MASLD-Diagnostik: SomaSignal erkennt fortgeschrittene Fibrose mit AUC 0,92
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) stellt eine erhebliche globale Gesundheitsbelastung dar: Schätzungen zufolge betrifft sie bis zu 1 von 3 Erwachsenen weltweit. In Risikogruppen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes steigt dieser Anteil auf bis zu 7 von 10 Personen.
Vor diesem Hintergrund widmete sich das europäische LITMUS-Konsortium der systematischen Validierung nicht-invasiver Testverfahren zur Diagnostik von MASLD und der entzündlichen Verlaufsform MASH.
Die im Fachjournal The Lancet veröffentlichte multizentrische Diagnosegenauigkeitsstudie (Vali, Wonders, Lee et al., Lancet 2026;408(10566):1850–1865) liefert nun detaillierte Einblicke in die Leistungsfähigkeit moderner Biomarker.
Breiter Kohortenansatz mit histologischem Vergleich
Die Untersuchung stützt sich auf eine Kohorte von 1.590 Erwachsenen mit histologisch gesicherter MASLD aus 13 Ländern, die im Zeitraum von 2018 bis 2023 rekrutiert wurden. Um eine verlässliche Validierung zu gewährleisten, wurden alle Biomarker gegen eine zentral analysierte Leberhistologie bewertet.
Die Zusammensetzung der Studienpopulation spiegelte das breite Spektrum der Erkrankung wider:
* 43% der Teilnehmenden wiesen eine MASH auf,
* 38% fielen in die Kategorie „at-risk MASH“,
* 37% zeigten eine fortgeschrittene Fibrose,
* 10% wiesen bereits eine Zirrhose auf.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die diagnostische Aussagekraft einzelner Marker: Während isolierte Parameter gegenüber der Histologie eine begrenzte Treffsicherheit zeigten, erreichten Multimarker-Panels – insbesondere auf proteomischer Basis – eine hohe diagnostische Genauigkeit.
Leistungsfähigkeit der Biomarker-Panels im Krankheitsverlauf
Bei der Erkennung von Patienten mit sogenannter at-risk MASH erreichte das SOMAScan-Proteom-Panel SomaSignal als einziger Test die vordefinierte Leistungsschwelle von einem AUC-Wert über 0,80. Das Verfahren erzielte eine AUC von 0,83 (95%-KI 0,80–0,85).
Auch bei der Diagnose fortgeschrittener Fibrosestadien zeigte SomaSignal mit einer AUC von 0,92 (95%-KI 0,90–0,94) die höchste Genauigkeit. Dahinter folgten:
* FibroMeter-VCTE mit einer AUC von 0,87,
* Agile 3+ und TSP2 mit jeweils 0,84,
* NIS4 mit einem Wert von 0,82.
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Im Stadium der Zirrhose erwies sich FibroMeter-VCTE mit einer AUC von 0,94 (95%-KI 0,90–0,97) als führend, dicht gefolgt von SomaSignal mit 0,92. Eine Gruppe weiterer Verfahren – darunter Agile 3+, Agile 4, ADAPT, ELF, LSM-VCTE und TSP2 – erreichte in dieser Kategorie AUC-Werte zwischen 0,84 und 0,88.
Als praxistaugliche Vorgehensweise analysierten die Autoren zudem sequenzielle Teststrategien. Ein Gamma-GT-basierter Ansatz erfüllte die vordefinierten Genauigkeitsschwellen für fortgeschrittene Fibrose sowie at-risk MASH. Dabei übertraf der Gamma-GT-Bluttest den etablierten FIB-4-Score als Erstlinientest, woran sich ein Zweitlinientest mittels ELF oder FibroScan anschloss.
Bildgebende Verfahren und spezialisierte Metabolomik
Ergänzend zu den serologischen Tests wurden bildgebende Methoden evaluiert. Die begleitende LITMUS Imaging Study, die in Nature Medicine publiziert wurde, untersuchte Magnetresonanztomographie und Elastographie bei über 350 Personen. Hierbei wiesen die MR-Elastographie (MRE) und die FibroScan-Elastographie einschließlich des Agile 3+ Scores die höchste Genauigkeit bei fortgeschrittener Fibrose und Zirrhose auf.
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Darüber hinaus beteiligte sich Rubió Metabolomics mit dem metabolomischen Bluttest OWLiver an dem Konsortium. Die Bestimmungen der Proben erfolgten in Derio (Bizkaia). Während OWLiver-MASEF speziell zur Identifikation von at-risk MASH evaluiert wurde, zeigte die Variante OWLiver-MASH Potenzial als Instrument zur Vorauswahl betroffener Patienten vor einer bestätigenden Gewebebiopsie.
Bedeutung für Richtlinien und klinische Praxis
Das LITMUS-Konsortium umfasst 53 internationale Partner und wurde durch das Innovative Medicines Initiative 2 Joint Undertaking, das EU-Programm Horizon 2020 sowie den Branchenverband EFPIA finanziert. Prof. Quentin Anstee von der Newcastle University fungierte als Joint Senior Author der Hauptstudie.
Die ermittelten Evidenzen sollen dazu beitragen, nicht-invasive Tests verlässlich in klinische Standardpfade zu integrieren. Zudem dienen die Ergebnisse als Referenz für zukünftige medizinische Leitlinien, regulatorische Bewertungsverfahren und das Design künftiger klinischer Therapiestudien.
