MDS und Knochendichte: BoHemE-Studie findet Zusammenhang mit Überleben
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMyelodysplastische Syndrome (MDS) betreffen vor allem ältere Menschen und stellen die Hämatologie vor komplexe Herausforderungen. Eine am 9. Oktober 2026 im Fachjournal Leukemia veröffentlichte dreijährige Beobachtungsstudie des BoHemE-Studienteams liefert neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Knochendichte und Krankheitsverlauf bei MDS.
Die unter der Leitung von Prof. Lorenz Hofbauer und Prof. Uwe Platzbecker (Dresden/Leipzig) durchgeführte Untersuchung verdeutlicht, dass Veränderungen des Skelettsystems eng mit der bösartigen Knochenmarkserkrankung verknüpft sind.
Beschleunigter Knochenabbau und genetische Faktoren
Für die BoHemE-Studie untersuchten die Wissenschaftler 111 MDS-Patienten im Vergleich zu 84 altersgleichen Kontrollpersonen. Bei den Betroffenen zeigte sich bereits zu Studienbeginn eine signifikant niedrigere Knochendichte als in der Kontrollgruppe.
Im Verlauf der dreijährigen Beobachtungszeit verloren die MDS-Patienten zudem kontinuierlich weiter an Knochenmasse. Eine bestehende Osteoporose zu Studienbeginn ging im Beobachtungszeitraum mit einem schlechteren Gesamtüberleben einher, wenngleich ein direkter Kausalzusammenhang nicht nachgewiesen wurde.
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Prof. Lorenz Hofbauer vom Universitätsklinikum Dresden erklärte, dass der Knochenalterungsprozess bei MDS beschleunigt scheine. Auf molekularer Ebene stellten die Forschenden fest, dass eine Mutation im DNMT3A-Gen in den blutbildenden Zellen mit einer verringerten Knochendichte assoziiert war.
Zudem traten niedrige Kalziumwerte bei Patienten mit diagnostizierter Osteoporose häufiger auf. Das Forschungsprojekt war bereits 2016 initiiert worden und erhielt eine Förderung von 1,8 Mio. EUR über drei Jahre durch das CHOICE-Projekt (DKTK/DKFZ Heidelberg; DOI: 10.1038/s41375-026-03125-8).
Relevanz für die Altersmedizin und therapeutische Standards
Die klinische Bedeutung dieser Beobachtungen unterstreichen die epidemiologischen Daten: Während die MDS-Inzidenz in Deutschland in der Allgemeinbevölkerung bei ca. 4–5 Fällen pro 100.000 liegt, klettert sie bei Menschen über 70 Jahren auf über 30 Fälle pro 100.000.
Die Erforschung des Krankheitsumfelds gewinnt parallel zu verfeinerten Behandlungsleitlinien an Gewicht. Eine online publizierte Leitlinie der französischen Fachgesellschaft GFM fasst das diagnostische Vorgehen bei MDS, chronischen myelomonozytären Leukämien (CMML) sowie dem VEXAS-Syndrom zusammen: Die Diagnosestellung stützt sich demnach auf Blutbild, Knochenmarkmorphologie, Zytogenetik und gezielte Genpanels.
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Bei klonalen Vorstufen wie CHIP und CCUS liegt das Progressionsrisiko zu einem MDS bei bis zu 10–30 % über zehn Jahre, wobei Prognosen über Scores wie IPSS-R und das mutationsbasierte IPSS-M bestimmt werden.
Zur Behandlung von Niedrigrisiko-MDS nennt die Leitlinie unter anderem Erythropoese-stimulierende Agenzien, Luspatercept sowie das in Kürze verfügbare Imetelstat gegen Anämie. Hochrisiko-Patienten erhalten Azacitidin, teils in Kombination mit Venetoclax, während allogene Stammzelltransplantationen kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Für das VEXAS-Syndrom werden Kortikosteroide, antiinflammatorische Biotherapien und Azacitidin aufgeführt. Wie wichtig molekulare Risikofaktoren bleiben, unterstreicht zudem eine Studie der Universität First Affiliated, nach der biallelische TP53-Alterationen bei Hochrisiko-MDS mit schweren Infektionen einhergehen.
