Matcha-Drinks, Teepulver

Matcha-Drinks: Nur 1% echtes Teepulver, 18g Zucker pro Flasche

26.05.2026 - 14:12:08 | boerse-global.de

Der Supplement-Markt wächst rasant, flüssige Tonics gewinnen an Bedeutung. Experten warnen jedoch vor unregulierten Anwendungen und Fälschungen.

Matcha-Drinks: Nur 1% echtes Teepulver, 18g Zucker pro Flasche - Foto: über boerse-global.de
Matcha-Drinks: Nur 1% echtes Teepulver, 18g Zucker pro Flasche - Foto: über boerse-global.de

Immer mehr Start-ups setzen auf flüssige Darreichungsformen – und die Nachfrage steigt rasant.

Der globale Markt für Supplemente wurde 2025 auf rund 517 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2033 erwarten Experten einen Anstieg auf etwa 862 Milliarden US-Dollar. Der Treiber: neue technologische Ansätze und ein wachsendes Bewusstsein für präventive Gesundheit.

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Berliner Start-up setzt auf Tonics

Ein Beispiel für diesen Wandel ist das Berliner Unternehmen INJU. Es hat sich auf flüssige Tonics spezialisiert, die eine effizientere Aufnahme der Wirkstoffe ermöglichen sollen. Das Portfolio umfasst zwei Hauptprodukte: „Focus“ unterstützt strukturierte Tagesabläufe, „Performance“ adressiert fordernde Belastungsphasen.

Die Zusammensetzung ist komplex. Das Fokus-Präparat enthält Pantothensäure, Coenzym Q10, Eisen sowie Extrakte aus Ginseng und Kurkuma. Hinzu kommen B-Vitamine und die Antioxidantien C und E. Die Performance-Variante setzt zusätzlich auf Alpha-Liponsäure, L-Carnitin und D-Ribose.

Der Vertrieb läuft unter anderem über exklusive Bündel-Angebote mit Wirtschaftsplattformen. Das zeigt: Lifestyle-orientierte Vermarktungsstrategien gewinnen an Bedeutung.

Was die Wissenschaft sagt

Parallel zum Marktwachstum rücken wissenschaftliche Erkenntnisse in den Fokus. Gary Small, emeritierter Professor für Psychiatrie am UCLA Longevity Center, betont die Bedeutung spezifischer Substanzen für die langfristige Vitalität. Curcumin etwa soll Gedächtnis und Aufmerksamkeit positiv beeinflussen – gestützt durch Untersuchungen mit 40 Erwachsenen.

Coenzym Q10 spielt eine wesentliche Rolle, besonders bei Menschen, die Statine einnehmen. Die große COSMOS-Studie mit über 2200 Teilnehmern deutete zudem an: Die regelmäßige Einnahme von Multivitaminpräparaten kann bei über 60-Jährigen das episodische Gedächtnis leicht verbessern.

Auch postbiotische Metaboliten gewinnen an Bedeutung. Urolithin A entsteht bei der Umwandlung von Inhaltsstoffen aus Granatäpfeln, Beeren und Walnüssen im Darm. Hersteller versprechen sich viel von einer direkten Supplementierung – sie umgeht die variablen Umwandlungsprozesse des Körpers.

Klinische Daten deuten darauf hin: Urolithin A stimuliert die Mitophagie, also das Recycling gealterter Mitochondrien. Das könnte Muskelkraft und Ausdauer positiv beeinflussen. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Huperzin A aus dem chinesischen Klubmoos werden für kognitive Leistungssteigerung eingesetzt.

Warnungen vor unregulierten Anwendungen

Trotz der positiven Prognosen mehren sich die Warnungen. Gesundheitsbehörden in Deutschland, den USA und Australien äußerten Ende Mai deutliche Sicherheitsbedenken gegen intravenöse Vitamin-Infusionen in sogenannten „Tropf-Spas“. Der Nutzen solcher Anwendungen sei wissenschaftlich nicht hinreichend belegt, die Nebenwirkungen potenziell gefährlich.

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Auch bei Longevity-Peptiden herrscht Skepsis. Viele Substanzen seien klinisch nicht ausreichend erforscht – Effekte wurden oft nur in Zell- oder Tierstudien beobachtet.

Ein weiteres Problem: die Authentizität von Trend-Rohstoffen. Die violette Yamswurzel (Ube) soll bis 2035 einen Marktwert von fast einer Milliarde US-Dollar erreichen. Doch massive Preissteigerungen führten zu Fälschungen. Statt echter Yamswurzel landen violette Süßkartoffeln oder künstliche Farbstoffe in den Produkten.

Ähnliche Transparenzdefizite zeigen sich bei Fertiggetränken. Untersuchungen an Matcha-Drinks ergaben: Der tatsächliche Anteil des hochwertigen Teepulvers liegt oft unter einem Prozent. Der Zuckergehalt dagegen erreicht mit etwa 18 Gramm pro Flasche vergleichsweise hohe Werte. Ernährungstherapeuten empfehlen daher die eigenständige Zubereitung mit zertifizierten Bio-Produkten.

Der Clean-Label-Trend erreicht die großen Konzerne

Der Wunsch nach Transparenz treibt auch etablierte Lebensmittelkonzerne zu Innovationen. In den USA reagiert Kraft Heinz mit einer neuen Dessertlinie. Umfragen zufolge meidet die Hälfte der Eltern künstliche Süßstoffe, ein Drittel betrachtet den Zuckergehalt als zentrales Kaufkriterium. Bis Ende 2027 will das Unternehmen bestimmte Farbstoffe vollständig aus seinem Portfolio entfernen.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei funktionellen Getränken. Das für Anfang Juni angekündigte „Spark Berry“ kommt ohne Zuckerzusatz und mit minimalem Kaloriengehalt aus – gezielt konzipiert für Kreative und Unternehmer.

Auch ökologische Aspekte gewinnen an Gewicht. Für Smoothies und Kaltgetränke kommen vermehrt Behältnisse aus recyceltem PET (rPET) zum Einsatz. Das verkürzt Transportwege und stärkt die Kreislaufwirtschaft.

Die Grundlagenforschung liefert zusätzliche Impulse: Südkoreanische Forscher isolierten kürzlich ein Bakterium aus Kimchi, das Nanoplastikpartikel im Darm binden und deren Ausscheidung signifikant erhöhen kann. Angesichts der hohen Belastung von abgefülltem Wasser mit Kunststoffpartikeln könnte dieser Befund an Bedeutung gewinnen.

Wohin die Reise geht

Die Branche steht vor einer weiteren Professionalisierung. Innovative Start-ups schaffen mit flüssigen Lösungen neue Konsumanlässe. Gleichzeitig wird die Validierung von Gesundheitsversprechen durch klinische Daten zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Der Markt bewegt sich weg von pauschalen Multivitamin-Lösungen. Stattdessen dominieren zielgerichtete Interventionen für kognitive Leistung, mitochondriale Gesundheit und Anti-Aging.

Dennoch bleiben klassische Lebensstilfaktoren das Fundament: ausreichend Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Supplemente können darauf aufbauen – sie ersetzen es nicht. Für Unternehmen wird es in den kommenden Jahren essenziell sein, die Balance zwischen Marketing-getriebenen Trends und fundierter wissenschaftlicher Sicherheit zu wahren. Nur so lässt sich das Vertrauen der Konsumenten langfristig sichern.

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