McDonald’s > NEXT: Protein-Snacks sollen GLP-1-Nutzer gezielt ansprechen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die klassischen Strukturen täglicher Mahlzeiten befinden sich in einem tiefgreifenden Auflösungsprozess. Aktuellen Analysen der Trendforscherin Karin Tischer vom Institut food & more zufolge hat sich das Snacking zu einem weltweiten Megatrend entwickelt.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Präparaten zur Gewichtsreduktion. Während in den USA bereits 12 % der Bevölkerung diese Medikamente nutzen, liegt der Anteil in Deutschland derzeit bei schätzungsweise 2 bis 3 %, verzeichnet jedoch eine steigende Tendenz.
Transformation der Systemgastronomie und Liefergewohnheiten
Der Trend zum schnellen Verzehr spiegelt sich deutlich in den Marktdaten der Lieferdienste wider. Entgegen der verbreiteten Annahme führen nicht Burger oder Pizza die Statistiken an; Pommes frites belegen Platz 1 im Bereich Delivery, gefolgt von Burgern und Pizza auf dem dritten Rang. Parallel dazu gewinnen sogenannte One-Hand-Snacks an Bedeutung, die den beiläufigen Konsum während der Smartphone-Nutzung ermöglichen.
In der Systemgastronomie reagiert Marktführer McDonald’s Deutschland auf diese Verschiebungen. Das Unternehmen, das bundesweit knapp 1.400 Restaurants betreibt und täglich fast 1,9 Millionen Gäste bedient, forciert den Ausbau seiner Geflügel-Sparte.
Unter dem Titel „McDonald’s > NEXT“ prüft der Konzern zudem die Einführung proteinbetonter Gerichte wie Bowls, Wraps oder Ei-Snacks, um gezielt die Zielgruppe der GLP-1-Nutzer anzusprechen. Eine Analyse von PwC zeigt hierbei eine klare wirtschaftliche Relevanz: Haushalte mit Nutzern dieser Präparate reduzierten ihre Ausgaben in Schnellrestaurants nach sechs bis acht Monaten um knapp 9 %.
Etwa ein Drittel dieser Konsumenten wünsche sich zudem kleinere oder preisgünstigere Portionen. Um diesen Marktanforderungen gerecht zu werden, plant der Konzern bis zum Jahr 2036 Investitionen in Höhe von insgesamt rund 8,5 Milliarden US-Dollar für Modernisierungen und technologische Anpassungen.
Markteintritte und Preisdynamik im Einzelhandel
Auch der Lebensmitteleinzelhandel passt sein Sortiment den veränderten Bedürfnissen an. Die Schwartauer Werke führen seit Ende September 2026 die britische Marke Deliciously Ella auf dem deutschen Markt ein.
Snacking verdrängt die klassische Mahlzeit — und GLP-1-Nutzer beschleunigen diese Verschiebung: In den USA greifen bereits 12 % der Bevölkerung zu Abnehmpräparaten, in Deutschland sind es 2 bis 3 % mit steigender Tendenz. Wer sein Snack-Portfolio jetzt auf proteinbetonte, kleinere und preisgünstigere Formate ausrichtet, sichert sich den Zugang zu einer wachsenden Käufergruppe — bevor die Konkurrenz die Regalflächen besetzt. Jetzt kostenlosen Trend-Report GLP-1 und Food-Markt anfordern
Das Sortiment umfasst vegane Haferriegel sowie Frucht- und Nussriegel zum Preis von 1,69 Euro sowie mit Nussbutter gefüllte Haferkissen für 1,89 Euro. Der Vertrieb erfolgt zunächst über Online-Plattformen wie knuspr und Amazon, bevor ab Januar 2027 eine Ausweitung auf den stationären Handel, unter anderem bei Rossmann, vorgesehen ist.
Gleichzeitig verschärft sich der Preiswettbewerb im Snack-Segment. Die Discounter ALDI Nord und ALDI SÜD haben die Preise für zahlreiche Gebäckartikel ihrer Eigenmarken dauerhaft gesenkt. So fielen beispielsweise die Preise für Schoko-Waffeln von 2,59 Euro auf 2,29 Euro und für Jaffa Cakes von 1,99 Euro auf 1,79 Euro.
Diskrepanz zwischen Gesundheitsbewusstsein und Konsumrealität
Trotz des Snacking-Trends bleibt der Wunsch nach einer gesunden Lebensweise in der Bevölkerung hoch. Der GFS-Ernährungsmonitor, der im Frühjahr 2026 erhoben wurde, zeigt, dass 89 % der Befragten gesunder Ernährung und Bewegung eine große Bedeutung beimessen. Gleichzeitig fordern über 90 % der Teilnehmer von den Herstellern den Verzicht auf versteckte Zuckerzusätze. Eine staatliche Sonderabgabe auf ungesunde Lebensmittel lehnen jedoch 68 % ab.
Der Preiswettbewerb im Snack-Segment verschärft sich: Discounter senken Gebäckpreise dauerhaft, während Premium-Marken mit veganen Riegeln und Protein-Versprechen neu in den deutschen Markt drängen. Wer jetzt keine klare Pricing- und Portfoliostrategie hat, verliert Marge an beiden Enden. Der Report zeigt fünf Pricing-Strategien für Snack-Hersteller und eine Portfolio-Checkliste für proteinbetonte Formate. 5 Pricing-Strategien jetzt abrufen
Ein interessanter Kontrast ergibt sich beim Fleischkonsum. Während 75 % der deutschen Generation Z gezielt Lebensmittel mit Proteinversprechen kaufen, stieg der Pro-Kopf-Fleischverzehr in Deutschland im Jahr 2025 leicht auf 54,9 kg an, verglichen mit 52,9 kg im Jahr 2023. In Schweden zeigt sich eine noch deutlichere Entwicklung: Dort stieg der Anteil junger Menschen, die mehrmals wöchentlich oder täglich Rindfleisch konsumieren, von 57 % im Jahr 2018 auf 78 % im Jahr 2026.
Im Bereich der Molkereiprodukte bleibt Käse ein stabiler Umsatzträger. Laut Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) entfällt rund die Hälfte der Haushaltsausgaben für Molkereiprodukte auf Käse, wobei 90 % des Absatzes über das Selbstbedienungsregal generiert werden. Die Experten erwarten hier einen weiteren Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs, insbesondere im Bereich Hart- und Schnittkäse.
