopetrose, aplastischer Anämie und Leukämie in Zusammenhang gebracht.

Wissenschaftliche Bewertung von Therapien und Prävention

Vor fragwürdigen Methoden zur Anregung der Knochenmarkaktivität warnt der Osteopath Dmitri Simkin von der Klinik Dr. Simkin. Die Annahme, eine mechanische Massage des Periosts könne die Hämatopoese, das Immunsystem oder Verjüngungsprozesse stimulieren, entbehre einer wissenschaftlichen Grundlage.

Das Knochenmark befinde sich im Knocheninneren, während das Periost außen liege. Die einzige vorliegende Studie zu Periost-Einwirkungen habe sich auf chirurgische Eingriffe bezogen und keinen positiven Einfluss auf die Markdurchblutung gezeigt. Starke Belastungen könnten vielmehr Hämatome, Entzündungen und Gewebeschäden hervorrufen.

Bei der klassischen Nährstoffversorgung greifen Standardmaßnahmen ebenfalls oft zu kurz. Vitamin D und Calcium entfalten ihre Wirkung auf das Skelett nur im Zusammenspiel. Kombinationspräparate enthalten häufig 600 bis 800 mg Calcium, jedoch lediglich 400 I.E. Vitamin D. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt hingegen als Tagesbedarf 800 I.E. Vitamin D und 1000 mg Calcium.

Prof. Dr. Ralf Oheim vom UKE Hamburg verweist zudem auf eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit über 40.000 Probandinnen: Eine kombinierte Einnahme habe bei Frauen nach der Menopause weder die Knochendichte wesentlich verbessert noch das Risiko für Frakturen verringert.

Da der menschliche Körper ab dem 30. Lebensjahr jährlich 0,5 bis 1 Prozent seiner Knochensubstanz verliere, rät Oheim zu einer Proteinzufuhr von täglich mindestens 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

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de | wissenschaft | 70414937 |