Maskierte, Hypertonie

Maskierte Hypertonie: 70 Prozent höheres Sturzrisiko bei Senioren

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Erwachsenen ab 78 Jahren war die verborgene Hochdruckform mit einem um 70 Prozent höheren Sturzrisiko verbunden.

Maskierter Bluthochdruck im Alter: Studie zeigt erhöhtes Sturzrisiko
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Flur in einem modernen Wohngebäude für Senioren mit klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Wenn der Blutdruck bei ärztlichen Untersuchungen unauffällig bleibt, im alltäglichen Umfeld jedoch erhöhte Werte erreicht, sprechen Mediziner von einer maskierten Hypertonie. Diese verborgene Form des Bluthochdrucks birgt für ältere Menschen spezifische Gefahren, die über die bekannten kardiovaskulären Schäden hinausgehen.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt den funktionellen Risiken dieses Phänomens und zeigen insbesondere eine deutliche Verbindung zu einer gesteigerten Sturzhäufigkeit im Alter.

Erhöhte Sturzgefahr bei unentdeckten Hochdruckwerten

Eine wissenschaftliche Auswertung im Rahmen der traditionsreichen ARIC-Studie, die seit 1985 in vier US-Gemeinden durchgeführt wird, analysierte die Folgen unterschiedlicher Blutdruckmuster bei Hochbetagten.

Die auf den Hypertension Scientific Sessions der American Heart Association vom 7. bis 11. Oktober 2026 in Arlington im US-Bundesstaat Virginia vorgestellte Untersuchung basiert auf Messungen aus dem Jahr 2023 und wurde von der American Heart Association sowie den National Institutes of Health finanziert.

Die Studienkohorte umfasste 758 Erwachsene im Alter von 78 bis 98 Jahren mit einem medianen Alter von 83 Jahren. Der Frauenanteil lag bei 59 Prozent, 17 Prozent der Teilnehmenden waren Schwarze Erwachsene, und 82 Prozent nahmen blutdrucksenkende Medikamente ein.

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Bei der Einteilung zeigten 34,5 Prozent eine anhaltende Hypertonie und 33,2 Prozent normale Blutdruckwerte. Eine Weißkittel-Hypertonie – also erhöhte Werte in der Praxis bei normalen Messungen zu Hause – lag bei 17,0 Prozent vor, während 15,4 Prozent der Probanden eine maskierte Hypertonie aufwiesen.

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 350 Tagen berichteten 23,4 Prozent der Teilnehmenden über mindestens einen Sturz innerhalb von zwölf Monaten.

Die Analyse des noch nicht im Peer-Review-Verfahren begutachteten Abstracts ergab, dass eine maskierte Hypertonie im Vergleich zu einer anhaltenden Hypertonie mit einem um 70 Prozent höheren Sturzrisiko verbunden war. Eine Weißkittel-Hypertonie ging dagegen mit einem geringeren Sturzrisiko einher.

Definition und kardiovaskuläre Folgeerscheinungen

Eine maskierte Hypertonie liegt definitionsgemäß vor, wenn der Praxisblutdruck unter 140/90 mmHg liegt, außerhalb der Praxis jedoch Schwellenwerte überschritten werden. Hierzu zählen ein 24-Stunden-Mittelwert von mindestens 130/80 mmHg oder Heimmesswerte von mindestens 135/85 mmHg.

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Schätzungen beziffern die Prävalenz in der allgemeinen erwachsenen Bevölkerung auf 10 bis 30 Prozent. Bei behandelten Hochdruckpatienten, älteren Erwachsenen, Menschen mit Diabetes oder Personen unter hohem beruflichem Stress treten diese verdeckten Werte noch häufiger auf.

Die klinischen Risiken der maskierten Hypertonie reichen weit über Stürze hinaus. Die Ausprägung ist mit einem etwa zweifach höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sowie für Organschäden verknüpft. Dazu zählen linksventrikuläre Hypertrophien, eine erhöhte Intima-Media-Dicke der Karotis und stille zerebrovaskuläre Läsionen, welche die Gefäß- und Hirngesundheit schleichend beeinträchtigen können.

Diagnostische Schwellenwerte und Empfehlungen zur Heimmessung

Um eine maskierte Hypertonie festzustellen, gilt ein Sieben-Tage-Heimdurchschnitt von mindestens 135/85 mmHg als diagnostischer Grenzwert. Zum allgemeinen Vergleich dient ein Richtwert von 120/70 mmHg als normaler Blutdruck.

Gemäß Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gelten systolische Werte über 129 mmHg sowie diastolische Werte über 75 mmHg als behandlungsbedürftig, während ein Blutdruck ab 140/90 mmHg generell als Hypertonie definiert ist.

Für die Einordnung im Praxisalltag verweist Prof. Dr. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung darauf, dass Praxiswerte über 135/85 mmHg an zwei Tagen oder Heimmesswerte über diesem Niveau an sieben Tagen das Vorliegen eines Bluthochdrucks anzeigen. Ein niedriger Blutdruck von etwa 95/50 mmHg sei laut Prof. Dr. Felix Mahfoud vom Universitätsklinikum des Saarlandes hingegen nicht behandlungsbedürftig.

Um unbemerkte Spitzenwerte im Alltag zu dokumentieren, empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga eine strukturierte Heimmessung. Betroffene sollten einmal im Monat an sieben aufeinanderfolgenden Tagen morgens und abends jeweils zwei Messungen vornehmen und aus den ermittelten Werten den Durchschnitt berechnen. Durch dieses Verfahren lässt sich feststellen, ob der Blutdruck abseits der Arztpraxis dauerhaft über den kritischen Grenzwerten liegt.

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