MASS-Code ab Juli: IMO regelt autonome Schiffe erstmals weltweit
27.06.2026 - 11:18:48 | boerse-global.de
Während Microsoft seine KI-Tools für den Transportsektor ausbaut, treiben neue Sicherheitsvorschriften für autonome Schiffe die Digitalisierung voran. Spezialisierte Investoren pumpen Millionen in maritime Überwachungstechnologie und Schiffbau-Automatisierung.
Microsoft rüstet Transportbranche mit KI aus
Der Softwarekonzern hat mehrere Erweiterungen seiner Copilot-Plattform speziell für Logistik und Transport vorgestellt. Der Azure Copilot Observability Agent soll die wachsende Komplexität von Cloud-Infrastrukturen beherrschbar machen, indem er Logdaten, Metriken und Abläufe systemübergreifend analysiert. Firmen wie KPMG konnten durch den Einsatz hunderte Arbeitsstunden pro Monat einsparen.
Für Airlines und Reedereien steht nun der LiteLLM AI Gateway auf Azure bereit. In Kombination mit Microsoft ASSERT prüft das System KI-Assistenten auf Compliance mit Branchenrichtlinien. Ziel ist es, Fehlinformationen zu Flugdaten oder unautorisierte Entschädigungsversprechen zu verhindern.
Auch die Excel-Integration von Copilot wurde ausgebaut. Finanzteams in der Schifffahrt können nun wiederkehrende Aufgaben wie Abweichungsanalysen automatisieren – unterstützt durch Daten von Anbietern wie S&P Global und FactSet. Erst Anfang Juni war der Copilot Cowork gestartet, der mehrstufige Arbeitsabläufe über verschiedene Anwendungen hinweg automatisiert.
Millionen-Finanzierung für maritime KI-Plattform
Das irische Unternehmen Ubotica hat in einer Finanzierungsrunde unter Führung von ACT Venture Capital und Greencode Ventures umgerechnet rund 10 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld fließt in die Weiterentwicklung der „Live Maritime Intelligence"-Plattform, die Satelliten-KI für die Schiffsüberwachung nutzt.
Unter CEO Fintan Buckley hat Ubotica bereits Hunderttausende KI-Analysen im Orbit durchgeführt und zahlreiche Erdbeobachtungsmodelle eingesetzt. Die Plattform liefert Echtzeitdaten für Schiffsverfolgung und Umweltüberwachung – ein entscheidender Vorteil in Zeiten zunehmender maritimer Sicherheitsanforderungen.
Die zunehmende Integration von KI-Systemen in der Logistik erfordert von Unternehmen eine präzise Kenntnis der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über die Anforderungen, Pflichten und Risikoklassen der aktuellen EU-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Parallel dazu hat die Klassifikationsgesellschaft DNV ihren „Steel Load Planner" aktualisiert. Das System optimiert die Beladung von Stahlcoils unter Berücksichtigung schiffsspezifischer Strukturdaten und Reiserouten.
Autonome Schiffe: Neuer Sicherheitscode ab Juli
Die Branche bereitet sich auf eine historische Regulierungsänderung vor: Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat den ersten internationalen Sicherheitscode für autonome Überwasserschiffe verabschiedet – den MASS-Code. Er tritt Anfang Juli in Kraft und ist zunächst für mindestens zwei Jahre freiwillig.
Der Code schafft einen Rahmen für den sicheren Betrieb großer Handelsschiffe auf internationalen Routen. Langfristig könnte er unter dem Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) verpflichtend werden. Für deutsche Reeder bedeutet dies: Wer frühzeitig auf autonome Technologien setzt, sichert sich Wettbewerbsvorteile.
Roboter-Schweißer für Werften
HD Hyundai und Persona AI entwickeln gemeinsam humanoide Schweißroboter für den Schiffbau. Die zweibeinigen Plattformen nutzen spezielle Roboterhände, die auf Luftfahrt-Designs basieren. Sie sollen gefährliche oder monotone Aufgaben übernehmen. Ein Prototyp wird noch für dieses Jahr erwartet, der kommerzielle Einsatz ist für 2027 geplant.
Weitere Innovationen im Überblick
- Drahtlose Branderkennung: Consilium Safety Group und Samsung Heavy Industries erhielten die Grundsatzgenehmigung des American Bureau of Shipping für ein Rauch- und Hitzemeldesystem, das die vorhandene Metallstruktur des Schiffs zur Signalübertragung nutzt.
- Umweltüberwachung: Fugro installierte acht Meeresboden-Stationen vor der irischen Küste zur Erfassung von Meeressäugern – Teil eines 900-Megawatt-Offshore-Windparkprojekts für EirGrid.
- Nuklearantrieb: Ein Konsortium um MIT und HD KSOE erhielt die Genehmigung für einen Reaktor-Entwurf, der synthetische Flüssigkeit zur Wärmeübertragung bei nahezu atmosphärischem Druck nutzt.
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US-Behörde verkürzt Bearbeitungszeiten
Das US-amerikanische National Maritime Center meldete Fortschritte bei der Verwaltungseffizienz: Die Bearbeitungszeit für maritime Zertifikate sank auf acht Monate – deutlich weniger als die bisherigen acht bis zwölf Monate. Ein Signal, dass auch die Bürokratie den digitalen Wandel in der Schifffahrt erkannt hat.
