Mastercard: KI-Sicherheit stoppt 70 Milliarden Betrugsversuche
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister Mastercard hat seine Kapazitäten zur Identifizierung betrügerischer Transaktionen durch den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz massiv ausgebaut. Wie das Unternehmen im Rahmen aktueller Berichte zum Geschäftsverlauf bekannt gab, verarbeitete Mastercard im Jahr 2025 insgesamt 175 Milliarden Transaktionen. Jede einzelne dieser Transaktionen wurde in einer Zeitspanne von weniger als 100 Millisekunden bewertet. Durch den Einsatz neuer KI-Modelle konnte die Erkennungsrate von Betrugsversuchen in sogenannten Hochrisiko-Bändern um 300 bis 400 Prozent gesteigert werden.
Das Sicherheitssystem des Konzerns, bekannt als Safety Net, verhinderte den Angaben zufolge bereits 70 Milliarden betrügerische Transaktionen. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung von KI-gestützten Sicherheitslösungen im globalen Zahlungsverkehr, in dem die Geschwindigkeit der Abwicklung und die Präzision der Risikoanalyse zunehmend über die Stabilität des Systems entscheiden.
Transformation zum Agentic Commerce
Mastercard-CEO Michael Miebach beschrieb die aktuelle Entwicklung als nächste Evolutionsstufe, den sogenannten Agentic Commerce. Während die physische und digitale Karteninfrastruktur weiterhin das zentrale Element bleibe, rücken automatisierte KI-Agenten, die eigenständig Transaktionen ausführen können, stärker in den Fokus. Chief AI and Data Officer Greg Ulrich kündigte Mitte Juli 2026 an, dass Mastercard sein Risikoframework gezielt umstellt, um diesen KI-Agenten die sichere Abwicklung von Zahlungen zu ermöglichen.
Ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells hat sich bereits verschoben: Rund 40 Prozent des Geschäfts von Mastercard entfallen mittlerweile auf den Bereich Services, wobei ein Drittel dieser Dienstleistungen auf Künstlicher Intelligenz basiert. Das Sicherheitskonzept beruht dabei auf fünf Ebenen: Identität, verifizierbare Absicht, Kontrollen, die Ausführung über Mastercard Agent Pay sowie eine übergeordnete Intelligenzebene. Für die technische Umsetzung der Agenten-Zahlungen kooperiert das Unternehmen mit Partnern wie Microsoft, OpenAI und Google. Eine Funktion namens Verifiable Intent soll es zudem ermöglichen, von KI-Agenten getätigte Käufe rechtlich anzufechten.
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Starke Quartalszahlen und Investitionen in Cybersicherheit
Die technologische Aufrüstung spiegelt sich auch in den Finanzdaten für das zweite Quartal 2026 wider. Mastercard steigerte seinen Nettoumsatz um 14 Prozent auf 9,3 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 5,04 US-Dollar über den Erwartungen der Analysten von 4,77 US-Dollar. Das Bruttodollarvolumen stieg um 8 Prozent auf 2,9 Billionen US-Dollar, während das grenzüberschreitende Volumen ein Plus von 12 Prozent verzeichnete.
Seit 2019 hat der Konzern rund 12,6 Milliarden US-Dollar in Cybersicherheit investiert. Der Bedarf ist hoch: Ein aktueller Cyber Pulse Report für die Regionen EEMEA zeigt, dass 71 Prozent der Cyberkriminalität finanziell motiviert sind. Rund 66 Prozent der Angriffe zielen direkt auf Geschäftssysteme, Infrastrukturen und Kundendaten ab. Mastercard hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 weltweit 500 Millionen Menschen sowie kleine und mittlere Unternehmen vor solchen Bedrohungen zu schützen.
Branchenweites Wettrüsten bei KI-Sicherheitslösungen
Nicht nur Mastercard, auch andere Akteure im Zahlungssektor rüsten technologisch auf. Visa kündigte die Erweiterung seiner Intelligent Commerce Platform an, die speziell für KI-Agenten Funktionen wie einen Agent Score und ein Agentic Directory bereithält. In Kooperation mit OpenAI setzt Visa zudem auf ein neues Large Transaction Model, um die Betrugserkennung weiter zu verfeinern. Besonders im Bereich der Tokenisierung verzeichnet Visa Fortschritte; in der Region CEMEA stieg der Anteil tokenisierter Transaktionen bis 2026 auf 70 Prozent.
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Gleichzeitig startet das Unternehmen WEX Anfang August 2026 die Lösung SecureFuel für nordamerikanische Gewerbeflotten. Das System nutzt KI, um unbefugte Kraftstoffkäufe in Echtzeit zu stoppen, indem es Transaktionsdaten mit Fahrzeug-Informationen abgleicht.
Marktforscher von Gartner ordnen die aktuelle Dynamik jedoch differenziert ein. Während die Adoption von KI im Bankwesen stark steige, hätten bisher nur 38 Prozent der Organisationen tatsächliche finanzielle Gewinne daraus gezogen. Während sich Machine Learning im Sektor bereits etabliert habe, befinde sich generative KI im Bankwesen derzeit in einer Phase der Ernüchterung, da insbesondere Black-Box-Modelle das Vertrauen der Nutzer vor Herausforderungen stellen. Dennoch bleiben die Investitionen hoch: Branchenexperten schätzen die globalen Ausgaben für Verhaltensbiometrie im Jahr 2026 auf bis zu 4,0 Milliarden US-Dollar.
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