MCI-Screening: Nur 29 Prozent der rumänischen Hausärzte testen regelmäßig
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 04:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie frühzeitige Identifizierung von leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) gilt im Gesundheitswesen als entscheidende Phase, um dem Fortschreiten von Demenzerkrankungen entgegenzuwirken. Eine in der Fachzeitschrift Frontiers in Public Health veröffentlichte Erhebung unter 547 rumänischen Hausärzten zeigt jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen der prinzipiellen Bereitschaft zur Vorsorge und der praktischen Umsetzung im Praxisalltag.
Hohe Bereitschaft trifft auf geringe Testpraxis
Laut der Befragung, die im Zeitraum von Juni 2025 bis Januar 2026 durchgeführt wurde, befürworten 97,9 Prozent der teilnehmenden Hausärzte eine aktive Beteiligung an der Erkennung von MCI.
Dennoch gaben lediglich 29,0 Prozent an, regelmäßig standardisierte Screening-Instrumente in ihrer Praxis einzusetzen. Bei den Befragten handelte es sich zu 82,8 Prozent um Frauen, 70,4 Prozent waren über 50 Jahre alt.
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Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zur epidemiologischen Lage: Für Rumänien wird die MCI-Prävalenz bei Personen ab 65 Jahren auf 28,5 Prozent geschätzt, was einen europäischen Spitzenwert darstellt. Während die Einstellung der Mediziner gegenüber dem Thema mit einem Score von 73,26 Punkten positiv ausfiel (der neutrale Vergleichswert liegt bei 60), offenbarten sich bei der fachlichen Kompetenz deutliche Defizite.
Wissensdefizite und Mangel an spezifischen Schulungen
Der mittlere Wissensscore der befragten Ärzte erreichte lediglich 33,20 von 100 möglichen Punkten bei einer Standardabweichung von 16,37. Die Detailergebnisse verdeutlichen die Wissenslücken:
- Nur 6,5 Prozent der Befragten kannten die etablierten Petersen-Diagnosekriterien.
- Das gängigste Screening-Instrument war lediglich 10,8 Prozent der Ärzte vertraut.
- Über die modifizierbaren Risikofaktoren wussten nur 20,7 Prozent Bescheid.
- Lediglich 10,8 Prozent der Befragten hatten jemals eine spezifische Schulung zu leichten kognitiven Beeinträchtigungen erhalten.
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Systemische Hürden und globale Dimensionen
Die beobachteten Schwierigkeiten beschränken sich nicht auf einzelne Regionen. Eine Auswertung von 23 Publikationen aus den Jahren 1990 bis 2025 über sechs Datenbanken hinweg verdeutlicht, dass personzentrierte Demenzansätze vor allem in der klinischen Bewertung (73,9 Prozent der Studien) und bei der Diagnosemitteilung (60,9 Prozent) stattfinden.
Bei der Früherkennung und dem Screening liegt der Anteil hingegen nur bei 43,5 Prozent, bei der nachgelagerten Unterstützung nach einer Diagnose bei 34,8 Prozent. Als wesentliche Hürden identifiziert die Übersichtsarbeit Stigmatisierung auf persönlicher Ebene, Zeitdruck auf Seiten der Ärzte sowie fragmentierte Diagnosepfade im Gesundheitssystem.
Zugleich wächst der weltweite Handlungsdruck. Angaben der Weltgesundheitsorganisation zufolge leben global 57 Millionen Menschen mit einer Demenz; bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf 139 Millionen prognostiziert. Eine im Fachjournal GeroScience veröffentlichte Meta-Analyse von 29 Studien hebt hervor, dass rund 45 Prozent der Demenzfälle mit modifizierbaren Risikofaktoren assoziiert sind.
Fachleute weisen darauf hin, dass eine zeitige Abklärung nicht nur behandelbare Ursachen kognitiver Defizite aufdecken kann, sondern auch vor dem Hintergrund neuer therapeutischer Optionen an Bedeutung gewinnt. Für die Primärversorgung bleibt die strukturierte Schulung des Personals daher die zentrale Voraussetzung, um bestehende Wissenslücken zu schließen und Routine-Screenings flächendeckend zu verankern.
